Für rund acht Millionen Euro wird das Pflegeheim Schafberg in Baden-Baden umgebaut. OB Margret Mergen und Klinikum-Geschäftsführer Jürgen Jung stellten die Pläne jetzt vor. | Foto: Bernd Kappler

Schafberg Baden-Baden

Acht Millionen für Pflegeheim

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Eigentlich ist das Pflegeheim Schafberg in Baden-Baden noch ganz gut in Schuss, gleichwohl muss die Eigentümerin, die städtische Stiftung Schafberg, in den kommenden Jahren acht Millionen Euro in die Hand nehmen, um der aktuellen Landesheimbauverordnung genüge zu tun. Diese schreibt für den Schafberg vor, dass dort 2019/2020 nur noch Einzelzimmer vorgehalten werden dürfen. Betreiber des Heims mit derzeit 78 Plätzen ist das Klinikum Mittelbaden.

Fünf Wohngruppen in Pflegeheim

Dessen Geschäftsführer Jürgen Jung und OB Margret Mergen als Aufsichtsratsvorsitzende des Stiftungsrats sowie die kaufmännische Leiterin Marion Gärtner stellten jetzt die baureifen und von den Gremien abgesegneten Pläne den Medien vor. Dabei wurde deutlich, dass mit dem Umbau eine Optimierung verbunden ist. Künftig wird es insgesamt fünf Wohngruppen mit maximal 15 Personen geben, jeweils ebenerdig auf einer Etage und nicht mehr stockwerksübergreifend wie bisher. Die Wohngruppe für Demenzkranke wird ins Erdgeschoss verlegt.

Dort werden auch zehn Plätze für die Kurzzeitpflege untergebracht. Der „neue“ Schafberg wird 75 statt bisher 78 Plätze zuzüglich der zehn Kurzzeitpflegeplätze haben. Obwohl die Einzelzimmer mehr Platz benötigen, ist dies möglich, weil die Fläche der früheren Küche mitgenutzt werden kann.
Die Kapelle wird ins Dachgeschoss verlegt und das Haus bekommt auch einen neuen Haupteingang, und zwar auf der Ostseite zwischen Alt- und Neubau.

Der Haupteingang des Pflegeheims Schafberg wird auf die Ostseite zwischen Alt- und Neubau verlegt.
Der Haupteingang des Pflegeheims Schafberg wird auf die Ostseite zwischen Alt- und Neubau verlegt. | Foto: Bernd Kappler

Bewohner müssen umziehen

Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile hat man sich entschieden, das Bauvorhaben in einem Zug auszuführen. Die Bewohner des Pflegeheims werden aller Voraussicht nach während der 18-monatigen Bauzeit in der ehemaligen DRK-Klinik am Annaberg eine vorübergehende Bleibe finden. Die Prüfung dieser Liegenschaft erfolge derzeit, sagte Jürgen Jung. Bei den Umbauten im Theresienheim und in Kuppenheim habe das Klinikum bereits zweimal gute Erfahrungen mit einer solchen Lösung gemacht.
Läuft alles nach Plan, könnte der Umbau im ersten Quartal des kommenden Jahres beginnen. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wäre das Haus dann im Herbst 2019 wieder bezugsfertig.

Finanzierung durch Stiftung

Finanziert werden die Baukosten in Höhe von acht Millionen Euro von der Stiftung Schafberg, die sich das Geld dann in den kommenden Jahren vom Klinikum Mittelbaden über Pachterträge wieder zurückholt. Im Aufsichtsrat des Klinikums sei es keine Frage gewesen, an diesem Standort festzuhalten, stelle Jürgen Jung fest. Das Klinikum betreibt das Haus seit 2005. In diesen zwölf Jahren habe es keinerlei Belegungsprobleme gegeben, so der Klinikum-Geschäftsführer. Für Oberbürgermeisterin Margret Mergen kein Wunder, denn das Haus liege in einer traumhaften Landschaft.

Die Ausgestaltung der Bau- und Raumkonzepte in stationären Pflegeeinrichtungen wird durch die Landesheimbauverordnung geregelt, welche zum 1. September 2009 in Kraft getreten ist. Unter anderem werden darin die Größe von Wohngruppen und Barrierefreiheit, Standort/Lage, Einzelzimmergebot, Vorgabe zu Zimmergröße, Zimmerbreite sowie Regelungen zu Gemeinschaftsbereichen geregelt. Der Schafberg entspricht teilweise nicht mehr diesen Vorgaben. Die Unterbringung der Heimbewohner erfolgt derzeit noch in 27 Doppelzimmern, die zukünftig in Einzelzimmer umgewandelt werden müssen. Laut Übergangsfrist von zehn Jahren muss der Umbau bis 31. August 2019 beendet sein.

Kommentar zum Thema

Zum Glück gibt es die Regelungswut. Alte Menschen brauchen in Pflegeheimen Einzelhaft – pardon Einzelzimmer. So will es die Landesregierung seit 2009. Millionen müssen dafür landesweit investiert werden.

Das Problem dabei ist das Muss. Sicherlich gibt es Menschen, die lieber für sich in den eigenen vier Wänden sein wollen, anstatt den Lebensraum des Nachts mit einem schnarchenden Mitbewohner teilen oder ansonsten dessen Marotten ertragen zu müssen.

Es gibt aber auch andere, die Gesellschaft suchen und eben nicht alleine sein wollen. Und was ist eigentlich mit Ehepartnern, die den Wunsch haben, ihre letzten Tage auch in einem Pflegeheim gemeinsam verbringen zu wollen? Die werden von der Landesheimbauverordnung ganz einfach ausgeschlossen.

Zum Glück gibt es pfiffige Pflegeheim-Geschäftsführer. Sollten das Gesetz aus diesem Grund nachgebessert oder Ausnahmen zugelassen werden, hat Jürgen Jung im Schafberg vier bis fünf „Doppel-Einzelzimmer“ im Ärmel, die auch Paare bewohnen können.