Borkenkäfer
Klein und gefährlich: Der Borkenkäfer hat sich in den vergangenen Wochen stark vermehrt. Die Zahl der Tiere sei regelrecht explodiert, warnt das Landratsamt in Offenburg und rät zu Vorsicht. | Foto: Michaela Gabriel

Fallen im Achertal sind voll

Die Zahl der Borkenkäfer ist rasant angestiegen

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Von Michaela Gabriel

Rote Nadeln sind ein Alarmsignal, ebenso der Ausfluss von Harz am Stamm und braunes Bohrmehl, das sich in der Rinde, am Boden und in Spinnweben verfängt: Die Gefahr, dass Borkenkäfer den Wald in großem Umfang schädigen, ist derzeit so groß wie zuletzt nach dem Weihnachtssturm Lothar zur Jahrtausendwende. Die Zahl der Käfer in den Überwachungsfallen ist rasant gestiegen.

Zahlen sind explodiert

Hans-Peter Hofsäß vom Amt für Waldwirtschaft des Ortenaukreises bestätigt für das Acher- und Renchtal, was das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz jetzt bekannt gegeben hat. Speziell der Buchdrucker, der die Fichten anbohrt und seine Eier unter ihrer Rinde ablegt, sei im Mai in großer Zahl ausgeflogen. Nun gelte es, die nächste Generation an der Vermehrung zu hindern und befallende Bäume schnell aus den Wäldern zu holen. Seit 2004 habe man in den Fallen nicht mehr so viele Käfer gefangen, sagt auch Siegfried Huber aus Oppenau, verantwortlich für das Borkenkäfer-Management im Auftrag des Kreises: „Die Zahlen sind explodiert.“

Generation der Borkenkäfer muss eingedämmt werden

Dank eines Computerprogramms, in das die Revierförster ihre Beobachtungen eingeben, weiß er täglich, was los ist. Im 500 Meter breiten Schutzstreifen rund um den Nationalpark sind aktuell 62 Einzelbäume vom Borkenkäfer befallen – auf einer Fläche von 4 300 Hektar. Darauf sofort zu reagieren, sei ganz wichtig (siehe Hintergrund). Gelinge es, diese Generation einzudämmen, dann habe er keine großen Bedenken, so Huber. Ein trockener und warmer Juni könnte jedoch dazu führen, dass es erstmals seit der Einrichtung des Nationalparks wirklich kritisch werde.

Waldbesitzer sind wachsam

„Im Renchtal sind die Waldbesitzer extrem wachsam“, so Siegfried Huber. Dort gebe es zahlreiche Waldbauern, denen der Käfer empfindliche finanzielle Einbußen einbringen könnte. Sie machen sich auch gegenseitig auf dürre Bäume aufmerksam und pochen auf deren schnelle Beseitigung. Im Achertal, wo viele kleine Waldbesitzer nicht wirklich vom Holzertrag leben, sei man dagegen gelassener. Dort seien ihm aktuell drei einzelne Bäume bekannt, die vom Borkenkäfer befallen seien.

Brut entwickelt sich bei kühlen Temperaturen langsamer

Der Regen und die kühlen Temperaturen diese Woche seien gut für den Wald und schlecht für den Käfer, erklärt Hans-Peter Hofsäß vom Amt für Waldwirtschaft. Wenn es kühl sei, entwickelt sich die Brut langsamer. Wenn es regne, nähmen die Bäume viel Wasser auf und könnten mit ihrem Harz dadurch eine höheren Druck erzeugen und die kleinen Käfer selbst bekämpfen. Sobald es wieder warm und trocken werde, begünstige das die Tierchen. Aus einem Borkenkäferpaar könnten im Laufe eines Sommers in drei Generationen bis zu 1 000 Käfer werden. Angesichts der derzeitigen Anzeichen sei tatsächlich mit mehr Schäden zu rechnen als in den zurückliegenden Jahren.

Vorsorge gegen Käfer: Privatwaldbesitzer sind aufgerufen, ihre Fichtenbestände ab sofort bis in den Oktober hinein regelmäßig zu kontrollieren. Ist ein Baum vom Borkenkäfer befallen, soll er markiert und zügig gefällt werden. Liegende Stämme dürfen nicht im Wald bleiben, wenn unter ihrer Rinde schon vollentwickelte Käfer krabbeln. Sie müssen mindestens 500 Meter aus dem Wald hinaus transportiert werden. Denn wenn die Käfer ausfliegen, können sie Bäume im Umkreis von 500 Metern neu befallen und zum Absterben bringen. „Wenn die Käfer noch verpuppt sind, reicht es, den gefällten Baum zu entrinden“, erklärt Revierförster und Borkenkäferexperte Siegfried Huber aus Oppenau. Wenn sich wegen zu kleiner Mengen eine Abfuhr aus dem Wald nicht lohne, müsse man auch den Einsatz von zugelassenen Insektiziden in Erwägung ziehen.
Mehr Infos auch bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg.