Kein Ende in Sicht: Die erhebliche Verzögerung beim Bauzeitenplan für die Sanierung des Leopoldsplatzes veranlasste Bürgermeister Alexander Uhlig dazu, der Baufirma mit einer Kündigung des Vertrags zu drohen. | Foto: Rudolphi

Leopoldsplatz Baden-Baden

Bürgermeister droht der Baufirma mit Kündigung

Die Bauarbeiten am Leopoldsplatz stehen unter keinem guten Stern. Nach erheblichen Kostensteigerungen für den ersten Bauabschnitt und einem Submissionsergebnis für den zweiten Bauabschnitt, das um mehr als das Doppelte über den veranschlagten Kosten lag und zur Aufhebung der Aussschreibung geführt hat, steht nun eine erhebliche Verzögerung beim Bauzeitenplan ins Haus.

Zeitplan für den Leopoldsplatz verzögert sich erheblich

„Der Leo bereitet uns große Sorgen“, sagte Bürgermeister Alexander Uhlig in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.  Der von der Baufirma Weiss vorgelegte jüngste Bauzeitenplan  sieht den 10. November als Schlusstermin vor. Die Arbeiten hätten Uhlig zufolge eigentlich am 4. August beendet sein sollen. Er habe die Geschäftsführung des Unternehmens zu einem Krisengespräch ins Rathaus einbestellt und mit einer Kündigung des Vertrags gedroht, sollten die Bauarbeiten nicht mit Nachdruck vorankommen.

Das Unternehmen hat offenbar Personalprobleme

„So geht das nicht. Wir können das nicht einfach hinnehmen“, bekräftigte der aufgebrachte Bürgermeister. Die Firma Weiss habe Probleme, genügend Personal auf die Baustelle zu bekommen. Nach einem Krisengespräch am 14. Juli wegen der Personalprobleme habe die Firma den 31. August als Termin für die Fertigstellung festgelegt. „Darauf haben wir uns verlassen“, sagte Uhlig. Aber auch im Lauf des vergangenen Monats seien die Arbeiten nur zögerlich vorangekommen, obwohl es dafür keine bautechnischen Gründe gegeben habe.

Es muss mehr Personal auf die Baustelle

Die Verzögerungen wegen schlechten Wetters, der römischen Fundstücke und der Probleme mit dem Rotenbachkanals rechtfertigten nicht eine Verspätung von mehr als drei Monaten. Er habe die Firma inzwischen abgemahnt und deutlich gemacht: „Es muss mehr Personal auf die Baustelle. Woher das kommt, ist mir egal.“

Korruptionsverdacht steht im Raum

Die Baden-Badener Baufirma gerät zudem zusätzlich unter Beschuss: Ein Internetportal hat angeblich Hinweise auf Korruption zwischen dem Unternehmen Weiss und einem Mitarbeiter des städtischen Eigenbetriebs Umwelttechnik. Er soll mehrfach Gast bei privaten Feiern, in der KSC-VIP-Lounge und bei Urlauben des Firmenchefs gewesen sein. „Für uns gilt zunächst die Unschuldsvermutung“, sagt Stadtpressesprecher Roland Seiter auf BNN-Anfrage. Die Stadt sei derzeit dabei, die Vorwürfe zu prüfen. Oliver Weiss, Prokurist des Unternehmens und CDU-Stadtrat, sprach von einer „Hetzkampagne“ gegen sein Unternehmen.

Weitere Infos zum Sanierungsvorhaben Leopoldsplatz gibt es unter www.unser-leo.de.

Kommentar zum Thema: Leo und kein Ende… Der zentrale Platz in der Innenstadt kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Erst massive Kostensteigerungen, dann ein Ausschreibungsergebnis, das jenseits von Gut und Böse liegt, und jetzt auch noch eine erhebliche Verzögerung bei der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts. Vor allem der Bauzeitenplan der von der Stadt beauftragten Firma Weiss brachte das Fass wohl zum Überlaufen. Bürgermeister Alexander Uhlig platzte endgültig der Kragen und nach einer Abmahnung droht er dem Unternehmen jetzt sogar mit einer Kündigung des Auftrags, sollten die Arbeiten nicht zügig vorankommen.
Uhligs Unmut ist nachvollziehbar und dessen emotionale Reaktion ebenfalls. In seiner bisherigen Amtszeit wuchs der Leo sich sukzessive zu einem immer größeren Problem aus, das den Bürgermeister nur noch vor sich herzutreiben schien. Seine Drohung signalisiert, dass er das Heft wieder in die Hand nehmen möchte. Möglicherweise schwingt da auch der Ärger über das exorbitant hohe Angebot dieser Firma bei der Ausschreibung der weiteren Arbeiten mit. Wie dem auch sei, wenn Uhlig seinen Frust öffentlich macht, muss wohl einiges im Argen liegen. Ob mit einer Kündigung des Auftrags dem Leo gedient ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Müsste die Stadt tatsächlich eine neue Firma suchen, käme der von Uhlig monierte verzögerte Zeitplan noch viel mehr ins Wanken.