Werbung für die Bewerbung: Der sogenannte Welterbe-Würfel auf dem Leopoldsplatz in Baden-Baden informiert über das transnationale serielle Nominierungs-Verfahren der „Great Spas of Europe“, zu den auch Baden-Baden zählt. Die Unesco wird nicht im Sommer über den Antrag entscheiden. | Foto: Rudolphi

Unesco sagt Sitzung ab

Baden-Baden muss auf Welterbe-Entscheidung weiter warten

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Die Unesco-Kommission hat ihre nächste Sitzung Ende Juni/Anfang Juli im chinesischen Fuzhou wegen der weltweiten Corona-Pandemie abgesagt. Damit ist die Entscheidung über die transnationale serielle Welterbe-Bewerbung der „Great Spas of Europe“, an der neben Baden-Baden weitere zehn Städte beteiligt sind, vertagt.

Baden-Baden und seine Bürger müssen sich weiter gedulden, bis sie eine Antwort auf die Frage bekommen, ob die Stadt das Prädikat eines Welterbes erhalten wird. Nach dem bisherigen Zeitplan sollte das Welterbe-Komitees der Unesco in der Sitzung vom 29. Juni bis 9. Juli im chinesischen Fuzhou über mehrere Anträge entscheiden – unter anderem über die transnationale serielle Bewerbung „The Great Spas of Europe“, an der sich neben Baden-Baden zehn weitere traditionsreiche europäische Bäderstädte beteiligen.

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Die Bewerber stehen Rede und Antwort

Doch nun macht die weltweite Corona-Krise allen Bewerbern zunächst einen Strich durch die Rechnung. Denn die Unesco hat angesichts der aktuellen globalen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Pandemie das Treffen in China abgesagt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

„Weil das Komitee über alle vorliegenden Anträge entscheiden wollte, haben wir uns alle sehr beeilt“, sagte Oberbürgermeisterin Margret Mergen im wöchentlichen Pressegespräch, in dem die Rathausspitze regelmäßig über die aktuelle Lage der Corona-Pandemie informiert. Im Dezember des vergangenen Jahres hätten die Vertreter der elf Bewerberstädte der Unesco noch einmal Rede und Antwort stehen müssen, um letzte Fragen zu klären. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, betonte Mergen.

Ein neuer Termin steht noch nicht fest

Die Rathauschefin machte keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung über die Absage der Komitee-Sitzung, zumal zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar sei, wann die Unesco sie nachholen werde. Derzeit liefen die Konsultationen, um die genauen Daten festzulegen. Mergen zufolge könnte es möglicherweise auf einen Ersatztermin im November in Paris hinauslaufen.

„Wir sind nach wie vor mit den anderen Bewerberstädten im Dialog. Auch die Abstimmung mit dem Landesdenkmal läuft weiter“, bekräftigte die Oberbürgermeisterin. Das erfolge weitgehend in Video-Konferenzen. Die Spannung bleibe, da die „Great Spas of Europe“ nun darauf warteten, ob und wann die Unesco einen neuen Termin bekanntgeben wird.

Wir haben keine Möglichkeit mehr, etwas nachzuarbeiten.

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen

Diese Phase des Wartens sei umso spannender, zumal die Bewerbungs-Unterlagen abgegeben seien. „Wir haben keine Möglichkeit mehr, etwas nachzuarbeiten“, stellte Mergen klar. Die Unesco habe bislang nicht signalisiert, ob die Antragsteller im Nominierungs-Verfahren auf dem richtigen Weg seien. „Ich kann überhaupt keine Prognose wagen. Es dringt nichts nach außen durch“, sagte die OB.

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Icomos-Experten erstellen ein Gutachten

Das sei auch nicht der Fall gewesen, als Experten von Icomos im September des vorigen Jahres zwei Tage lang die Stadt besuchten, um sich einen Eindruck zu verschaffen und ein Gutachten zu erstellen. Die Fachleute des Internationalen Rats für Denkmalpflege nimmt Aufgaben als Berater-Organisation der Unesco gemäß der Welterbe-Konvention von 1972 wahr. „Wir waren bestens vorbereitet“, betonte Mergen. Die Experten hätten sich sehr gut mitgenommen und informiert gefühlt.

Das war eine richtig klasse Geschichte.

Baden-Badens Bürgermeister Alexander Uhlig

„Das war eine richtig klasse Geschichte“, ergänzte Bürgermeister Alexander Uhlig. Die Vertreter hätten immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass Baden-Baden sehr viel tue, um das historische Erbe zu bewahren und die Tradition zu leben.

Die Initiative geht auf bürgerschaftliches Engagement zurück

Nach Mergens Ansicht hat die Stadt vor allem damit gepunktet, dass der Anstoß für das Verfahren zur Welterbe-Nominierung dem bürgerschaftlichen Engagement des Freundeskreises Lichtentaler Allee zu verdanken und die Bewerbung kein Prestige-Objekt oder Status-Symbol für Baden-Baden sei. Der Verein ist überzeugt, dass die Bäderstadt über ein einzigartiges kulturelles Kapital verfüge, das das Prädikat Welterbe rechtfertige.