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Vom Rad gestoßen und belästigt

Offenburger Gericht schickt Wiederholungstäter in Psychiatrie

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Von Harald Rudolf

Die Unterbringung eines 37-Jährigen in einer Psychiatrie hat das Landgericht Offenburg angeordnet. Der Ortenauer hatte im Sommer auf dem Radweg zwischen Zunsweier und Ortenberg eine 17-Jährige vom Fahrrad mit dem Vorsatz gezerrt, so das Gericht, sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen. Der Beschuldigte hatte erklärt, den Überfall ohne sexuelle Absichten begangen zu haben.

Nach Übergriff in die Psychiatrie

Strafrechtlich wurde der Übergriff – versuchte sexuelle Nötigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung – als minder schwerer Fall mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten gewertet. Da der 37-Jährige wegen einer seelischen Störung die Tat „im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit“ begangen habe, so die Kammer, könne er dafür nicht bestraft werden. Die Unterbringung in der Psychiatrie auf unbestimmte Zeit wurde angeordnet.

Strafkammer sieht Gefahr für die Allgemeinheit

Nach Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen liegt bei dem 37-Jährigen eine „leichte Intelligenzminderung“ vor mit deutlichen Verhaltensstörungen und einer „psychosexuellen Reifestörung“. Aufgrund der „Unfähigkeit, die sexuellen Bedürfnisse in einer Partnerschaft auszuleben“ besteht laut Strafkammer eine Gefahr für die Allgemeinheit. „Die Wahrscheinlichkeit, dass er an unbekannten Frauen Sexualstraftaten und Körperverletzungsdelikte begeht, ist hoch“, so der Vorsitzende Richter Alexander Schöpsdau.

37-Jähriger stand während Tat unter Bewährung

Die Voraussetzung für eine Sicherungsverwahrung, die das Gericht geprüft habe, liege zwar formal vor, einen Hang zu Straftaten, eine charakterliche Veranlagung, aus Gewohnheit Straftaten zu begehen, erkannte die Strafkammer aber nicht. Der Vorsitzende Richter wies daraufhin, dass der 37-Jährige im April 2013 auf „ähnliche Weise“ eine Joggerin zu Boden gebracht und sexuell genötigt habe. Wegen besonders schwerer sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung war er am Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Vorzeitig entlassen, stand er bei der Tat auf dem Radweg zwischen Zunsweier und Ortenberg unter Bewährung.

17-Jährige vom Fahrrad gezerrt

Am 27. Juli 2016 gegen 22 Uhr begegnete er zufällig der 17-Jährigen, die auf dem Heimweg war. Nach einigen Metern schloss er mit seinem Rad zu ihr auf und zerrte an ihrer Schulter. Beide stürzten. Der 37-Jährige warf die Schülerin immer wieder zu Boden, die sich wiederholt befreien konnte. Als sie auf die andere Straßenseite lief, verfolgte er sie und zerrte sie ins hohe Gras. Nachdem sie sich mit einem Biss in die Hand aus der Umklammerung lösen konnte, kamen Insassen eines vorbeifahrenden Autos ihr zu Hilfe. Der Angreifer flüchtete und wurde von Personen eines zweiten Fahrzeugs gestellt.

Mann wollte 17-Jährige „kennen lernen“

Laut Strafkammer hatte der Beschuldigte die Absicht, sexuelle Handlungen vorzunehmen. Eine versuchte Vergewaltigung nahm das Gericht nicht an. „Er wollte auf jeden Fall ihre Geschlechtsteile berühren. Notfalls mit Gewalt.“ Die Einlassung des Beschuldigten, er habe die Schülerin kennen lernen und mit ihr reden wollen, lasse sich nicht mit dem Tatgeschehen in Einklang bringen. „Man stößt nicht eine junge Frau vom Rad, verfolgt sie, bedroht sie und hält ihr den Mund zu, wenn man sie kennen lernen will“, so der Vorsitzende Richter.

 

So berichteten die BNN über den Prozessauftakt: