Stilles Gebet ja; Gottesdienste nein: Die katholischen und evangelischen Gemeinden reagieren auf die Corona-Krise. | Foto: Patrick Seeger

Kirchen im Krisenmodus

Weder Erstkommunion noch Konfirmation in Achern

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Ein Problem – und viele ungelöste Fragen. Während in der Corona-Krise die Kommunen im Raum Achern ihre Rathäuser schließen, sehen sich die christlichen Gemeinden vor großen Herausforderungen. Dabei geht es längst nicht nur um die mittlerweile fast flächendeckend erfolgte Absage von Gottesdiensten. Antworten werden auch gesucht auf die Frage nach dem Umgang mit Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, mit Sterbenden und trauernden Angehörigen.

„Die Verbreitung des Corona-Virus stellt uns vor bisher ungeahnte Maßnahmen und Entscheidungen“, heißt es in einem Schreiben des evangelischen Dekans Günter Ihle an Geistliche, Kirchengemeinderäte und Mitarbeitende der 55 Ortenauer Kirchengemeinden. „Auf der Grundlage unseres Glaubens und im Vertrauen auf Gottes Begleitung in allen Lebenssituationen sind wir der Überzeugung, dass wir klar und entschlossen in großer Solidarität mit allen Betroffenen handeln müssen“. Das gelte vor allem bei der Beachtung aller gebotenen Maßnahmen der regionalen Gesundheitsbehörden und der lokalen Polizeibehörden.

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„Das berührt den Kern unseres Glaubens“

In einer Sondersitzung der Leitungsrunde des evangelischen Kirchenbezirks wurde den Gemeinden empfohlen, bis einschließlich 19. April auf alle kirchlichen Veranstaltungen zu verzichten. Damit würden auch die Konfirmationstermine abgesagt. „Das berührt in der Passions- und Osterzeit den Kern unseres Glaubens“, so der Dekan. Man wolle in diesen Tagen die geistliche Gemeinschaft nicht aufgeben, ihr aber „eine andere Form geben“. Beispielsweise soll die „Vater-unser-Glocke“ als Einladung zum Gebet geläutet werden. So werden es auch die evangelischen Gemeinden in Achern und im Achertal halten – die Gottesdienste und alle anderen Veranstaltungen sind abgesagt.

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Keine größeren Trauerfeiern

Ein sensibles Thema sind Trauerfeiern. Analog zu den bereits bekannten Regelungen der Kommunen sollen Trauerfeiern und Beerdigungen nur noch im engsten Kreis der Angehörigen stattfinden, „größere“ Trauerfeiern sollen zu einem späteren Zeitpunkt als Gedenkgottesdienste nachgeholt werden. In den katholischen Gemeinden sind Beichte und Krankensalbung sind nach telefonischer Rücksprache bei entsprechenden Schutzvorkehrungen möglich.

Nutzung kirchlicher Räume verboten

Abgesagt wurden bis zum 19. April auch alle Gottesdienste in der Kirchengemeinde Achern. Das hat das Pastoralteam der Katholischen Kirchengemeinde auf der Basis der Empfehlungen der Erzdiözese Freiburg und den gesetzlichen Vorgaben der Bundesregierung so beschlossen – somit können auch die geplanten Gottesdienste der Kar- und Ostertage nicht stattfinden. Auch Taufen, Eheschließungen sowie die Erstkommunion (auch die am 27. April) werden verschoben. Zur Erstkommunion will die Kirchengemeinde die Eltern noch separat informieren. Ferner wurde die Nutzung von kirchlichen Räumen, dazu gehört auch das St. Johannesheim in Seebach ab sofort bis zum 19. April verboten.

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Kapellen und Kirchen bleiben offen

Die Seelsorgerinnen und Seelsorger legen Wert darauf, dass die Kapellen und Kirchen zum Gebet geöffnet bleiben. Hierfür entwickeln Verantwortliche noch Gebetsimpulse und weitere Möglichkeiten der speziellen Andacht. Die pastoralen Mitarbeiter sind weiterhin erreichbar, auch wenn sie von zuhause arbeiten. Sie stehen für seelsorgerliche Gespräche zur Verfügung. Zum Schutz der Mitarbeiter sind die Pfarrbüros ab sofort geschlossen. Das Büro in Achern, Kirchstraße 21, ist jedoch telefonisch und per E-Mail erreichbar.

Ein Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe will die Gemeinde setzen wenn Menschen in ihrem Alltag eingeschränkt, zum Beispiel auch durch Quarantäne. Kay Claes koordiniert die Nachbarschaftshilfe. Wer Hilfe benötigt oder anbieten kann, kann sich unter k.claes@kath-achern.de per Mail melden, telefonisch ist das Pfarrbüro unter (0 78 41) 20 58-0 zu erreichen.