Das 60-jährige Bestehen feiert WeberHaus in Rheinau-Linx. | Foto: WeberHaus

Gründung vor 60 Jahren

WeberHaus in Rheinau-Linx: Mit 800 Mark Kapital Erfolgsgeschichte gestartet

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Aus seinem kleinen Zimmereibetrieb machte Hans Weber die Firma WeberHaus, heute einer der deutschen Marktführer im Fertighausbau. Jetzt feiert das Unternehmen sein 60-jähriges Bestehen. Der Firmengründer ist noch immer aktiv.

Mit 800 D-Mark als Startkapital riskierte der 23-jährige Hans Weber am 1. Januar 1960 in Linx den Schritt in die Selbstständigkeit. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht: Aus seinem kleinen Zimmereibetrieb machte der Unternehmer die Firma WeberHaus, heute einer der deutschen Marktführer im Fertighausbau. In der kommenden Woche feiert das Unternehmen den 60. Geburtstag. Der ABB sprach mit Hans Weber und der geschäftsführenden Gesellschafterin Heidi Weber-Mühleck über die Vergangenheit und Zukunft ihrer Firma.

Zwei bis drei Häuser verlassen pro Tag Ihre Werkshalle in Linx, insgesamt hat Ihre Firma rund 37.000 Häuser gebaut. Warum gerade Linx?

Hans Weber: Ich bin zwar auf Sumatra geboren, aber meine Eltern kommen aus Linx. Mein Großvater war Zimmermann, ebenso mein Vater, der ab 1920 für eine holländische Firma in Indonesien arbeitete. Für mich war nach der Rückkehr der Familie klar, dass auch ich Zimmermann werden wollte. Und in Linx habe ich 1960 die Zimmerei von Jacob Gerold in der Linxer Hauptstraße übernommen. Ja, und dann bin ich auf die Idee gekommen, Fertighäuser zu bauen. Das lief so gut, dass ich schon zehn Jahre später für die Zimmerei keine Aufträge mehr entgegennehmen konnte.

Auf der Fahrt nach Linx bin ich hinter einem Firmenwagen von WeberHaus gefahren. „Bewerben Sie sich“ stand darauf. Warum sollten ausgerechnet Sie Probleme haben, Mitarbeiter zu finden?

Hans Weber: Wir haben zur Zeit exakt 1.230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und wir brauchen noch mehr. Allerdings sind gute Mitarbeiter, vor allem Bauhandwerker, schwer zu finden.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Hans Weber: Einerseits fehlt der Nachwuchs, weil sich nun die geburtenschwachen Jahrgänge auswirken. Das merkt auch jeder Verein. Andererseits muss man leider feststellen, dass es jungen Leuten an der grundsätzlichen Bereitschaft fehlt, ein Handwerk zu erlernen. Die wollen alle, so scheint es, das Abitur machen.

Der Facharbeitermangel ist das eine – wie sieht es auf dem Ausbildungsmarkt aus?

Heidi Weber-Mühleck: Selbstverständlich bilden wir auch aus. Und zwar in acht Ausbildungsberufen. Mittlerweile haben über 2.000 junge Leute ihre Ausbildung bei uns erfolgreich absolviert. Leider ist es aktuell nicht ganz einfach, junge Menschen gerade für eine Lehre im Handwerk zu überzeugen. Das war früher besser.

Visionär in Sachen Fertighaus: Hans Weber in der Produktionshalle. Täglich werden hier bis zu drei Häuser produziert. | Foto: Michael Moos

Wie schätzen Sie die gegenwärtige Marktlage ein – Stichwort Zinstief und Wohnungsmangel?

Hans Weber: Für den Bau sind das jetzt goldene Zeiten. Das war nicht immer so. Erst vor zwölf Jahren befanden wir uns in einer ernsten Krise, nachdem die Zahl der Baugenehmigungen für Ein-bis Zweifamilienhäuser von 200.000 auf 80.000 gesunken ist. Die Gründe waren das Ende der Sonderkonjunktur nach der Wiedervereinigung, aber auch die Abschaffung der Eigenheimförderung. Heute werden wieder mehr Häuser und Wohnungen gebaut, um den entstandenen Mangel an Wohnungen abzubauen. Davon profitieren wir – natürlich auch von den niedrigen Zinsen. Positiv wirkt sich für uns aber auch der allgemein steigende Anteil der Fertighäuser aus. In Baden-Württemberg hat dieser Anteil rund 40 Prozent erreicht. Das liegt nicht zuletzt an den im Vergleich zur konventionellen Bauweise besseren Möglichkeiten der Energieeinsparung.

Apropos Energiesparen: In unserem Archiv habe ich ein Bild aus dem Jahr 2010 gefunden. Es zeigt ein Elektrofahrzeug, das mit dem Strom geladen wird, der von einem Weber-Haus erzeugt wird…

Hans Weber: Ja, das war unser damaliger Haustyp „Generation 5.0“, der anlässlich des 50. Firmenjubiläums entwickelt wurde. Bei unseren „Plus Energiehäusern“ gab es im vergangenen Jahrzehnt eine kleine Revolution: Was die Automobilindustrie noch vor sich hat, haben wir schon erreicht. Wurden unsere Häuser vor gut zehn Jahren noch zu 95 Prozent mit Öl oder Gas beheizt, werden heute 90 Prozent über Wärmepumpen versorgt. Auch wenn das in der Anschaffung etwas teurer ist, rechnet sich für unsere Kunden auf jeden Fall. Übrigens sind wir als Unternehmen ebenfalls Vorreiter beim Klimaschutz. Wir erzeugen Strom mit unserer Fotovoltaikanlage, die zweitgrößte im Ortenaukreis, und außerdem betreiben seit 1974 eine Holzheizung, bei der wir die anfallenden Holzabfälle verwerten. 25 bis 30 Prozent der in unserem Unternehmen benötigten Energie erzeugen wir selbst.

Bei der jüngsten Betriebsversammlung sprachen Sie über Ihre Erweiterungspläne in Linx. Was hat es damit auf sich?

Hans Weber: Wir erweitern die Fertigungshallen und setzen auf eine neue Technik. Dafür werden wir in den kommenden beiden Jahren 15 Millionen Euro investieren. In den neuen Hallen werden auch Roboter zum Einsatz kommen. Aber keine Sorge – die sollen keine Mitarbeiter ersetzen, sondern vielmehr zur Erleichterung der Arbeit und zur Ausweitung unserer Kapazitäten dienen.

Stichwort Arbeitserleichterung: Mit Ihren 83 Jahren haben Sie ganz offensichtlich noch viel Spaß an der Arbeit. Denken Sie nicht ans Aufhören?

Hans Weber (lacht): Nun, ich bin am Morgen nicht mehr der erste im Betrieb – und abends auch nicht mehr der Letzte. Aber ich bin noch dabei und unterstütze ein bisschen.
Heidi Weber-Mühleck: Wir haben jeder unsere Zuständigkeiten. Aber am liebsten entscheidet er!

 

Zur Person
Hans Weber wurde am 28. September 1936 in Pangalan-Brandan auf Sumatra als zweiter Sohn von Friedrich und Luise Weber geboren. Nach der Rückkehr der Familie nach Linx legte er 1959 die Meisterprüfung im Zimmererhandwerk ab. Der begeisterte Musiker und Fußballfan Hans Weber übernahm zahlreiche Ehrenämter und wurde vielfach geehrt.
Unter anderem erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, außerdem ist er Ehrenbürger der Stadt Rheinau.