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Angriff am Bildschirm: Hacker können Regierungen, Konzernen und Privatpersonen das Leben schwer machen. Ein Experte der Offenburger Hochschule mahnt Nutzer daher zur Vorsicht im Internet. | Foto: Oliver Berg

Professor Daniel Hammer

„Wir müssen die IT-Bildung stärken“

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In der digitalisierten Welt übernehmen Computersysteme und -programme immer mehr Funktionen. Die Hochschule Offenburg bildet seit sechs Jahren in einem Studiengang gefragte Experten aus, die sowohl die technische Seite für einen sicheren IT-Betrieb verstehen, als auch betriebswirtschaftliche Aufgaben beherrschen. BNN-Mitarbeiterin Christine Storck sprach mit IT-Professor Daniel Hammer darüber, warum das Wissen über das Hacken immer wichtiger wird.

Seit 2010 bringen Sie Studenten in Offenburg alles übers Hacken bei. Warum?

Hammer: In Computersysteme einzudringen, sie zu manipulieren und Programme nach der „eigenen Agenda“ arbeiten zu lassen ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Ähnlich sieht es mit einer effektiven Verteidigung eigener Systeme aus, sei es ein Laptop, ein PC oder ein Smartphone. Sie ist nur möglich, wenn man eine Vorstellung über Wege, Handlungsweisen und Strategien der Angreifer hat. Zu erwarten, dass man durch ein paar Klicks, eine Zusatzsoftware oder ein Gerät „sicher“ wird, ist eine nicht ungefährliche Illusion.

Was genau lernen die jungen Leute bei Ihnen?

Hammer: Man muss wissen, wie Computersysteme funktionieren und wie Software in sich verändernden Bedingungen arbeitet. Dies bedeutet eine solide Informatikausbildung in allen Aspekten. Computer existieren immer in konkreten Umgebungen, wo sie von Menschen benutzt werden.

IT-Sicherheit ist ohne die Kenntnis der Abläufe in diesen Arbeitsumgebungen und Lebenswelten nicht realisierbar. Die Studenten bekommen auch fundierte Kenntnisse, wie Unternehmen strukturiert sind, Arbeitsabläufe und soziale Umgebungen mit IT interagieren.

Das heißt, jeder Absolvent ist in der Lage, mein Konto zu knacken?

Hammer: Ich hoffe doch! Zumindest die Chancen dafür sollten viel höher als vorher sein. Ernsthafter Weise versuchen wir das Thema IT-Sicherheit ganzheitlich zu behandeln. Dies trifft vor allem auch auf ethische und moralische Aspekte des Umgangs mit Computern und deren Daten zu. Nicht alles, was möglich ist, ist auch akzeptabel. Gerade im Zeitalter von „Big Data“ spielt dies eine immer wichtigere Rolle.

Man hat den Eindruck, Hacker-Angriffe, wie kürzlich bei der Telekom, nehmen zu. Ist das so?

Hammer: Je umfassender Computertechnik in unser aller Leben eindringt, desto wichtiger werden uns auch die Daten, die durch sie erzeugt und die Dienste, die durch sie angeboten werden.

Daniel Hammer
Daniel Hammer

Vom Smartphone über die Waschmaschine und das Auto bis hin zur Steuerung von Kraftwerken verlassen wir uns auf Computertechnik. Dadurch werden auch wir verletzlicher. Eine Zunahme der Hacker-Angriffe spiegelt diesen Fakt nur wider.

Von wo kommt Ihrer Ansicht nach die größte Gefahr?

Hammer: Von der Sorglosigkeit und Ignoranz der Menschen. Wir müssen Technologie mit Verantwortung und vor allem mit Wissen gegenübertreten. Ein paar Bits zu verschieben, ist dann nicht mehr die schwerste Aufgabe. Heute haben schon Uhren und Glühbirnen SIM-Karten, die diese Geräte über das Netz angreifbar machen. Das kann aufgrund ihrer Menge unglaubliche Auswirkungen haben. Kritische Infrastrukturen wie Wasser und Stromversorgung „wachsen“ zwar „ins Internet hinein“, bringen aber nicht unbedingt ein ausreichendes Sicherheitskonzept mit. Hier gibt es für unsere Absolventen sehr viel zu tun.

Wie können sich Unternehmen gegen solche Angriffe schützen?

Hammer: 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Man kann aber viel tun, um sich diesem Ziel zu nähern. Dazu bedarf es neben geschulter Mitarbeiter und eines verantwortungsvolles Managements vor allem des Willens und Einsatzes. Know-how wird heute vor allem elektronisch und digital erstellt. Ohne sichere IT-Umgebungen wird man es niemals gegen Spionage, Abwanderung oder Manipulation schützen können. Die von uns ausgebildeten Spezialisten sollen genau hier ihr Einsatzgebiet finden.

Was müsste die Politik unternehmen, um Cyber-Kriminalität einzudämmen?

Hammer: Politik kann Rahmenbedingungen schaffen. IT-Sicherheit und die Eindämmung von Cyber-Kriminalität können nur über mündige Bürger erreicht werden. Man muss die IT-Bildung stärken. Hier zeigen aktuelle Sparzwänge negative Wirkungen. Man darf sich IT nicht verweigern, sondern muss den verantwortungsvollen Umgang mit ihr erlernen, um ihr Potenzial für eine friedvolle und soziale Gesellschaft nutzen zu können.