Funken heißt auch Sammeln: Uwe Seiler-Cuestas möchte Funker in allen Ländern kontaktieren. Gerade spricht er mit dem spanischen Amateurfunkverein. Die Gespräche sind meist kurz, viel mehr als ihre Identität tauschen die Funker nicht aus.
Funken heißt auch Sammeln: Uwe Seiler-Cuestas möchte Funker in allen Ländern kontaktieren. Gerade spricht er mit dem spanischen Amateurfunkverein. Die Gespräche sind meist kurz, viel mehr als ihre Identität tauschen die Funker nicht aus. | Foto: Teschers

Signale in die Welt

Amateurfunker in Baden-Baden steht früh auf für die besondere Verbindung

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Uwe Seiler-Cuesta dreht am Rad des Funkgerätes. Er sitzt in den Räumen des Amateur-Radio-Clubs Baden-Baden, über ihm auf dem Dach sendet eine rund acht Meter hohe Antenne Signale in die ganze Welt. Der Amateurfunker sucht auf verschiedenen Frequenzen andere Funker, um sich mit ihnen auszutauschen.

An diesem Donnerstag (18.04.2019) ist Welt-Amateurfunktag. Denn am 18. April 1925 gründete sich die International Amateur Radio Union. Seit rund 20 Jahren gibt es den Amateur-Radio-Club Baden-Baden, der aus dem Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC), Ortsverband Baden-Baden entstand. Letzterer ist noch einmal 40 Jahre älter und besteht parallel. In der Umgebung existieren viele solcher Vereine, was das Baden-Badener Einzugsgebiet klein hält.

Verschiedene Sendearten sind möglich

„Viele haben auch im Laufe der Jahre aufgegeben“, erklärt der Vorsitzende Michael Schorradt. Der Verein besteht aus 25 Mitgliedern mit hohem Altersdurchschnitt, wie Schorradt selbst sagt. Der Jüngste ist 30 Jahre alt, Frauen sind momentan nicht dabei. In Deutschland gebe es 35 000 DARC-Mitglieder, 2000 davon in der Region Baden. Drei verschiedene Sendearten sind möglich: Sprechfunk, Telegrafie (Morsen) und digitale Betriebsarten, bei denen die Kommunikation über einen Computer läuft.

Amateurfunker werden geprüft

„Der Reiz ist die Direktverbindung. Man braucht gewisse Kenntnisse und Erfahrung“, findet Uwe Seiler-Cuesta. Nicht jeder darf einfach drauflosfunken. Zuerst muss man eine Prüfung für Funkamateure bestehen, danach erhält der Amateurfunker die Lizenz. Schorradt hat seine bereits seit 1969, Uwe Seiler-Cuesta seit 1988.

Eigenes Zeichen und Ziffern

Der hat inzwischen auf einer Frequenz den CQ-Ruf eines anderen Funkers gefunden. Das ist ein allgemeiner Anruf, auf den sich jeder melden kann. Seiler-Cuesta funkt ihn an und sie tauschen ihre Rufzeichen aus. Jeder Amateurfunker erhält mit seiner Lizenz ein eigenes Zeichen aus Zahlen und Ziffern. Das Gespräch ist schnell vorbei. Nach einer Kontaktaufnahme schicken die Amateurfunker sich gegenseitig Postkarten zu. Auf ihnen vermerkt sind Rufzeichen, Ort, Datum und Uhrzeit sowie die Signalstärke.

Rund um die Welt

Anhand des Rufzeichens erkennt Seiler-Cuesta, dass sein Gesprächspartner aus der Ukraine kommt – das sei nichts Besonderes, erklärt Michael Schorradt. Denn Uwe Seiler-Cuesta hat wie viele andere Amateurfunker ein Ziel: Er möchte einmal mit allen 340 Ländern auf der Erde gefunkt haben.

Jäger in Baden-Baden

Technisch ist das möglich. Je nach Funkwetter können die Baden-Badener ferne Kontinente und Länder wie Südamerika, Australien und Japan erreichen – ohne zwischengeschaltete Funkmasten. Zu den Ländern zählen auch kleine, unbewohnte Inseln. Um die Sammlung zu erweitern, reisen manchmal Funker dorthin, um von anderen angefunkt zu werden. Der Aufwand dafür sei hoch, erklärt Schorradt. Deswegen gebe es in Baden-Baden eher „Jäger“.

Da lohnt es sich, es mitten in der Nacht zu versuchen.

Bis man so eine seltene Station erreicht, können auch mal Stunden vergehen. „Da lohnt es sich, es mitten in der Nacht zu versuchen, wenn Europa schläft und der Andrang nicht so groß ist“, erklärt Seiler-Cuesta. Hat man eine bestimmte Menge an Funkern erreicht, bekommt man ein Diplom, „man kann sich gegenseitig messen“, sagt Schorradt. Auch Funkwettbewerbe gibt es regelmäßig, bei denen die Amateurfunker versuchen, in einer vorgegebenen Zeit so viele Verbindungen wie möglich aufzubauen.

Keine verschlüsselte Sprachen

Uwe Seiler-Cuesta hat weiter am Frequenzrad gedreht und nach Funkern gesucht. Nun ist etwas Besonderes passiert: Der spanische Amateurfunkverein feiert 70-jähriges Bestehen und funkt zu dem Anlass. „Da kommt jetzt einer nach dem anderen auf die zu“, erklärt der Amateurfunker. Doch nicht immer sind die Gespräche kurz. „Manche kennt man schon lange.“ Die Unterhaltungen drehen sich oft um Technik. Jeder kann mithören, verschlüsselte Sprachen zu benutzen ist jedoch verboten.

Die Bundesnetzagentur nimmt die Prüfung zum Amateurfunker ab. In der theoretischen Prüfung geht es um Betriebstechnik, Vorschriften und technische Grundlagen. Zur Vorbereitung gibt es Kurse bei den Clubs.
Die Hälfte der Baden-Badener Amateurfunker hat zu Hause eine Funk-Ausrüstung. „Mit ein paar hundert Euro für Equipment kann man einsteigen“, erklärt Seiler-Cuesta. Das Funkgerät sei am teuersten. Als Antenne reiche auch ein aus dem Fenster gehängter Draht aus. Es gebe aber auch deutlich günstigere UKW-Handfunkgeräte.