Die mittelalterliche Stadtmauer in Steinbach gehört zu den am besten erhaltenen Stadtmauern im Land Baden. Sie stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. | Foto: Ulrich Coenen

Malerisches Städtl

Ausflugsziel im Baden-Badener Rebland: Die Stadtmauer in Steinbach gehört zu den schönsten in Baden

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Das Steinbacher Städtl ist malerisch. Der heutige Baden-Badener Stadtteil hat seit 1258 eigene Stadtrechte. Die in weiten Teilen erhaltene mittelalterliche Stadtmauer umgibt das Städtl mit seinen Wohnhäusern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Direkt an der Stadtmauer wurde auf einer kleinen Industriebrache vor einem Vierteljahrhundert der Bürgergarten angelegt. Steinbach ist einen Ausflug wert. 

Im Mai ist der Bürgergarten im Baden-Badener Stadtteil Steinbach besonders schön. Am Laubengang ranken die Rosen, einige blühen bereits. Es ist ein idyllisches Bild im Schatten der in weiten Teilen erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer, auf die die Steinbacher stolz sind. Die kleine Gartenanlage lädt Erwachsene zum Verweilen und Kinder zum Spielen ein. Normalerweise werden Gebäude und Gärten unmittelbar nach ihrer Fertigstellung in den Medien vorgestellt. Nach einem Vierteljahrhundert lohnt jedoch der Blick zurück: Hat sich das Konzept in einer schnelllebigen Zeit bewährt?

Gelungener Abschluss der Altstadtsanierung

Der Bürgergarten in Steinbach ist bereits mehr als ein Vierteljahrhundert alt und wurde 1994 als Abschluss der gelungenen Altstadtsanierung seiner Bestimmung übergeben.

Der berankte Laubengang ist das zentrale Gestaltungselement des Bürgergartens in Steinbach. | Foto: Ulrich Coenen

„Das ist eine wunderbare Anlage“, schwärmte Rebland-Ortsvorsteher Ulrich Hildner anlässlich der 15-jährigen Fertigstellung des Bürgergartens. „Es war die richtige Entscheidung, in zentraler Ortslage eine öffentliche Grünfläche anzulegen.“

Zu teuer?

Als der Ortschaftsrat 1992 über den Bau des Bürgergartens diskutierte, gab es zunächst Zweifel, ob es wirklich nötig sei, einen Landschaftsarchitekten zu beauftragen.

„Zu teuer“, lautete das Argument der Gegner. Vor allem weil sich Hubert Ernst vom Baden-Badener Stadtplanungsamt im Ortschaftsrat für einen professionellen Planer stark machte, kam es zur Auftragsvergabe an den Landschaftsarchitekten Dietmar Herz. . Das war zweifellos eine gute Entscheidung, denn Herz hat der Anlage Konzept und Struktur gegeben.

Blick vom Stadtgarten durch die Stadtmauer | Foto: Ulrich Coenen

Es war einer seiner ersten Aufträge überhaupt. Herz plante die rund 1.500 Quadratmeter große Anlage im Jahr 1992 als letztes Glied der Ortskernsanierung des „Städtls“. Ausgeführt wurde das Projekt erst zwei Jahre später. Kernstück des Gartens ist ein berankter Laubengang, der Herz zufolge den ehemaligen Stadtmauer-Verlauf räumlich abbildet. Symbolisch wird dies mit einem Weg aus Sandstein-Polygonalplatten verdeutlicht, der wie eine Intarsie dieses ortsgeschichtliche Relikt im Boden nachzeichnet, berichtet Herz in seiner Projektbeschreibung. Ein Duft- und Kräutergarten begleitet den Laubengang.

Stattliche Häuser des 18. bis 19. Jahrhunderts prägen die Steinbacher Straße. | Foto: Ulrich Coenen

Wie ein mittelalterlicher Kräutergarten

Die Beete sind durch Rasenwege gegliedert, die die anschließende Obstwiese mit dem neuen Gartenteil verbinden. Bei der Bepflanzung griff Herz auf alte Reb- und Rosensorten sowie auf Gewürzkräuter wie Lavendel, Thymian, Rosmarin und Gehölze wie Maulbeere, Mispel und Gewürzstrauch zurück. So wollte er die inhaltliche Verwandtschaft zum mittelalterlichen Kräutergärtlein herstellen. „Formale Anbiederungen wurden dagegen vermieden“, konstatiert Herz in seiner Projektbeschreibung. Diese lehnt der Landschaftsarchitekt grundsätzlich ab.

Wie bei einem Garten nicht zu vermeiden, hat sich die Anlage in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten verändert. So hat das Baden-Badener Gartenamt im Sinne einer einfacheren Pflege in Absprache mit dem Architekten das Staudensortiment „ausgedünnt“.

Stadtmauer in Steinbach | Foto: Ulricc Coenen

Ein Mini-Rothenburg

Der Bürgergarten ergänzt das pittoreske Steinbacher Städtl, das Oberkonservator Martin Wenz vom Landesamt für Denkmalpflege im Interview mit dieser Redaktion als „Mini-Rothenburg“ bezeichnet hat.
Ein Blick in die Baugeschichte erklärt die Lage des Bürgergartens innerhalb des Städtls. Die ummauerte Steinbacher Altstadt hat eine Fläche von rund eineinhalb Hektar und die Grundriss-Gestalt eines Quadrats.

Die gotische Stadtmauer, die in großen Teilen erhalten ist, entstand nach der Stadterhebung 1258 vermutlich noch im 13. Jahrhundert. Sie gehört zu den am besten erhaltenen in Baden. Steinbach hatte zwei Stadttore. Das Bühler Tor erhob sich beim heutigen Rebland-Museum und das Badener Tor am oberen Ende der Steinbacher Straße. 1810 wurden beide Tore, die militärisch längst keine Funktion mehr hatten, abgerissen. Sie standen der städtebaulichen Entwicklung im Weg.

Das Zehnthaus in Steinbach durchs Fischauge betrachtet: 1342 erbaut, nach Zerstörungen im 30-jährigen Krieg und Pfälzischen Erbfolgekrieg 1698 wieder aufgebaut. | Foto: Ulrich Coenen

Sehr gut erhalten

Der mittelalterliche Stadtgrundriss inmitten der Mauern ist weitgehend erhalten. Er besteht aus der nach Norden ansteigenden Steinbacher Straße, die zwischen den beiden nicht erhaltenen Stadttoren vermittelte. Von der Steinbacher Straße ist über zwei kurze Gassen die hoch gelegene Terrasse des Kirchplatzes am Ostrand des Städtl erreichbar. Die meisten Gebäude in der Altstadt entstanden nach den Zerstörungen durch französischen Truppen im Jahr 1689. Diesem Krieg fielen damals viele Städte in Mittelbaden zum Opfer.

Pfarrkirche in Steinbach | Foto: Ulrich Coenen

Die katholische Pfarrkirche St. Jakobus steht auf einem Hügel. Der Chor ist der letzte erhaltene Teil des spätgotischen Gotteshauses, das 1463 als dritte Kirche an dieser Stelle entstand. Nach Zerstörungen 1643 und 1689 wurden das mittelalterliche Langhaus und der Turm im frühen 18. Jahrhundert in einfachen barocken Formen erneuert.

Das dreischiffige neugotische Langhaus mit viergeschossigem Westturm entstand 1906/07 nach einem Entwurf von Johannes Schroth, dem Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes in Karlsruhe. Innerhalb der Stadtmauern lebten Ackerbürger, außerhalb siedelten sich entlang des Bachs Weinbauern an, deren giebelständige Häuser zum Teil erhalten sind.

Heimatmuseum in Steinbach | Foto: Ulrich Coenen

Essigfabrik mitten in der Stadt

Im Nordwesten des Städtl wurde im 19. Jahrhundert eine Essigfabrik erbaut. Dort standen bis zu diesem Zeitpunkt Scheunen. Im Grunde war dieses Gelände direkt an der Stadtmauer immer das wirtschaftliche Herz der Ackerbürgerstadt. Nun entwickelte sich dort ein kleines Zentrum der Essig- und Senfherstellung im Land Baden. Von den Fabrikgebäuden ist so gut wie nichts mehr erhalten. Einige Nebengebäude wurden in den 1990er Jahren zu Wohnzwecken umgenutzt. Dabei blieb aber nur das Untergeschoss mehr oder weniger unverändert erhalten.

Steinbach liegt im Baden-Badener Rebland. | Foto: Ulrich Coenen

Zurück zum Bürgergarten: Der entstand dort, wo sich die Fabrikgebäude befanden. Um den Bürgergarten wurden einige postmoderne Neubauten gebaut, die alten Bauwerken nachempfunden wurden.