Offen ist die Zukunft des Klosters Erlenbad in Obersasbac | Foto: Roland Spether

Verkauf als Option?

Zukunft des Klosters Erlenbad ist offen

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Aufbrechen, neue Wege gehen und dabei als Frauen des Glaubens auf Gott vertrauen – das war schon immer ein wesentliches Kennzeichen der Franziskanerinnen von Erlenbad, die in den nächsten Jahren wieder vor großen Herausforderungen stehen. Diese waren nun Thema einer nichtöffentlichen Sitzung der Gemeinderäte von Sasbach und Lauf, in dem die Bürgermeister Gregor Bühler und Oliver Rastetter sowie die Bürgervertreter beider Gemeinden über den Stand der Überlegungen zum Kloster Erlenbad informiert wurden.

Transparenz versprochen

„Wir wollen hier transparent über die Optionen des Ordens und vor allem miteinander und nicht übereinander sprechen“, so Pfarrer Alexander Gießen, Ordensberater der Joseph-Stiftung aus Bamberg, die Ordensgemeinschaften in ganz Deutschland in Fragen der Zukunftsentwicklung der Gemeinschaften und deren Liegenschaften berät und begleitet und die nun in einer Pressemitteilung über die Sitzung der Bürgervertreter mit den Erlenbader Schwestern informierte.

Demographische Entwicklung hat Folgen

Architektin Michaela Meyer von der Joseph-Stiftung erläuterte die Struktur der Kongregation der Erlenbader Schwestern und deren demographische Entwicklung. Denn diese Aspekte nehmen Einfluss auf das bisherige und weitere Geschehen, wie die nun bevorstehende Schließung des Bildungshauses Hochfelden und einer weiteren, allerdings kleinen Station der Franziskanerinnen in der Schweiz.

Kirchliche Akteure halten sich zurück

Die Räte erhielten außerdem Einblick in die Überlegungen zum Klostergebäude. „Leider gelang es nicht, kirchliche Akteure für ein nachhaltiges Engagement im Mutterhaus gemeinsam mit dem Orden zu gewinnen“, so wird Michaela Meyer in der Pressemitteilung zitiert. „Der zukünftige Umgang mit der Klosterkirche ist noch offen“, so Michaela Meyer weiter. Weitere Überlegungen zum Mutterhaus der Franziskanerinnen von Erlenbad würden nun überprüft.

Frage der Pflege rückt in den Mittelpunkt

Im Verlauf des Gesprächs gab es viele Fragen und Anregungen zum Thema „Pflege der Schwestern“. Hierbei wurde deutlich, dass die Schwestern eine enge Verbundenheit mit den eigenen Mitarbeitern aufgebaut haben. Viele hätten teilweise über Jahrzehnte mit den Schwestern gemeinsam gearbeitet und sie begleitet. Ohne diese Mitarbeiter sei der Betrieb des Mutterhauses nicht denkbar, legten die Berater dar.

Auflösung keine Lösung

Die Pflegestation im Mutterhaus in Obersasbach wird in Anlehnung an eine heimische Pflege betrieben, die für Ordensgemeinschaften verschiedene Vereinfachungen vorsieht. Während ein Umzug der Pflege denkbar sei, könne eine teilweise Auflösung der eigenen Pflegestation im Mutterhaus allerdings keine Lösung sein.
Die Erlenbader Schwestern mit ihrer Provinzoberin Schwester Rita Eble und die Ordensberater der Joseph-Stiftung nahmen einige Anregungen und Meinungen zur weiteren Bearbeitung mit, so heißt es in der Pressemitteilung. Denkbar wäre eine weitere Sitzung, in der zum Themenkomplex der Pflege „weitere Optionen“ vorgestellt und diskutiert werden könnten. Dabei werde die Joseph-Stiftung „im Rahmen ihrer kirchlich-sozialen Tätigkeiten“ die Erlenbader Schwestern, wie es weiter heißt, „begleiten und beraten“.

Kirchliches Wohnungsunternehmen

Die Stiftung wurde 1948 als kirchliches Wohnungsunternehmen durch den damaligen Bamberger Erzbischof gegründet und ist christlichen Grundwerten verpflichtet. Stiftungszweck ist eine angemessene und sozial vertretbare Verbesserung der Wohnungsversorgung. Das Unternehmen verfolge ein nachhaltiges Geschäftsmodell und ist in den Bereichen Bau- und Baubetreuung, Bauträger und Immobilienverwaltung tätig. Der eigene Wohnungsbestand umfasst in der Metropolregion Nürnberg und den Ballungsräumen Regensburg und Dresden rund 5 500 Wohneinheiten.

Roland Spether

 

Hintergrund
Kloster Erlenbad
Die Wurzeln des Mutterhauses in Obersasbach gehen zurück bis in das Jahr 1895, als die aus Bühlertal stammende Mutter Alexia (Franziska Höll) ihren Herzenswunsch erfüllte und im Badischen eine Niederlassung gründete. Der Kulturkampf hatte sie gezwungen, mit Mitschwestern nach Amerika auszuwandern, wo sie 1887 in Milwaukee ihre Schwesterngemeinschaft gründete. Sie kehrte in die Heimat zurück, kaufte das Obersasbacher Thermalbad Erlenbad und richtete hier ein „Prüfungsanstalt“ für Mädchen ein, was eigentlich ein Noviziat war und gegen die damaligen Gesetze auch so betrieben wurde. Erst als die Reste der Kulturkampfgesetzgebung beseitigt waren und die Entscheidung über die Zulassung von Orden an die Kirche zurückgegeben wurden, konnte der Erzbischof von Freiburg am 22. August 1919 das Marienheim zum Provinzhaus und Noviziat erklärte. Am Ostermontag des Jahres 1919 konnten Schwestern erstmals das kanonische Examen im Marienheim ablegen, während am 30. April 1919 die feierliche Einkleidung und Profess von 18 Kandidatinnen und sieben Professschwestern gefeiert wurde. Nach dem Tode von Mutter Alexia fielen dann Mutter Bernarda und ihrer Nachfolgerin Mutter Catharina die Aufgabe zu, ein neues Mutterhaus zu planen und auf jenem Gelände „Hochfelden“ zu errichten, das sie 1922 von Freifrau von Roeder gekauft hatten. Am 19. März 1925 war die Grundsteinlegung für das neue Provinzhaus, das am 1. Juli 1926 von den Schwestern bezogen wurde. Zum Kloster gehörte auch ein Sanatorium mir Kur- und Kneippbetrieb, das die Schwestern bis 1982 mit großem Erfolg unterhielten. Der älteste Beleg einer Heilquelle mit Namen „Erlechbade“ stammt aus dem Jahre 1431, im Jahre 1516 wird sie „Erlinbad“ genannt und 1601 wird ein Jakob Wagner als „Bader im Erlenbad“ genannt.
Das Bildungs- und Exerzitienhaus „Hochfelden“ wurde 1967 in der Zeit des „neuen Aufbruchs“ in der Katholischen Kirche im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) gebaut, als man mit dem „neuen Wind“ des Konzils sehr viele Hoffnungen verband. Das Haus nahe dem Kloster Erlenbad sollte eine „Stätte der Besinnung, Weiterbildung und Erholung“ sein, so die damalige Provinzoberin der Erlenbader Schwestern, Mutter Archangela. Hiergab es jährlich zirka 8 000, anfangs sogar um die 12 000 Übernachtungen. Ende dieses Jahres wird dieses Haus geschlossen. sp

 

Kommentar
Raum für Spekulationen
Es ist nicht einfach nur eine Immobilie. Das Kloster Erlenbad hat für die Region eine historische Dimension ähnlich der Acherner Illenau, ist aber darüber hinaus als ein geistliches Zentrum von erheblicher Bedeutung für viele Menschen. Und doch ist die Zukunft des markanten Gebäudekomplexes ungewiss.
Dass der Schwestern-Kongregation in diesen eher glaubensfernen Zeiten der Nachwuchs für deren segensreiches Wirken fehlt, muss wohl als Tatsache gesehen werden, ebenso die sich in diesem Zusammenhang stellende Frage, ob sie das große Haus langfristig wird halten können. So pfeifen es die Spatzen von den Dächern – der Verkauf des Klosters ist zumindest eine Option.
Worum es kürzlich in der nichtöffentlichen Sitzung der Gemeinderäte von Sasbach und Lauf genau ging, darüber gibt die von der Bamberger Josef-Stiftung verbreitete Pressemitteilung letztlich wenig Aufschluss. Man habe über den Stand der Überlegungen zum Kloster Erlenbad „informiert“, hieß es. Und auf die vom ABB gestellte Frage, ob das Kloster zum Verkauf steht oder nicht, wollte man im fernen Frankenland keine konkrete Antwort geben. So bleibt es bei dem nebulösen Hinweis darauf, dass sich mit Blick auf das Klostergebäude „kirchliche Akteure“ nicht für ein „nachhaltiges Engagement“ gewinnen ließen – leider. Im Klartext: Die katholische Kirche will den Erlenbader Schwestern offenbar nicht unter die Arme greifen. Ansonsten lässt die Formulierung viel Raum für Spekulationen.
Klar ist: Man kann ein Kloster nicht einfach zum Verkauf ausschreiben und ohne viel Federlesens in ein Hotel oder in eine schicke Eigentumswohnanlage umwandeln. Abgesehen von dem nötigen Kleingeld brauchen nicht-kirchliche „Akteure“ ein sensibles Händchen für die Belange der Klosterfrauen. Dabei geht es nicht allein um den Erhalt von Klosterkirche und Friedhofs, sondern es rückt die Frage in den Mittelpunkt, wo die – teilweise auch pflegebedürftigen – Nonnen eine neue Unterkunft finden könnten. Das wiederum wirft weitere Fragen auf, die das benachbarte Pflegeheim betreffen. Dieses wurde bekanntlich von der Ordensgemeinschaft gemeinsam mit den Gemeinden Lauf und Sasbach gebaut.
Apropos „Akteure“: Während bereits gemunkelt wird, dass solche aus dem fränkischen Dunstkreis der Stiftung vorstellig geworden sein sollen, hüllt sich einer, der in unmittelbarer Klosternähe bei der Revitalisierung der „Villa Erlenbad“ bereits engagiert hat, in hartnäckiges Schweigen: Der Kehler Investor Jürgen Grossmann gilt als Spezialist für denkmalgeschützte Objekte. Und könnte so auch den vordringlichen Wunsch des Sasbacher Bürgermeisters Gregor Bühler erfüllen: „Das Klostergebäude muss erhalten bleiben.“ Michael Moos