Leben in der NotunterkunftT: In der Bäderstadt sind immer mehr Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen. Die Zahl steigt seit Jahren, Ende Juni 2017 lag sie bei 222 Menschen, darunter 33 Kinder. | Foto: dpa

222 Menschen in Baden-Baden

Die Zahl der Wohnungslosen steigt stetig

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Die Zahl der Wohnungslosen in Baden-Baden nimmt kontinuierlich zu. Im September waren 222 Menschen in städtischen Notunterkünften untergebracht. Das geht aus dem Bericht der Fachstelle Wohnraumsicherung für die Sitzung des Sozialausschusses am Mittwoch, 18. Oktober, hervor. Demnach gilt als wohnungslos, wer über keinen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt. Von Wohnungslosigkeit bedroht sind Menschen dann, wenn der Verlust der derzeitigen Wohnung unmittelbar bevorsteht.

Die Kapazität an Notunterkünften ist nahezu ausgeschöpft

Die Statistik erfasst nur Menschen, die „obdachenlosenrechtlich“ untergebracht sind. Das heißt, das Polizeigesetz erlaubt es, Menschen in Wohnraum einzuweisen, um einer Obdachlosigkeit entgegenzuwirken oder sie zu beenden. Diese Einweisungsverfügungen nehmen seit zehn Jahren zu: 2007 waren 31 Menschen davon betroffen, 2016 waren es 95 und zur Mitte des laufenden Jahres bereits 66. Obwohl die Zahl der Wohnungslosen steigt, ist der Fachstelle zufolge die Kapazität der Unterbringungsmöglichkeiten nahezu ausgeschöpft.

Der Anteil betroffener Kinder liegt bei 14,8 Prozent

98 Menschen sind in der Westlichen Industriestraße untergebracht; dort leben keine Kinder. 124 Menschen, darunter 33 Kinder, was einem Anteil von 14,8 Prozent entspricht – leben in Wohnungen, die auf das Stadtgebiet verteilt sind. Etwa die Hälfte der in Baden-Baden untergebrachten Menschen hat die deutsche Staatsbürgerschaft.

Familiennachzug verschärft die Lage weiter

Die Stadt geht davon aus, dass sie in den kommenden Monaten aufgrund des zu erwartenden Familiennachzugs von anerkannten Flüchtlingen viele der kurzfristig in der Stadt aufzunehmenden Menschen ebenfalls (zumindest vorübergehend) unterbringen muss.

Junge Menschen und Frauen sind zunehmend wohnungslos

Bei den wohnungslosen Menschen machen unter 30-Jährige und Frauen einen immer größer werdenden Anteil aus. Die Gründe für Wohnungslosigkeit sind dem Bericht der Fachstelle zufolge vielschichtig: Häufig führen Scheidung oder der Tod eines Partners in Arbeitslosigkeit und zu Mietschulden mit der Folge von Zwangsräumungen. Der Wegfall von Leistungen der Grundsicherung, Erkrankungen sowie die mangelhafte oder fehlende Resozialisierung nach der Entlassung aus der Strafhaft sind weitere Ursachen, warum Betroffene auf der Straße leben.

Der Wohnungsmarkt wird immer enger

Hinzu kommt ein immer enger werdender Wohnungsmarkt in Baden-Baden mit wenig einfach ausgestatteten und kleineren Wohnungen (siehe weiteren Artikel „Wohnraum ist knapp“). Nach Auskunft der Stadt verschärft sich die Lage zudem, weil es kaum Leerstand gibt und die Mietpreise steigen.

Die Fachstelle Wohnraumsicherung unterstützt

Die 2014 geschaffene Fachstelle Wohnraumsicherung macht es sich zur Aufgabe, drohende Wohnungslosigkeit durch Beratung, Vermittlungsgespräche und durch mögliche Übernahme von Mietschulden abzuwenden. Sie unterstützt obdachlosenrechtlich untergebrachte Menschen bei der Wohnungssuche. Dabei setzen die Mitarbeiter auf eine enge Vernetzung mit regionalen Wohnungsbau-Gesellschaften und externen Kooperationspartnern, um Wohnraum zu generieren.