Neujahrsempfang: Von links Finanzminister a. D. Willi Stächele, der Ehrenpräsident der Handwerkskammer Freiburg, Martin Lamm, Dietmar und Angelika Stiefel sowie Roswitha und Klaus Muttach. | Foto: Roland Spether

Neujahrsempfang in Achern

„Wünsche mir Buntheit und Vielfalt“

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Klartext – das ist es, was die Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt Achern traditionell von Oberbürgermeister Klaus Muttach erwarten. Und Klartext sprach Muttach: Ob er die widersprüchliche Rechtsprechung bei der Konzessionsvergabe bei Strom oder Gas geißelte, die negativen Folgen der Digitalisierung beschrieb oder Gewalt und Hetze beklagte – der Oberbürgermeister nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Ebenso wenig aber auch, wenn es darum geht, die Interessen der Stadt zu unterstreichen: Mit Vehemenz forderte Muttach nicht nur den Erhalt, sondern auch den Ausbau des Klinikums in Achern. Es sei „an der Zeit, dass dem Beschluss des Kreistages, in Achern ein Zentrum der Geburtshilfe für den nördlichen Ortenaukreis einzurichten, Taten folgen.“

Der 25. Neujahrsempfang

Mit mehreren hundert geladenen Gästen in der Großweierer Schloßfeldhalle feierte Muttach ein besonderes Jubiläum: Es war der 25. Neujahrsempfang in seiner Karriere als Bürgermeister von Seelbach und Oberbürgermeister von Achern. Bei allen diesen Empfängen immer mit dabei war nur Ehefrau Roswitha. Und Roswitha Muttach war es auch, die zusammen mit ihrem Mann sowie Bürgermeister Dietmar Stiefel und dessen Ehefrau Angelika die Gäste am Eingang begrüßte und gute Wünsche zum neuen Jahr übermittelte.

Zahlreiche Gäste folgten gestern Abend der Einladung zum traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Achern in die Großweierer Schloßfeldhalle. | Foto: Roland Spether

„Manche Themen sind uns über Jahre erhalten geblieben – bei manchen macht das Freude, bei anderen ist es eher ärgerlich.“ Zu letzteren zählt Muttach unter anderem die Probleme bei der Vergabe von Stromkonzessionen. Dem Gesetzgeber warf er vor, das grundgesetzlich garantierte kommunale Selbstverwaltungsrecht „mit Füßen zu treten.“

Arbeitslosenquote bei 1,7 Prozent

Positiv wertete Muttach unter anderem den mit 1,7 Prozent in der gesamten Region niedrigsten Stand der Arbeitslosigkeit in Achern, das 25-jährige Bestehen der Musikschule Achern/Oberkirch, aber auch die Einweihung der Jahnhalle, bei der Schüler unterschiedlichen Glaubens den Segen Gottes erbeten haben.

„Nicht in Parallelgesellschaften leben“

In diesem Zusammenhang bedauerte Muttach, dass sich Glaubensgemeinschaften aus dem interreligiösen Dialog in Achern zurückgezogen hätten. Er wünsche sich „ein gemeinsames ,Ja‘ zu den Grundlagen unseres Zusammenlebens und ein ,Ja‘ aller zu Respekt und Toleranz gegenüber anderen Glaubensüberzeugungen. Muttach weiter: „Ich wünsche mir, dass die Menschen unterschiedlicher Herkunft in unserer Stadt zusammenkommen und nicht in Parallelgesellschaften leben. Ich wünsche mir diese Gemeinschaft in Buntheit und Vielfalt.“

Für Zusammenarbeit mit Klinik in Bühl

Zwei Themen stellte Muttach beim Blick in die Zukunft in den Vordergrund. Weil immer mehr niedergelassene Ärzte ihre Praxen aufgeben, spiele das Acherner Krankenhaus bei der medizinischen Notfallversorgung eine immer größere Rolle. Muttach forderte den Ausbau des Klinikums, aber auch eine „vernünftige Zusammenarbeit“ mit dem Krankenhaus in Bühl. Unter dem Beifall der Gäste forderte Muttach alle Kreisräte auf, in der aktuellen Diskussion über die Kliniken ihrer Verantwortung für die Menschen in der nördlichen Ortenau wahrzunehmen.

Erste Baumaßnahmen im Jahr 2020

Ein weiteres zentrales Thema ist für Muttach der Masterplan: Noch 2018 will er den Entwurf eines Gesamtkonzepts zur Diskussion stellen, „das den Ansprüchen des Verkehrs, des Einzelhandels und nicht zuletzt den Bedürfnissen der Menschen in der Innenstadt nach einem qualitativ ansprechenden öffentlichen Aufenthaltsraum genügt.“ Muttach kündigte die ersten Baumaßnahmen für das Jahr 2020 an und lud die Bürger ein, sich aktiv an der Entwicklung des Masterplans einzubringen: Wir wollen die Gesamtstadt zukunftsfähiger machen.“

Musikalische Begleitung durch die Musikschule

Musikalisch begleitet wurde der Empfang von der Band „Gin Fizz“, der Saxofonistin und Preisträgerin beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, Maren Ell, sowie den Musikschullehrern Marc Hegenhauser (Trompete), Hagen Reisbach (Klavier), Jörg Werner (Violine), Christoph Klövekorn (Querflöte) und Reimi Matsuda (Klavier).

Zitate

  • „Wir brauchen keine Politiker, die den ,Lindner‘ machen, selbstgefällig mit Dreitagesbart, Maßanzug und mehr oder weniger klugen Sprüchen im Scheinwerferlicht auf dem Laufsteg der politischen Bühne posieren und dann vor der Verantwortung davonlaufen.“ (Klaus Muttach zur Verantwortung der Politiker)

  • „Laissez-faire ist keine Erziehung, sondern Erziehungsversagen.“ (Klaus Muttach fordert klare Regeln des Zusammenlebens)

  • „Da haben die Lobbyisten der Großkonzerne ganze Arbeit geleistet und lachen sich ins Fäustchen.“ (Klaus Muttach zur Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes und die Folgen für die Kommunen)