Bestätigung: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat die Revision gegen das Urteil des Landgerichts Baden-Baden in einem Erbschleicher-Prozess verworfen. | Foto: Uli Deck/dpa

Mammutverfahren in Baden-Baden

1,3 Millionen Euro ergaunert: BGH bestätigt Urteil in Erbschleicher-Prozess

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Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat ein Urteil des Landgerichts Baden-Baden in einem spektakulären Erbschleicher-Prozess bestätigt und die Revision der beiden Beschuldigten als unbegründet verworfen. Damit bleibt es bei der Haftstrafen für die verurteilte Rechtsanwältin und ihren Ehemann, einen früheren Steuerberater.

Das Urteil des Landgerichts Baden-Baden im Betrugsprozess gegen eine Rechtsanwältin und deren Ehemann, einen früheren Steuerberater, vom 28. März 2019 ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat die Revision des Ehepaares gegen den Urteilsspruch der Baden-Badener Richter als unbegründet verworfen, teilt das Landgericht mit.

Die Große Strafkammer verhängte Freiheitsstrafen

Die 2. Große Strafkammer hatte Freiheitsstrafen von sieben Jahren für die Rechtsanwältin und drei Jahren für deren Ehemann verhängt. Nach Ansicht des Gerichts hatten die Beiden sich der Untreue in mehreren Fällen und der Beihilfe zur Untreue schuldig gemacht.

Der Prozess gegen das Erbschleicher-Ehepaar war eines der spektakulärsten und am längsten dauernden Verfahren in der Nachkriegsgeschichte des Landgerichts Baden-Baden. Die Große Strafkammer sprach nach mehr als 60 Verhandlungstagen ab November 2017 im März 2019 das Urteil.

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Das Ehepaar erschlich sich rund 1,3 Millionen Euro

Das Gericht war überzeugt, dass die Beschuldigten sich das Vermögen – 1,3 Millionen Euro – eines inzwischen gestorbenen Ehepaares erschlichen hatten. Sie hätten das Geld auf ihre Konten übertragen und dabei ausgenutzt, dass ihr Opfer dement war.

In seiner Begründung sagte der Richter, mehrere Gutachten hätten ergeben, dass die ältere Dame wegen ihrer Demenz geschäftsunfähig gewesen sei. Es habe Indizien gegeben, dass die Angeklagte wichtige Dokumente und ein Testament, das sie zur Alleinerbin macht, umdatiert habe.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Baden-Baden wird die Untersuchungshaft auf die noch zu vollstreckende Freiheitsstrafe angerechnet. Der Ehemann war nach dem Urteil zunächst auf freien Fuß gekommen, weil das Ehepaar einen minderjährigen Sohn hat.

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Der Ehemann erhält eine „Ladung zum Strafantritt“

Er werde demnächst „eine Ladung zum Strafantritt erhalten“, teilt die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Der Umstand, dass minderjährige Kinder vorhanden sind, hindere eine Strafvollstreckung nicht.

Wenn keine Verwandten, Bekannten oder Freunde das Kind in der Haftzeit betreuen können, werde das Jugendamt sich um das Kind kümmern.