In der Praxis für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Achern sind die Tage eng getaktet: Weil in Oberkirch und Bühl Gynäkologische Praxen geschlossen wurden, kommen mehr Patientinnen hierher. | Foto: Patrick Pleul

Neue Gynäkologinnen in Achern

„Wir betrachten die Frauen ganzheitlich“

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Die beiden Ärztinnen haben alle Hände voll zu tun: In Oberkirch wie auch in Bühl sind Gynäkologische Praxen krankheits- oder urlaubsbedingt geschlossen. Umso mehr Patientinnen kommen daher in die Praxis für Frauenheilkunde und Geburtshilfe nach Achern. Trotz der zeitlich eng getakteten Tage, reagieren Serap Namarasli und Maria Nieberle gelassen. „Das beruht auf Gegenseitigkeit – fallen wir einmal aus, vertreten uns die jeweiligen Kollegen gleichermaßen“, so Nieberle, die seit Mitte Januar in der ehemaligen Praxis von Muhamet Durmishi tätig ist. Anfang Juli kam die Gynäkologin Namarasli hinzu, die zuvor in Schramberg tätig war und nun die Nachfolge von Herrn Durmishi und die Leitung der Praxis übernommen hat.

Von Reformvorhaben im Ortenaukreis kaum betroffen

Damit kam die 64-Jährige inmitten turbulenter Zeiten in den Ortenaukreis, der mit der Neuordnung der Klinikstruktur sein größtes Reformvorhaben in seiner Geschichte angeht. Bis 2020 ist zudem eine Zusammenfassung der Gynäkologie und Geburtshilfen aus Kehl und Oberkirch zu einer Hauptabteilung in Achern vorgesehen. „Das betrifft uns kaum“, erklärt Namarasli. Durch die Nähe zum Klinikum haben die Gynäkologinnen eine gewisse Unruhe zwar mitbekommen.

Keine Tätigkeit als Belegärzte

Da sie jedoch beide nicht als Belegärzte tätig sind und ihre Praxis unabhängig vom Ortenau Klinikum besteht, habe das Reformvorhaben keine Auswirkungen auf ihre tägliche Arbeit. „Ein Austausch findet natürlich dennoch statt“, präzisiert Nieberle. „Durch die kurzen Wege bietet sich das an.“ Ein Konkurrenzdenken zwischen Praxis und Klinikum herrsche nicht.

Hier herrscht ein ausgesprochen angenehmes Klima

Die Strukturen der Praxis ihres Vorgängers Muhamet Durmishi haben Serap Namarasli und Maria Nieberle übernommen. „Das funktioniert hervorragend. Die Helferinnen sind uns mit ihrer langjährigen Erfahrung eine große Unterstützung. Hier herrscht ein ausgesprochen angenehmes Klima“, zeigt sich Namarasli zufrieden, und ihre Kollegin Nieberle pflichtet ihr bei: „Das merken auch die Frauen.“

15 Minuten Zeit pro Patientin

15 Minuten haben Nieberle und Namarasli im Durchschnitt für die Behandlung einer Patientin. „Das gilt für die meisten Ärzte in Deutschland. Wir hätten gerne mehr Zeit für die Patientinnen, das ist aber leider nicht möglich“, benennt Nieberle ein grundlegendes Problem. „Wo es jedoch erforderlich ist, nehmen wir uns selbstverständlich mehr Zeit – jeder Fall ist individuell“, ergänzt sie.

 

In regelmäßigem Austausch stehen die Gynäkologinnen Maria Nieberle und Serap Namarasli (von links) in ihrer Praxis in der Josef-Wurzler-Straße. | Foto: Scheu

Facharztausbildung in Anthroposophischer Abteilung

Die 53-Jährige hat ihre Facharztausbildung unter anderem in einer Anthroposophischen Abteilung in einer Germersheimer Klinik absolviert. Einen anthroposophischen Schwerpunkt habe die Praxis in der Josef-Wurzler-Straße dadurch nicht. „Unabhängig davon betrachten wir unsere Patientinnen ganzheitlich in ihrer individuellen Lebenssituation“, sagt Maria Nieberle und ergänzt: „Unser fachliches Wissen und die Therapievorschläge versuchen wir an die Bedürfnisse der Frau anzupassen, wir wollen sie nicht übertherapieren.“

Regelmäßige Untersuchungen auch im Alter wichtig

Frauenheilkunde ziehe sich über die ganze Lebenszeit, erklärt Nieberle. Ältere Frauen vernachlässigten Kontrolluntersuchungen mit der Zeit häufig. „Dabei sind regelmäßigen Untersuchungen auch im Alter wichtig“, betonen Nieberle und Namarasli. Frauen, die schon jahrelang nicht mehr beim Gynäkologen waren, sollten daher keine Scheu haben, eine gynäkologische Praxis aufzusuchen.
Für beide Kolleginnen macht die Kombination aus theoretischem Wissen und Begleitung der Patientinnen den Reiz ihrer Tätigkeit aus. Namarasli ist überzeugt: „Wenn ich mich nochmals für einen Beruf entscheiden müsste, ich würde wieder Gynäkologin werden.“