Das Interesse an Veranstaltungen im Drive Hin des Rantastic in Baden-Baden hat nachgelassen. Das Konzept wird jetzt überarbeitet.
Das Interesse an Veranstaltungen im Drive Hin des Rantastic in Baden-Baden hat nachgelassen. Das Konzept wird jetzt überarbeitet. | Foto: Bernd Kamleitner

Kaum Interesse an Zusatztermin

Abgesagter Wecker-Gig in Baden-Badener Autokino: Das Ende eines kurzen Trends?

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Zu Beginn erlebt das Autokino einen regelrechten Boom. Inzwischen lässt das Interesse an dem aus der Corona-Not geborenen Format nach. Das Rantastic in Baden-Baden bastelt bereits an einem neuen Konzept. Die Bühne soll weiter genutzt: für Open-air-Veranstaltungen.

War das schon ein deutlicher Wink des Publikums? Die Resonanz auf den Auftritt des Liedermachers Konstantin Wecker auf der Bühne des Autokinos Drive Hin beim Rantastic blieb am Dienstagabend deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Ein geplanter zweiter Konzertabend am Mittwochabend wurde mangels Nachfrage schon im Vorfeld gecancelt. Der Terminplan des Künstlers hätte bei Bedarf sogar noch ein drittes Konzert an diesem Donnerstagabend zugelassen.

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Statt zwei weiteren Auftritten auf der Bühne konnte der Künstler nun freie Tage an der Oos genießen. Der Vorgang offenbart auch einen neuen Autokino-Trend: Die Tage des aus der Corona-Not heraus geborenen Formats, in denem das Programm aus dem Auto verfolgt wird, scheinen gezählt. Auch in der Eventlocation in Haueneberstein wird bereits an einem alternativen Konzept gefeilt.

Rantastic-Chef: Zielgruppe wurde nicht erreicht

Rantastic-Chef Jens Dietrich bleibt trotz des gekürzten Wecker-Programms auf dem Pendlerparkplatz im Stadtteil gelassen: „Wir haben die Zielgruppe nicht erreicht“, lautet sein Fazit. Damit dürfte er richtig gelegen haben.

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Der Liedermacher gilt ansonsten als Zugpferd, hat viele Fans, die ihm zum Teil seit Jahrzehnten die Treue halten. Doch die wollen ihren Star offensichtlich lieber in einem Saal live erleben, statt ihn durch die Windschutzscheibe ihres Wagens zu sehen und seine Musik über eine Ukw-Frequenz des Soundsystems ihres Autos zu hören.

Die Videoleinwand ist viel als die eigentliche Bühne, auf der Konstantin Wecker am Flügel sitzt.
Die Videoleinwand ist viel als die eigentliche Bühne, auf der Konstantin Wecker am Flügel sitzt. | Foto: Bernd Kamleitner

Bis zu 180 Fahrzeugen hätten auf dem Pendlerparkplatzvor der Bühne stehen können, tatsächlich waren es standen nicht einmal 100. Das Geschehen dort wurde auf eine viel größere benachbarte Videoleinwand übertragen.

Rückgang ist deutlich spürbar

Einen Rückgang bei der Nachfrage nach Autokino-Tickets registriert das Rantastic seit etwa zwei Wochen auch bei anderen Veranstaltungen. Dietrich stuft die Verpflichtung Weckers daher keineswegs als Fehlgriff ein: „Ich bereue es nicht!“ Er habe den erfolgreichen Interpreten unbedingt haben wollen.

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Für den Künstler war es zudem ein besonderer Termin: Beim Konzert auf der Autokino-Bühne stand er erstmals seit der Zwangspause wegen Corona wieder einmal live auf einer Bühne – und zum allerersten Mal auf der eines Autokinos.

Wiedersehen bei Konzert im März 2021

Wecker bereute die Rückkehr nach Baden-Baden, wo er in seiner Jugend viel Zeit verbrachte, weil sein Vater aus der Bäderstadt stammt und Verwandschaft an der Oos ansässig war, trotz der überschätzten Nachfrage ebenfalls nicht.

Im Gegenteil: Er gab bereits seine Zusage für ein Konzert am 26. März 2021 im Rantastic. Dann allerdings im bis zu 1.200 Zuschauer fassenden großen Saal der Bühne – sofern es die Corona-Vorschriften bis dahin zulassen.

Konstantin Wecker beim Soundcheck zum Konzert auf der Autokino-Bühne in Baden-Baden.
Konstantin Wecker beim Soundcheck zum Konzert auf der Autokino-Bühne in Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner

Wecker und Dietrich arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. „Ich habe auch schon ein Konzert mit Konstantin im Theater Baden-Baden veranstaltet“, betont der Rantastic-Chef. Es war ein Erfolg!
Für die Fans, die Wecker am Dienstagabend in Haueneberstein erlebten, war auch dieses Konzert ein Erlebnis, weil der Liedermacher zuletzt lange nicht mehr solo auf der Bühne stand, sondern mit Begleitmusikern tourte.

Für den Veranstalter dürfte das finanzielle Ergebnis hingegen nicht rosig gewesen sein. Die Konsequenz liegt auf der Hand: Das bislang gewohnte Programm auf der Autokinobühne wird mit der Zeit reduziert.

Blick hinter die Kulissen: so sieht die Autokino-Bühne von hinten aus. Rechts die Videoleinwand.
Blick hinter die Kulissen: so sieht die Autokino-Bühne von hinten aus. Rechts die Videoleinwand. | Foto: Bernd Kamleitner

Die festgelegten Termine bis in den August werden zwar noch bespielt, aber dann wird es ein weiter entwickeltes Konzept geben, kündigt der Rantastic-Chef an: Ein Kombination mit Open-air-Veranstaltungen mit bis zu 100 Leuten ohne Auto auf dem Gelände und parallel das klassische Autokino-Format, bei dem die Besucher die Veranstaltung in ihrem Wagen verfolgen.

Indoor-Termine rechnen sich mit reduzierter Besucherzahl nicht

Ein Zurück zu Veranstaltungen in einem der Säle des Rantastic oder dem klag in Gaggenau ist derzeit aber noch nicht absehbar. „Das ist nicht wirtschaftlich“, meint der Veranstalter. „Für eine Indoor-Veranstaltung mit 100 Leuten braucht man einen Saal für 500 Personen.“

Nur unter diesen Voraussetzungen könnte die geforderte Abstandsregel eingehalten werden. Noch ein anderes Argument hat für Dietrich in diesem Zusammenhang Gewicht: „Wie soll da Stimmung im Publikum aufkommen?“

Jens Dietrich (links), Chef des Rantastic in Baden-Baden, mit Konstantin Wecker.
Jens Dietrich (links), Chef des Rantastic in Baden-Baden, mit Konstantin Wecker. | Foto: Bernd Kamleitner

Vor der Entscheidung für die Autokino-Bühne hatte es beim Rantastic zunächst Überlegungen gegeben, Auftritte von Künstlern auf der Bühne einfach nach draußen zu übertragen. Tatsächlich wurde dann die Bühne gleich mit nach draußen verlagert.

Oropax spielte einen Abend ohne Gage

Am Anfang lief es hervorragend. Ein Höhepunkt der Autokino-Zeit war für Dietrich der Auftritt von Sänger Max Giesinger („80 Millionen“). Am emotionalsten empfand er das erste von drei Gastspielen des Comedy-Duos Oropax. Die sollten noch am Freitag, den 13. März, im Rantastic auftreten.

Der Soundcheck um 16 Uhr lief nach Plan, um 17 Uhr wurde das Gastspiel aber wegen des Corona-Stopps abgesagt. Dietrich: „Es war klar, dass Oropax die sein mussten, die den Betrieb wieder eröffnen.“ Das taten die guten Freunde – am ersten Abend sogar ohne Gage, um die Bühne zu unterstützen.

Die hält finanziell noch durch. Wenn die Corona-Einschränkungen über den Jahreswechsel hinaus gehen sollten, „wird es schwierig“. Dann müsse wohl ein Kredit aufgenommen werden. Dabei hatte es zu Beginn des Jahres noch absolut rosig ausgesehen: „2020 wäre unser Jahr geworden“, verweist Dietrich auf 500 geplante Veranstaltungen – rund 200 im Kulturbereich und etwa 300 private, darunter Firmenfeiern. „Wir waren ausgebucht!“ n Kultur