Wildkatze
Wieder mehr verbreitet ist die Wildkatze, auch in den Rheinauen, nachdem sie seit 1912 in Baden-Württemberg als ausgerottet galt. | Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Mögliche Petersee-Erweiterung

Wildkatze sorgt in Rheinau weiter für Streit

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Eine Wildkatze ist in den Rheinauen bei Helmlingen unterwegs – das scheue Tier sorgt weiter für Streit zwischen verschiedenen Institutionen. Hintergrund ist die mögliche Erweiterung des Petersees in Freistett. Jetzt reagiert das zuständige Planungsbüro auf Kritik des Zukunftsforums Natur und Umwelt Ortenau.

Wie berichtet, hatten Naturschützer die Katze im vergangenen Jahr per Fotofalle nachgewiesen. Allerdings sehen sie ihr Revier durch die mögliche Erweiterung des Petersees in Freistett bedroht. Das Zukunftsforum Natur und Umwelt Ortenau hatte dem dafür zuständigen Planungsbüro Spang-Fischer-Natzschka derweil „artenschutzrechtliche Defizite“ in dessen Gutachten vorgeworfen.

Planungsbüro weist Kritik des Zukunftsforums zurück

Darüber berichtete diese Zeitung am 28. Dezember – das Planungsbüro war „zwischen den Jahren“ nicht zu erreichen gewesen, nimmt aber jetzt Stellung und weist die Kritik zurück: Die Argumentation des Zukunftsforums basiere aus Sicht der Planer auf einer „zielgerichteten Kombination aus Verdrehungen und selektiven Darstellungen“. Unter anderem würden „umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen“ für das Erweiterungsvorhaben unterschlagen.

Ausgleichsmaßnahmen für Verlust von Lebensraum

Einem Kritikpunkt des Zukunftsforums zufolge verlöre das Vogelschutzgebiet Kehl-Helmlingen durch die Erweiterung seine Schutzfunktion für Schwarz- und Mittelspechte. Dem widerspricht das Planungsbüro Spang-Fischer-Natzschka: „Die Lebensraumverluste durch das Vorhaben betragen beim Schwarzspecht rund zwei Prozent und beim Mittelspecht deutlich unter einem Prozent der Lebensräume im Vogelschutzgebiet“, sagt Geograph und Ingenieur Werner Dieter Spang.

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Diesen Verlusten stünden vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen durch die Optimierung von Waldflächen für Spechte im Gesamtumfang von fast acht Hektar gegenüber. Das sei eine größere Fläche als die für das Vorhaben in Anspruch zu nehmenden Waldflächen mit tatsächlichen Funktionen für Spechte.

Vorkommen ist seit Jahren bekannt

In den Ausgleichsflächen sei eine schonwaldartige Pflege vorgesehen. Das menschliche Einwirken auf diese Wälder beschränke sich zukünftig auf die Sicherung jetziger und entstehender Habitatbäume durch die Rücknahme konkurrierender Bäume.

Unter anderem sollen Eichen gesichert und gefördert werden. Darüber hinaus sei das Wildkatzen-Vorkommen bei Helmlingen kein neuer Sachverhalt, sondern seit Jahren bekannt, so Spang weiter. Das Tier, das einst als ausgerottet galt, komme inzwischen in rheinnahen Wäldern nahezu flächenhaft vor.

Planungsbüro: Umfeld werde sich positiv verändern

„Die bei den Behörden bekannten Wildkatzennachweise im Umfeld des Vorhabens sind in den Antragsunterlagen vollständig benannt“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Den Umweltunterlagen liege, unabhängig von einem tatsächlichen Nachweis, deshalb vorsorglich die Annahme zugrunde, dass die Vorhabenfläche zum Streif- und Jagdgebiet von Wildkatzen gehört.

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„Lebensraumstrukturen, die für Wildkatzen besonders wichtig sein können, etwa zur Jungenaufzucht, weisen die Vorhabenfläche und deren Umfeld gegenwärtig nicht auf“, so das Planungsbüro. Das werde sich bezüglich des Umfelds durch die Ausgleichsmaßnahmen positiv verändern: „In der Gesamtbetrachtung wird die Wildkatze sogar profitieren können, weil im Zuge des Ausgleichs essenzielle Habitatstrukturen entstehen, die bislang fehlen.“

Ersatzaufforstung mit „ökologisch besonders wertvollen Wäldern“

Ein weiterer Kritikpunkt des Zukunftsforums: Das Gutachten der Planer schließe die Gelbbauchunke aus – Forums-Vorsitzender Joachim Thomas habe die Art aber bei der Landes-Artenkartierung im Erweiterungsgebiet nachgewiesen.

Darauf erwidert das Planungsbüro, dass für Amphibien „auf ungefähr 0,2 Hektar eine mit Sedimenten verfüllte und von Sträuchern überwachsene Schlute wiederhergestellt“ werde. Zudem werde ein künstlicher Eschen-Bestand in einen Eichenwald umgebaut, und entsprechend des Verlusts von Wald durch das Vorhaben würden Ersatzaufforstungen mit „ökologisch besonders wertvollen Buchen-, Eichen- und Sumpfwäldern“ vorgenommen.

Eingriffe würden „vollumfänglich“ ausgeglichen

„Das vom Zukunftsforum als einzige Maßnahme suggerierte Verbringen von 41 Stammabschnitten ist nur eine von vielen Maßnahmen und keinesfalls eine zentrale Maßnahme“, so Spang. „Unter dem Strich werden die mit dem Kiesabbau unvermeidbar verbundenen Eingriffe vollumfänglich ausgeglichen. Für keine Art verbleiben erhebliche Beeinträchtigungen.“

Darüber hinaus habe sich das Zukunftsforum mit seiner Stellungnahme, die es dem ABB Ende 2019 hatte zukommen lassen, nie an das Planungsbüro gewandt: „Der Vorhabenträger, die Hermann Peter KG, steht ebenso wie wir für einen fairen Dialog jederzeit gerne zur Verfügung.“