Die Bürgermeister Hans-Jürgen Decker und Reinhard Schmälzle (rechts) befürchten eine Zunahme des ohnehin schon starken Schwerlastverkehrs im Achertal. | Foto: Hilmar Walter

Bürgermeister im Achertal

Zunahme des Schwerlastverkehrs durch „Mautflüchtlinge“ befürchtet

Von Hilmar Walter

Die Einführung der Lastwagen-Maut auf den Bundesstraßen bereitet den Menschen im Achertal Kopfzerbrechen. Die Bürgermeister befürchten eine zusätzliche Belastung durch  „mautflüchtige“ Brummifahrer.

Landesstraße als kostengünstige Alternative?

Nach dem Kappelrodecker Bürgermeister Stefan Hattenbach warnen nun auch seine Amtskollegen Hans-Jürgen Decker (Ottenhöfen) und Reinhard Schmälzle (Seebach) vor negativen Auswirkungen der Ausweitung der Lastwagen-Maut auf alle Bundesstraßen für die Landesstraße 87 durch das Achertal.  Ab 1. Juli 2018 wird die Maut für Lastwagen ab 7,5 Tonnen auf alle Bundesstraßen erweitert. Diese Ausweitung betrifft auch die Bundesstraße 28 durch das Renchtal. Die kostengünstigere Alternative, weitgehend ohne Maut, wäre, so fürchten die Bürgermeister, die Landstraße 87 durch das Achertal und die Landesstraße 401 vom Ruhestein nach Baiersbronn sowie die Schwarzwaldhochstraße nach Freudenstadt. Diese Verbindung werde schon jetzt von internationalen Speditionen genutzt.

Wichtige Ost-West-Verbindung

Dagegen kämpfen die Gemeinden Ottenhöfen und Seebach schon seit vielen Jahren an. Bei der Fortschreibung des Regionalplanes Südlicher Oberrhein wurde die Forderung der Gemeinden zur Abstufung der Landesstraße 87 als Straßenverbindung für den überregionalen Verkehr zur Straßenverbindung des regionalen Verkehrs mit der Begründung abgelehnt, dass diese Straße eine wichtige Ost-West-Verbindung über den Schwarzwald und die kürzeste Verbindung der Mittelzentren Achern und Freudenstadt sei. Eine Verbindung zweier Mittelzentren stelle eine Verbindung für den überregionalen Verkehr dar.

Nationalpark betroffen

Die Bürgermeister von Ottenhöfen und Seebach begründen ihre Forderung ferner damit, dass der überregionale Verkehr nahezu 30 Kilometer durch den Nationalpark führt. Einig waren sich Decker und Schmälzle darüber, dass der überregionale Verkehr auf die Straßen der bestehenden und geplanten Entwicklungsachsen gehört, in diesem Zusammenhang müsse die Bundesstraße 28 im Renchtal nach der Umfahrung von Oberkirch und Lautenbach auch im hinteren Renchtal weiter ausgebaut werden.

Für Tourismus nicht akzeptabel

Nach Ansicht der Bürgermeister Decker und Schmälzle tragen ihre Gemeinden die Hauptlast des Natur- und Landschaftsschutzes für den gesamten Ortenaukreis und bekommen nun „als Belohnung“ den überregionalen Schwerlastverkehr direkt durch die Gemeinden geschickt. Da die Tourismusgemeinden Ottenhöfen und Seebach keine Umgehungsstraßen haben, könne man diese Situation im Interesse der Bevölkerung und der Feriengäste nicht akzeptieren.

Forderung nach Mautpflicht für Landesstraße

Die beiden Gemeinden wollen sich nun für eine Mautpflicht auch für die Landstraße 87 einsetzen. Dies sei rechtlich möglich, wenn dadurch ein Mautausweichverkehr verhindert werden kann. Auch im Zusammenhang mit den Planungen für das Verkehrskonzept des Nationalparks habe man die „unhaltbare Verkehrssituation“ massiv angeprangert und ein Verbot für den Transit-Schwerlastverkehr gefordert.

Zählgerät soll Nachweis bringen

Die Gemeinden Ottenhöfen und Seebach beabsichtigen ein Verkehrszählgerät anzuschaffen und aufzustellen, das detailliert die jeweiligen Fahrzeugarten vom Fahrrad bis zum Lastwagen aufzeichnet, um damit den Nachweis zu führen, dass der Lastwagen-Verkehr durch das Achertal auf ein fast unerträgliches Maß für die Bevölkerung zugenommen hat und das sich durch die Ausdehnung der Maut auf Bundesstraßen noch mehr verschärfen wird.

Minister um Unterstützung gebeten

Mit einem gemeinsamen Schreiben haben sich Bürgermeister Hans-Jürgen Decker und Reinhard Schmälzle Landesverkehrsminister Winfried Hermann und die Wahlkreisabgeordneten von Bund und Land um Unterstützung bei der Lösung der Verkehrssituation gewandt.