Hochseilgarten Baden-Baden 23.09.2017

Baden-Baden baut Anlage ab

Aus für Hochseilgarten

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Hoch oben zwischen den Baumwipfeln im Baden-Badener Stadtwald kletterten bereits viele Mitarbeiter von Unternehmen aus der Region, um bei Nervenkitzel im Hochseilgarten auf schwankenden Bohlen das Wir-Gefühl und die Teamfähigkeit zu trainieren. „Das ist nun Ende Oktober vorbei. Der Pachtvertrag ist gekündigt“, sagt Yvonne Schneider von NaturPur. Die Event-Agentur ist bei der Geroldsauer Mühle angesiedelt und bietet zahlreiche Aktivitäten wie Biker-Ausflüge, Klettern sowie unter anderem Bogenschießen an. Auch der Hochseilgarten gehörte seit 2015 zum Portfolio des Freizeitveranstalters. „Es gibt mehrere schwerwiegende Gründe, den Hochseil-Parcours zu schließen.

Bäume vom Pilz befallen

Die Hauptursache ist, dass tragende Bäume des Hochseilgartens von einem Pilz befallen sind. Wir haben mehrere Plattformen, auf denen sich die Kletterer bewegen. Aus Sicherheitsgründen ist das damit nicht mehr tragbar“, schildert Yvonne Schneider, die zusammen mit Uwe Hansert die Agentur NaturPur betreibt. Hinzu komme, dass die Anlage einerseits zwar wunderschön gelegen sei, „aber diese Anlage ist einfach zu weit weg vom Schuss“, verweist sie auf die Distanz von gut 2,5 Kilometer Entfernung zu den Geroldsauer Wasserfällen. Erschwerend komme hinzu, dass die laufenden Kosten für Revision, Gutachten und hohen Sicherheitsstandards ständig gestiegen sind.

Abbau im Oktober

„Wir werden den Hochseilgarten zurückbauen. Das wird voraussichtlich im Oktober geschehen“, bestätigt Thomas Hauck, der Leiter des Fachgebiets Forst und Natur, das seinerzeit das Holz aus dem Stadtwald für die Errichtung der Freizeitanlage im Jahr 2002 beigesteuert hat. „Der Bau des Nieder- und Hochseilgartens hat damals rund 55 000 Euro gekostet. Diese wurden vom Forstamt und der Baden-Baden Kur und Tourismus GmbH (BBT) finanziert“, erläutert Nora Waggershauser, Geschäftsführerin der BBT. Die Idee für einen Hochseilgarten hatte seinerzeit Baden-Badens Marketingchefin Brigitte Goertz-Meissner aus dem Ferienort Todtmoos im Südschwarzwald mitgebracht. Ein Sturm beschädigte 2008 den Klettergarten erheblich. Der Aufbau kostete 65 000 Euro. Auch dieser Betrag wurde wieder gemeinschaftlich finanziert.
„Das Event-Unternehmen NaturPur möchte nun den Pachtvertrag mit der Stadt Baden-Baden nicht weiter verlängern, da die Kosten für den Betrieb und Erhalt der Einrichtung von Jahr zu Jahr exorbitant steigen“, stellt Nora Waggershauser klar. Der Garten wurde von NaturPur selbst beworben. Die BBT hat Angebote für Incentives sowie Rahmenprogramme für Gruppen aktiv angeboten. Firmenkunden aus der Region haben die Programme für Teambildungsmaßnahmen und Betriebsausflüge laut BBT gerne und oft gebucht.

Kunden weichen aus

„Nachfragen von Firmengruppe sind auch weiterhin da, allerdings haben wir festgestellt, dass gerade im Firmenkundenbereich immer mehr nach besonderen Stationen und Parcouren mit gewissen Schwierigkeitsgraden nachgefragt wird, welche wir mit diesem Garten jedoch nicht bedienen können“, stellt Nora Waggershauser fest. Das vorhandene Angebot reiche nicht mehr aus, denn viele Kunden würden sich für größere Anlagen in der Region, wie zum Beispiel den Klettergarten am Mehliskopf, entscheiden. Dort stünden die gefragten Stationen und Übungen zur Verfügung. Als die Anlage vor 15 Jahren errichtet wurde, gab es nach Angaben der BBT nur vereinzelt Nieder- und Hochseilgärten in der Region. „Heute ist das Angebot deutlich erweitert. Und darüber hinaus sind die Anlagen in größerer Ausfertigung vorhanden. Somit standen wir mit dem Forstamt gemeinsam vor der Entscheidung, entweder zu investieren oder den Garten abzubauen. Wir haben uns aufgrund der Abwägung zwischen Angebot und Nachfrage für den Rückbau entschieden“, bilanziert Nora Waggershauser.