Erst einmal zurücklehnen wird sich Regine Bielefeldt auch nach dem aktuellen Erfolg nicht. Die Drehbuchautorin arbeitet parallel an zahlreichen Projekten
Erst einmal zurücklehnen wird sich Regine Bielefeldt auch nach dem aktuellen Erfolg nicht. Die Drehbuchautorin arbeitet parallel an zahlreichen Projekten | Foto: Scheu

Drehbuch-Erfolg

Drehbuchautorin ist fasziniert von Aenne Burda

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Von der ersten Idee bis zu ihrer finalen Umsetzung dauerte es fünf Jahre. „In der Zeit habe ich parallel natürlich an anderen Projekten gearbeitet“, sagt Regine Bielefeldt und schmunzelt. Am 5. Dezember lief der erste Teil des Films „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ – Grundlage hierfür war das Drehbuch der 44-Jährigen. „Mich hat diese Frau schon immer fasziniert“, sagt Bielefeld über Aenne Burda, die sich in der Nachkriegszeit gegen ihren Ehemann, Verleger Franz Burda, durchsetzte und ihre eigene Modezeitschrift mit Schnittmustern gründete.

„Meine Mutter hat tatsächlich mit ihren Mustern genäht“, erinnert sich Bielefeldt an erste Berührungspunkte mit dem Schaffen von Aenne Burda. „Eine nicht nur starke, sondern auch wilde Frau“, ist die Baden-Badener Drehbuchautorin überzeugt. Fasziniert habe sie vor allem deren Ambivalenz. „Ich hasse, also lebe ich“, soll Aenne Burda auf Nachfrage eines Journalisten an ihrem 90. Geburtstag gesagt haben. „Im Verlauf meiner Recherche habe ich gemerkt, dass sie durchaus auch hart und streng war“, macht Bielefeldt deutlich.

Bielefeldt spricht über Autoren-Dasein

Seit 1996 ist sie als freie Autorin tätig. „Doch so etwas wie im Moment habe ich noch nicht erlebt.“ Die Presse hat über die Verfilmung intensiv berichtet – auch an ihrer Person entstand ein größeres Interesse. „Wir Drehbuchautoren stehen dennoch eher im Schatten“, kritisiert Bielefeldt. In Deutschland sei in den meisten Fällen von den Regisseuren und den Schauspielern eines Filmes die Rede. „Eine Gleichberechtigung in der Wahrnehmung wäre schön“, sagt Bielefeldt.

Das ist frustrierend.

Selbst in Fachmagazinen sei es bereits vorgekommen, dass ihr Name unterschlagen wurde. „Das ist frustrierend“, macht Bielefeldt deutlich. „Wir Drehbuchautoren sind schließlich die Urheber der Stoffe“, hebt sie hervor. Das gelte auch, wenn ihrer Arbeit eine Biografie zugrunde liege. „Die Szenen schreibe dennoch ich.“

Details über Aenna Burda

Ein Blick in das Drehbuch zu „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ zeigt, wie viel Detailarbeit hierfür notwendig ist. Neben den Dialogen finden sich dort Hinweise zu akustischen und optischen Einzelheiten. „Sobald etwas eine erzählerische Relevanz hat, schreibe ich es hinein“, erklärt Bielefeldt.

Als hervorragende Wahl bezeichnet Regine Bielefeldt die Schauspielerin Katharina Wackernagel (im Bild) in der Rolle Aenne Burdas.
Als hervorragende Wahl bezeichnet Regine Bielefeldt die Schauspielerin Katharina Wackernagel (im Bild) in der Rolle Aenne Burdas. | Foto: Scheu

Durch ihre Recherche wusste sie, dass Aenne Burda ihren Schmuck verpfändete, um die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen zu können. Im Drehbuch findet sich daher die klare Anweisung, dass die Verlegerin in bestimmten Szenen nicht mehr Schmuck als den Ehering tragen dürfe. „Das ist ein Detail, wäre jedoch ein ärgerlicher Fehler“, erklärt Bielefeldt. Das ihre jeweiligen Anmerkungen nicht immer Beachtung finden, stehe auf einem anderen Blatt, kritisiert die Autorin. „Das hängt vom jeweiligen Regisseur ab“.

Für mich öffnet sich dadurch eine Welt.

Ihren Beruf schätzt sie unabhängig davon sehr. „Ich bilde mich täglich fort“, sagt die 44-Jährige begeistert. Sie arbeite zwar fiktional, tausche sich aber zu Recherchezwecken intensiv mit Spezialisten aus. Auf potenzielle Themen stößt sie häufig in der Zeitung. Gezielt lese sie vor allem kleine Meldungen. „Für andere sind das nur wenige Zeilen – für mich öffnet sich dadurch eine ganze Welt.“

Der zweite Teil von „Anne Burda – Das Wirtschaftwunder“ läuft am Mittwoch, 12. Dezember, um 20.15 Uhr in der ARD.