Bevor es losgeht schwört Trainer Andreas Kunz seine Spieler auf das Training ein. Im Vorfeld wurde das jüngst zurückliegende Spiel besprochen und analysiert, wo Verbesserungsbedarf besteht.
Bevor es losgeht schwört Trainer Andreas Kunz seine Spieler auf das Training ein. Im Vorfeld wurde das jüngst zurückliegende Spiel besprochen und analysiert, wo Verbesserungsbedarf besteht. | Foto: Collet

Baden-Baden

Basketballverein United Colors: Auf dem Feld spielt die Herkunft keine Rolle

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Woher er kommt? „Ich bin aus Gaggenau“, antworte Edvin Selimovic. Seine Teammitglieder um ihn herum können sich ein leises Schmunzeln nicht verkneifen. „Ach so“, sagt Selimovic daraufhin mit einem Lächeln und ergänzt: „Meine Wurzeln liegen in Bosnien“. Bereits mit 16 spielte der heute 21-Jährige beim Basketballverein United Colors in Baden-Baden. Hört man sich bei ihm und seinen Teammitgliedern um, fällt immer wieder einmal der Begriff „Familie“.

„Ich habe zunächst in einem anderen Verein gespielt“, erzählt Stefan Minkov aus Bulgarien, seit 2018 ist er im Baden-Badener Basketballteam. „Hier ist die Stimmung eine andere“, hebt er hervor. „Wir sind wie eine Familie.“ Seine Mannschaftskollgen Antonio Colic und Georgi Obretenov bestätigen das: „Wir sind ein enger Kreis. Hier kennt jeder jeden – man respektiert einander.“

Wir sind wie eine Familie

Was 2013 mit zwei Herrenmannschaften begann, hat sich mittlerweile zu einem Verein mit sieben Teams und etwa 120 Mitgliedern entwickelt. „Die Basketballvereine in der Region lösten sich damals nach und nach auf“, erinnert sich Andreas Kunz an die Entstehungsgeschichte von United Colors zurück.

Er und acht Mitstreiter beschlossen nach einem Jahr ohne organisiertes Training, ihren eigenen Verein zu gründen. „Bereits die neun Gründungsmitglieder waren aus vier verschiedenen Nationen“, hebt der Geschäftsführer und Trainer hervor. Sechs Jahre später sind Frauen und Männer aus 20 Nationen Teil des Basketballvereins – sie stammen unter anderem aus der Türkei, Kamerun, Bulgarien oder dem Iran.

Der Verein hat sich einem barrierefreien Miteinander verschrieben

Die Diversität der Mitglieder sollte sich auch im Namen des Baden-Badener Basketballvereins niederschlagen, erzählt Kunz. Von der anfänglichen Idee, sich „Rainbow United“ zu nennen, sei man jedoch schnell weggekommen, sagt der Geschäftsführer und Trainer mit einem Schmunzeln. „United Colors“ stehe seitdem für ein barrierefreies Miteinander verschiedener Altersklassen.

Religion oder Hautfarbe spielen keine Rolle

Religion, oder Hautfarbe – „beim Sport spielt das keine Rolle“, erklärt Jonas Klein. „Das vergisst man auf dem Feld.“ Sein Trainer bekräftigt, dass diese Themen zweitrangig seien, sobald man einen Ball in der Hand halte. „Basketball war schon immer eine internationale Sportart“, sagt er. „Für uns ist das normal.“

Dass Sport verbindet und integrativ wirkt, weiß er aus eigener Erfahrung, die er im Ausland sammelte. Ob in Amerika oder Mexiko – innerhalb kürzester Zeit fand er sich dort auf dem Basketballplatz wieder und knüpfte erste Kontakte. United Colors soll seinen Mitgliedern genau das ermöglichen: „Wir bieten eine langfristige und nachhaltige Plattform sich zu vernetzen.“

Vollen Körpereinsatz zeigt Edvin Selimovic beim Training der United Colors.
Vollen Körpereinsatz zeigt Edvin Selimovic beim Training der United Colors. | Foto: Collet

Fatih Oral Soytürk, Medienvorstand und Coach des Basketballvereins, pflichtet ihm bei: „Ich kam vor vier Jahren nach Baden-Baden und kannte niemanden.“ United Colors habe ihn mit offenen Armen empfangen. „Mittlerweile habe ich hier zahlreiche Freunde“, sagt Soytürk zufrieden. Er und seine Mitstreiter sind überzeugt davon, dass jeder einzelne seinen Beitrag zu einem gemeinsamen „Wir“ leisten könne. „Integration funktioniert nicht von alleine“, hebt Andreas Kunz hervor.

Integration ist nicht nur für Geflüchtete relevant

Seit seiner Gründung engagiert sich United Colors bei „Basketball ohne Grenzen“, wirkt in der interkulturellen Woche in Baden-Baden mit und steht in engem Austausch mit Flüchtlingseinrichtungen. Dabei sei Integration nicht ausschließlich für Geflüchtete relevant. „Sie spielt auch eine Rolle für jemanden, der aus einer anderen Stadt kommt“, sagt Kunz. Mittlerweile hat sich der Basketballverein bis in die Oberliga gespielt und blickt auf eine größtenteils erfolgreiche Vereinsgeschichte zurück.

„In den ersten vier Jahren sind wir gleich viermal aufgestiegen“, erzählt der Geschäftsführer und Trainer. Daraus, dass auch Rückschläge nicht ausblieben, macht er keinen Hehl: In den Jahren 2015 bis 2017 sei es zu Überwerfungen mit zwei Trainern gekommen. „Beide hatten eine völlig andere Vision als wir. Das hat dem Verein nicht gutgetan“, erklärt Kunz.

Was für ihn und seine Mitstreiter damals eine Herausforderung darstellte, kann er rückblickend als positiv betrachten. „Für United Colors bedeutetet das damals eine Art Findungsphase“. Der Geschäftsführer und Trainer betont: „Auch das war wichtig für uns.“