Den Mobilitätsmix aus mehreren Verkehrsmitteln will das Projekt regiomove fördern. MIt einer App sollen dann Reisen mit Bahn, Bus sowie Leihauto oder Leihrad kombiniert werden.
Den Mobilitätsmix aus mehreren Verkehrsmitteln will das Projekt regiomove fördern. MIt einer App sollen dann Reisen mit Bahn, Bus sowie Leihauto oder Leihrad kombiniert werden. | Foto: Bernd Kamleitner

Baden-Baden ist dabei

Alles außer beamen: Projekt regiomove nimmt Fahrt auf

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Es wäre die Lösung vieler Verkehrsprobleme: Wenn das in Science-Fiction-Filmen gängige Beamen nur in der Realität funktionieren würde. Dass ein Mensch mit einem sogenannten Teleporter an einer Stelle verschwindet und an einer anderen wieder auftaucht, das ist aber (noch) eine utopische Vision. Nach Zukunftsmusik klingt auch das Projekt regiomove.

Dahinter verbirgt sich die geplante Vernetzung des bestehenden Verkehrsangebots im Großraum von Baden-Baden und Karlsruhe. Die steht jedoch vor der Realisierung – allerdings mit einer Einschränkung: „Alles außer beamen“ lautet der Leitspruch für das Projekt. Baden-Baden ist ein Pilot-Ort.

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Intermodal – das neue Zauberwort

In Großstädten ist es schon angesagt, eine Strecke intermodal zurückzulegen. Intermodal? Gemeint ist die Nutzung von verschiedenen Verkehrsmitteln, um ohne eigenes Auto von A nach B zu kommen. Die ist auch die Vision von regiomove: Jeder Kunde soll seinen passenden Mix aus dem Mobilitätsangebot in der Region erhalten – also etwa aus Stadtbahn, Bus, Car-Sharing oder Leihfahrrad. So soll sein zukunftsweisendes Mobilitätsprojekt Fahrt aufnehmen.

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Umstieg von einem zum anderen Verkehrsmittel muss bequem sein

Der Umstieg von einem Verkehrsmittel auf das andere soll bequem sein, so die Vorgabe. Die Tour wird über das Smartphone geplant, gebucht und abgerechnet. Es sind keine unterschiedlichen Fahrkarten mehr erforderlich, Verbundgrenzen sollen dabei kein Hindernis darstellen. Alles aus einer Hand, heißt die Philosophie.

Weitere Dienstleister wie Taxis können zudem integriert werden. In Baden-Baden wäre auch eine Einbeziehung der Merkurbergbahn denkbar – soweit die Theorie.

Wir wollen definitiv noch in diesem Jahr erste Tickets über die App verkaufen.

Frank Pagel vom KVV

Das Herz von regiomove wird in einer App schlagen. Vorgestellt wird die auf der Fachmesse IT-Trans am 3. März in Karlsruhe. Zunächst wird sie nur einer geschlossenen Testgruppe zur Verfügung stehen, kündigt Projektleiter Frank Pagel vom Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) im BNN-Gespräch an. „Wir wollen aber definitiv noch in diesem Jahr erste Tickets über die App verkaufen“, betont der KVV-Mann.

Baden-Baden ist eine von sieben Modellgemeinden

Dafür müssen infrastrukturelle Voraussetzungen in der Region geschaffen werden. Hier kommen sieben Modellgemeinden ins Spiel – darunter Baden-Baden. Deren Bahnhöfe werden mit besonderen Mobilitätsstationen ausgestattet. Die sind nach einem Konzept gestaltet und sprechen eine einheitlich Bildsprache.

So könnte ein Element der neuen Mobilitätsstation am Bahnhof in Baden-Oos aussehen.
So könnte ein Element der neuen Mobilitätsstation am Bahnhof in Baden-Oos aussehen. | Foto: unit-design / netzwerkarchitekten.

Die soll auffallen und eine „neue Wahrnehmung“ erzielen, betont Pagel. So lautet jedenfalls die Vorstellung der Planer. Die müssen mit ihren Konzept derzeit kommunale Gremien in den Pilotgemeinden – darunter Ettlingen, Rastatt und Bühl – überzeugen.

Kritische Stimmen zu den von Designern entwickelten Elementen

Im Baden-Badener Bauausschuss haben visualisierte Ansichten des künftigen regiomove Ports am Bahnhof in Baden-Oos allerdings noch keine Begeisterungsstürme ausgelöst, obwohl in einem Abstimmungsgespräch mit Vertretern von Stadt und KVV die künftigen Standorte der modernen Info-Säulen schon einmal räumlich etwas vom denkmalgeschützten Bahnhof in Oos in Richtung Kiosk gerückt wurden.

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Bürgermeister Uhlig setzt auf Beteiligung

Zudem wurde die Größe der Elemente kritisiert. Deren Form und Farben wurden in einem Design-Wettbewerb ermittelt. FDP-Rat René Lohs monierte die vielen Anglizismen, die bei dem Projekt auftauchen.

Die Beteiligung Baden-Badens an regiomove soll trotz kritischer Einwendungen aber nicht in Frage gestellt werden. So sieht es jedenfalls der Baubürgermeister: „Der Bahnhof in Oos ist unsere Verkehrsdrehscheibe. Klar, dass Baden-Baden da dabei ist“, bekräftige Alexander Uhlig (CDU). Das Projekt sei „eine tolle Sache“.

Der Bahnhof in Oos ist unsere Verkehrsdrehscheibe. Klar, dass Baden-Baden da dabei ist.

Baubürgermeister Alexander Uhlig

Weil eine Aufstockung etwa der Bus- oder Zugverbindungen mit der Ausstattung der Pilotstandorte nicht verbunden ist, stellte SPD-Rätin Ulrike Mitzel eine durchaus nahe liegende Grundsatzfrage: „Braucht man das?“ Ja, meinte Hansjürgen Schnurr von der CDU-Fraktion. Er plädierte dafür, das Projekt zu unterstützen: „Wir müssen am Ball bleiben, damit Baden-Baden nicht abgehängt wird!“

Abstimmung steht noch aus

Eine Abstimmung über Baden-Badens Anteil in Höhe von rund 70.000 Euro an regiomove stand noch nicht auf der Tagesordnung. Die ist in der nächsten Bauausschusssitzung geplant, hieß es.

Die digitalen Info-Terminals sollen mit verschiedenen Farben auf die Mobilitätsangebote hinweisen. Boxen etwa für Fahrradhelme oder eine Servicestation mit Fahrradluftpumpe sollen das Angebot komplettieren. Wann sie in Betrieb gehen, ist noch offen.

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EU und Land fördern Projekt mit fünf Millionen Euro

Mindestens ein Port soll noch in 2020 eingerichtet werden, sagt Pagel. Alle weiteren auf jeden Fall im Jahr 2021. Der Zeitrahmen muss eingehalten werden, weil sonst Fördermittel in Höhe von 1,05 Millionen Euro verfallen. Das gesamte Projekt regiomove wird mit fünf Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und vom Land Baden-Württemberg gefördert.