Ein Gasmotor ist in einem Blockheizkraftwerk das Herz, wie Jörg Zwosta links) und Manuel Gernsbeck im Vincentius-Haus in der Cité in Baden-Baden demonstrieren. | Foto: Bernd Kappler

MEG Baden-Baden wird zehn

2,7 Millionen für Energiewende

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Zehn Jahre nach Gründung der Mittelbadischen Energiegenossenschaft (MEG) in Baden-Baden stehen zwei Dinge fest: Das Genossenschaftsmodell ist für die Energiewende geeignet und es funktioniert. Zweitens: Wie schon bei der Gründung ist es ein Wettbewerb wie weiland bei David und Goliath. Noch immer bevorzuge die Politik die großen Energieerzeuger, so die beiden „Macher“ der MEG, der frühere Baden-Badener Bürgermeister Jörg Zwosta, und der technische Kopf der Genossenschaft, Manuel Gernsbeck, in früheren Jahren jüngster Umweltpreisträger der Stadt Baden-Baden.

Energiewende beginnt im Kleinen

Geboren worden ist die Idee sozusagen im Baden-Badener Stadtwald, genauer an den Grobbachhöfen, wo nur eine Notstromversorgung bestand. Der Anschluss ans öffentliche Stromnetz hätte 250 000 Euro gekostet, für die Bewohner unfinanzierbar. Dann kam ein Landeszuschuss für ein Blockheizkraftwerk in Höhe von 18 000 Euro unter der Voraussetzung, dass der gleiche Anteil privat finanziert wird. Die Idee der Energiegenossenschaft war geboren.
Zwischenzeitlich betreibt die MEG in Baden-Baden und Umgebung 14 eigene Blockheizkraftwerke und betreut zehn weitere, zum Beispiel in der CaracallaTherme oder in den Krankenhäusern in Balg und in Rastatt, zum Teil auch in Freiburg und in Kehl. Die Genossenschaft, von Anfang an als Unternehmen aufgestellt, hat fünf Beschäftigte, darunter einen Techniker, der ständig mit Wartungsarbeiten beschäftigt ist.

270 Genossen

Die Zahl der Genossen ist zwischenzeitlich auf 270 angestiegen, wobei fast alle aus dem Raum Baden-Baden kommen. Aber auch Interessierte aus Frankfurt oder Hamburg haben sich als Mitglieder eintragen lassen. In der Satzung der MEG ist ein Mindestanteil von 100 Euro vorgesehen, wobei der Schnitt der Einlagen zwischen 2 500 und 5 000 Euro liegt, wie Jörg Zwosta berichtet. Und: auch eine Einlage über 50 000 Euro sei darunter. Insgesamt sind 1,25 Millionen Euro gezeichnet. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren hat die MEG 2,4 Millionen Euro investiert. Ihr Ziel: Weiter wachsen. Dazu wollen Zwosta und Gernsbeck die Genossenschaftsidee weiter verbreiten und vor allem die Politik dazu zu bewegen, Chancengleichheit herzustellen.

Podiumsdiskussion

Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens lädt die Mittelbadische Energiegenossenschaft (MEG) am Donnerstag, 7. Juni 2018, um 19 Uhr zu einer Podiumsdiskussion ein. Die Runde versucht, auf die Frage „Brauchen wir die Energiewende für unseren Wohlstand?“ Antworten zu finden. Mit dabei sind Franz Alt, Journalist und Autor, Karl-Heinz Sternemann, Mitbegründer der Greenlight-Initiative in Marokko und Roman Glaser, Präsident des Genossenschaftsverbands Baden-Württemberg, Helmut Oehler, Geschäftsführer der Stadtwerke Baden-Baden sowie Bernd Koch, Leiter Dezentraler Energiesysteme, Siemens Deutschland. Die Moderation übernimmt Evelin König. Die Veranstaltung findet im Rantastic, Aschmattstraße 2, Baden-Baden in Haueneberstein statt. Der Eintritt ist frei. Für den Ausklang nach der Diskussion sorgt DJ Nils Kleinlaut.