Areal Glashütte Achern: 450 Wohnungen geplant
Ein komplett neues Stadtviertel entsteht auf dem Areal der ehemaligen Glashütte. Bis zu 450 neue Wohnungen sollen, so hofft man im Rathaus, den allgemeinen Wohnungsmangel in Achern lindern helfen. | Foto: Roland Spether

Acherner Glashüttenareal

„Wir haben eine ganz extreme Wohnungsnot“

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Viel Zeit nahm sich der Bau- und Umweltausschuss des Acherner Gemeinderats am Montag für die Beratungen über den Bebauungsplan „Neues Wohnen an der Acher“. Kein Wunder – dieser Plan stellt die Weichen für den Bau von bis zu 450 Wohnungen auf dem einstigen Gelände der Acherner Glashütte. Viel Spielraum für die Gemeinderäte gab es jedoch nicht: Am Ende passierten die von der Verwaltung vorgeschlagenen Änderungen das Gremium ohne Gegenstimme. Entscheiden wird dann der Gemeinderat am 28. Januar.

Das Bebauungsplanverfahren läuft seit Juli vergangenen Jahres. Die nun vorgenommenen Planänderungen – unter anderem geht es um die Anpassung von Baugrenzen und Verkehrsflächen sowie um eine zusätzliche Bushaltestelle – sind nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Genehmigung des Planwerks. Der Satzungsbeschluss ist nach einer weiteren Offenlegung und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange im April 2019 vorgesehen. Die Stadtverwaltung wies darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Zahlung der vereinbarten Infrastrukturkostenbeteiligung durch den Projektträger fällig wird. Mit den ersten Hochbaumaßnahmen in diesem komplett neuen Stadtviertel rechnet man im Rathaus dann im November diesen Jahres.

Bau von 450 Wohnungen hat Folgen für Verkehr

Dass Verkehrsfragen bei der Planung eine große Rolle spielen, zeigte nicht nur die erste Runde der Anhörung der sogenannten Träger öffentlicher Belange, sondern auch die Debatte im Ausschuss. Die Ansiedlung von bis zu 1 000 neuen Einwohnern wird nicht ohne Einfluss auf die ohnehin schon stark belasteten Verkehrswege bleiben. Das bestreitet letztlich niemand – in der Abwägung jedoch überwiege, wie Oberbürgermeister Klaus Muttach nachdrücklich erklärte, das Interesse der Stadt Achern am Bau neuer Wohnungen: „Wir haben eine ganz extreme Wohnungsnot.“ Wie Muttach berichtete, hätten es selbst neue Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht geschafft, eine Wohnung in Achern zu finden. Die Entwicklung sei nicht zuletzt eine Folge der positiven Arbeitsmarktsituation: Achern liege in der Arbeitmarktstatistik landesweit vorn.

Ausschuss diskutiert über Zahl der Stellplätze

Nicht nur um den „fließenden“, sondern um den „ruhenden“ Verkehr sorgte sich die CDU. Fraktionschef Karl Früh stieß eine Debatte über die Frage an, ob man in dem künftigen Stadtviertel eine baurechtliche Verpflichtung zur Schaffung von zwei Auto-Stellplätzen pro Wohnung verankern sollte. Geplant sind „nur“ 1,5 Stellplätze pro Wohnung. Auf einen entsprechenden Antrag verzichtete Früh jedoch, nachdem die Stadtverwaltung ihre Bedenken bezüglich der Rechtssicherheit des Bebauungsplans deutlich gemacht hatte. Gesetzliche Vorgabe sei nämlich nur ein Stellplatz pro Wohnung.

Fraktionen verzichten auf Änderungsanträge

Weitere Argumente für den Verzicht auf eine Änderung waren die auf die Wohnungseigentümer zukommenden höheren Kosten und die Tatsache, dass Singlehaushalte ebenso wie die Bewohner von Seniorenwohnungen üblicherweise maximal einen Stellplatz benötigen. OB Muttach sprach von einer „Mischkalkulation“. Doch nicht nur die CDU verzichtete auf einen zunächst angekündigten Änderungsantrag: ABL-Fraktionschefin Jutta Römer wollte mit einem solchen ein Verbot sogenannter „Schottergärten“ erreichen, rannte damit jedoch offene Türen ein: Eine Gartengestaltung mit Kies- und Schotterflächen ist im Bereich dieses Bebauungsplans bereits als nicht zulässig klassifiziert.

„Wir haben Angst, dass wir irgendwann erschrecken.“
Karl Früh (CDU) über die noch nicht exakt bekannte Zahl der geplanten Wohnungen auf dem Glashütten-Areal.
„Es wird nicht gehen, ohne dass sich die Bevölkerung ein anderes Verkehrsverhalten angewöhnt.“
Nach Meinung von Jutta Römer (ABL) können die Bürger auch mal zu Fuß gehen oder das Fahrrad benutzen.