Basler Männle Rebveredelung
Hier entsteht der künftige Wein: Simone und Stephan Männle in ihrer Rebschule. die Felder müssen alle zwei Jahre gewechselt werden, so anspruchsvoll sind die jungen Triebe. Durch das Pfropfen werden die Weinstöcke resistent gegen die Reblaus. | Foto: Michaela Bross

Rebveredelung in Oberachern

Vor dem Wein-Genuss steht eine Menge Arbeit

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Von Michaela Bross

Exakt ausgerichtet und frisch gegipfelt stehen die Jungpflanzen der Rebveredlung Basler-Männle in der Rebschule auf dem Feld: 350 000 Jungpflanzen auf dreieinhalb Hektar, verteilt auf drei Felder. Alle zwei Jahre muss das Feld gewechselt werden, sagen Simone und Stephan Männle. Die jungen Pflanzen sind anspruchsvoll. Hier im Acherner Stadtteil Oberachern fängt an, was nachher im Glas goldgelb oder rubinrot leuchtet – der Wein. Schon in der dritten Generation werden Reben in Oberachern veredelt. Simone Männles Großvater Albert Bauer fing 1956 an, 1977 übernahmen Franz-Xaver und Edeltraud Basler den Betrieb und entwickelten ihn weiter. Seit 2007 sind sie und ihr Ehemann mit im Boot und führen die Tradition fort.

Männle ist vom Zungenschnitt überzeugt

Tradition hat auch der Zungenschnitt beim Veredeln. Früher war er überall üblich, mittlerweile wurde er jedoch durch andere Schnitte ersetzt. Stephan Männle ist aber immer noch vom Zungenschnitt überzeugt: „Wir sind die einzigen in Deutschland, die diesen noch praktizieren.“ Das Besondere am Zungenschnitt ist, dass er ein vorsichtiger Schnitt ist. Die Zellen des Rebholzes werden kaum beschädigt, der Saftfluss geht zum Auge hin und die aufgepropfte Rebe wächst schneller an. Für den Zungenschnitt hat der Betrieb eine eigene Maschine entwickelt. Wichtig im Vorfeld ist natürlich auch gesundes Pflanzenmaterial. Immer wieder wird geprüft. 20 bis 25 Arbeitsschritte per Hand braucht es im Veredlungsprozess.

Basler Männle Rebveredelung
Viel Handarbeit: Die gepfropften Reben warten im Vortreibraum auf die weitere Verarbeitung. | Foto: Michaela Bross

Aber warum ist das notwendig? Ein Blick in die Geschichte des deutschen Weinbaus zeigt, dass das Pfropfen ein biologischer Sieg über die Reblaus war, die im 19. Jahrhundert von Amerika nach Europa gekommen war. Nach dem Veredeln kommen die Reben in den Vortreibraum, in dem 30 Grad herrschen. Anschließend wandern die Stecklinge ins Freie, um dort in der Rebschule kräftig auszutreiben. Hier werden die Jungpflanzen gehegt und gepflegt. Im Herbst werden sie gerodet, geprüft, gekürzt, gebündelt und für mehrere Monate im Kühlraum gelagert, bevor sie im Frühjahr verkauft und gepflanzt werden.

Weiße Sorten sind im Trend

Doch welche Rebsorten werden veredelt? Im Trend sind zurzeit die weißen Sorten, weiß Stephan Männle. Begehrt seien überwiegend Grauburgunder/Ruländer, Müller-Thurgau und Weißburgunder. Randsorten wie Chardonnay oder Silvaner halten sich in Grenzen. Die Rebveredlung Basler/Männle hat allein vom Ruländer zehn verschiedene Klone. Insgesamt bieten sie 33 weiße Sorten, elf rote Sorten und vier Tafeltraubensorten sowie 39 Hochstammreben an.

Auch Boden und Lage spielen eine Rolle

Er sei nicht nur Rebveredler sondern auch ein Berater für die Winzer, so Stephan Männle. Es komme nicht nur auf die Pflanze an, sondern auch auf den Boden und die Lage der zukünftigen Reben. Individuell berät er kleine oder große Winzer, Winzergenossenschaften oder Weingüter. Auch geht er gerne auf die Wunschkombinationen seiner Kundschaft ein. Ein schnelles Geschäft ist das aber nicht – die Veredlung dauert drei Jahre. Als Rebveredler müsse man flexibel sein, das zeige die Erfahrung.

Klon braucht 15 Jahre bis zum Verkauf

Seit neuestem ist das Team Basler-Männle auch unter die Rebzüchter gegangen. Mit einem Ruländer-Klon Selektion BML sei ihnen eine lockerbeerige Traube gelungen, die auch die passende Menge bringt. Seit drei Jahren habe man schon Wein daraus gemacht. Insgesamt brauche ein Klon bis zu 15 Jahren, bis er fertig sei zum Verkauf, erklären Simone und Stephan Männle. Frostereignisse wie in diesem Jahr müssen auch Berücksichtigung finden. Um den Winzer bei ihrer Entscheidung zu helfen, bieten sie Rebsorten- und Klonentage mit Besichtigungen an. Daneben bauen die Familien Basler und Männle auf fünf Hektar eigene Reben an, die sie in die Winzergenossenschaft Alde Gott, Sasbachwalden, liefern.

Die Reblaus:
Die Katastrophe nahm 1858 ihren Anfang. Aus Amerika wurden Weinreben, die mit der Reblaus besetzt waren, in den Süden Frankreichs verschickt. Zur gleichen Zeit und in den folgenden Jahren wurden auch Reben nach Portugal, England, Deutschland und Österreich-Ungarn exportiert. Zwischen 1865 und 1885 zerstörte die Reblaus große Teile der französischen Weinanbaugebiete (rund 2,5 Millionen Hektar Weinberge). In deutschen Weinbaugebieten trat die Reblaus erstmals 1874 in der Nähe von Bonn, 1907 im Mosel-Saar-Ruwer-Gebiet und schließlich 1913 im Weinbaugebiet Baden auf. Die Bekämpfung gestaltete sich schwierig.
Die Rettung der europäischen Weinkultur erfolgte durch das Kopieren einer Technik im Obstbau: das Pfropfen. Die resistente amerikanische Rebwurzel wurde als Unterlage verwendet, auf welche die deutsche Rebe veredelt wurde. Lange Zeit wurden die Verfahren zur Rebenveredlung verfeinert, so dass heute jede Rebe in Deutschland auf amerikanische Wurzeln steht.