Wuchs in Baden-Baden auf: In seinem neuen Roman "Morgenlatten" schreibt Rudolf F. Thomas über das Lebensgefühl im Jahr 1968.
Wuchs in Baden-Baden auf: In seinem neuen Roman "Morgenlatten" schreibt Rudolf F. Thomas über das Lebensgefühl im Jahr 1968. | Foto: RFT

Roman handelt auch an der Oos

Autor Rudolf F. Thomas träumt von einer Lesung im Casino Baden-Baden

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An das Festspielhaus dachte damals noch niemand. Der alte Bahnhof beherbergte den Club Raphael, eine weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Diskothek. Gegenüber unterhalb des Bayerischen Hofs pulsierte im Pits-Club ebenfalls das Nachtleben. In das mondäne Baden-Baden des Jahres 1968 entführt der Autor Rudolf F. Thomas in seinem Buch „Morgenlatten – Gefährten der Maturität“.

Es ist ein Roman mit autobiografischem Hintergrund. Falls der Titel irritieren sollte: Es geht nicht um Sex, sondern um den Versuch eines Heranwachsenden, für seinen Reifeprozess einem „nervig-spießigen Elternhaus“ zu entfliehen, wie es im Begleittext zum Buch heißt.

Es geht nicht um Sex

Weil sein Vater beim damaligen Südwestfunk (SWF) Arbeit fand, kam der gebürtige Karlsruher Thomas im Jahr 1956 im Alter von sechs Jahren an die Oos – und erlebte später eine Zeit, in der sich Schlagerstars in der Stadt die Klinke in die Hand gaben. Beim Sender gehörten Anfang der 60er Jahre auch die Deutschen Schlager-Festspiele zum festen Programm. Rudolf F. Thomas war bei vielen Produktionen hautnah dabei – als Kabelschlepper.

Zu Helmut Flor, besser bekannt als Schlagerstar Joe Raphael („Mir scheint, Du hast geweint“) und Betreiber des Club Raphael, hatte er eine enge Verbindung, weil er auch bei ihm jobbte. Dann folgte freilich ein krasser Übergang: Der junge Thomas wurde zur Bundeswehr eingezogen, musste zum Grundwehrdienst nach Külsheim. Der Ort im Main-Tauber-Kreis ist in einer Region angesiedelt, die umgangssprachlich mit dem Begriff „Badisch Sibirien“ belegt ist.

Vorgesetzte bezeichnen Rekruten als Morgenlatten

Die jungen Rekruten in der Prinz-Eugen-Kaserne sind mit Erniedrigung, Spott und Häme, aber auch mit Kriegsangst wegen des drohenden Konflikts um den Prager Frühling mit den Truppen des Warschauer Pakts konfrontiert. Sie werden von ihren Vorgesetzten als „Blindgänger“ und als „Morgenlatten“ beschimpft – das Wort, das dem Buch den Titel gab und, wie der Autor einräumt, bewusst mit der Irritation spielt.

Autor lebt in Würzburg

Seit 37 Jahren lebt Thomas nun schon in der Universitätsstadt Würzburg und schätzt dort die vielen jungen Menschen. In Baden-Baden, das er immer noch regelmäßig besucht, hätten die es in seiner Jugend eher schwer gehabt, erinnert er sich. „Man musste früher mittags immer ruhig sein. Es hieß: Die Stadt schläft!“

Das Lebensgefühl der wilden 68er will der Autor nun bei Lesungen wieder aufleben lassen – unter anderem mit Musikauszügen aus der Zeit, also Liedern etwa von Joe Raphael, den Moody Blues („Nights In White Satin“) oder Dorthe („Sind Sie der Graf von Luxemburg?“). Viele Menschen hätten Sehnsucht nach dieser Zeit, berichtet der Autor von Erfahrungen bei Lesungen. Er selbst schaue aber gerne nach vorne, sieht sich als „fortschrittlicher Typ“. Sein Credo: „Ich will eine Mischung hinkriegen: Dinge, die gut waren übernehmen, und sich dem Neuen stellen.“

Klassentreffen im Casino?

Für eine Lesung in Baden-Baden hat er noch keinen Partner gefunden. Thomas träumt von einem Termin im Casino im nächsten Jahr. Das könnte für ihn auch zu einem Wiedersehen mit alten Wegbegleitern werden. Sein Jahrgang feiert dann den 70. Geburtstag – es könnte ein Klassentreffen im Casino geben.

Verlosung: Wir verlosen drei Exemplare von „Morgenlatten“ (Verlag Tredition, 424 Seiten, 17,99 Euro) aus der Feder von Rudolf F. Thomas. Wenn Sie ein Buch gewinnen wollen, schreiben Sie eine Mail an redaktion.badenbaden@bnn.de. Bitte Adresse nicht vergessen! Einsendeschluss ist am Sonntag, 10. November. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!