Alle Zahlen im Vergleich

Baden-Badener produzieren den meisten Müll im Land

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Die kleinste kreisfreie Stadt Baden-Württembergs verursacht auch den meisten Müll: Mit 515 Kilogramm pro Einwohner liegt Baden-Baden klar vor Mannheim mit 414 Kilogramm. Zum Vergleich: Der im selben Zeitraum erfasste Müllberg in den ebenfalls kreisfreien Städten Karlsruhe und Pforzheim ist pro Haushalt um rund ein Drittel kleiner. Der Landesschnitt liegt bei rund 353 Kilogramm im Jahr. Beim Rest- und Sperrmüll bildet die Ortenau die unrühmliche Spitze.

Leben in der Kur- und Bäderstadt also auch die größten Müllsünder? Diese Frage beantworten die Zahlen nur zum Teil: Zwar fällt im Stadtkreis insgesamt der meiste Müll an. Bei der Mülltrennung leisten die Baden-Badener aber eigentlich ganz gute Arbeit – wenn auch nicht ganz so vorbildlich wie deren Nachbarn im Kreis Rastatt, die lediglich 90 Kilogramm pro Kopf im Rest- und auf dem Sperrmüll entsorgen. Zudem ist eine große Menge an Bioabfällen per se nichts Schlechtes. Das Land schreibt sogar eine Mindestmenge vor. Wenn man zusätzlich die Grünabfälle dazurechnet, ergibt sich ein noch deutlicheres Bild.

Viel Biomüll und Grünabfälle

Tatsächlich sind es in Baden-Baden die vielen Bio- und Grünabfälle, die einen großen Teil des Müllberges ausmachen. Allein in der Biotonne landen 130 Kilogramm im Jahr, dazu kommen noch einmal 255 Kilogramm Grünabfälle – Spitzenwerte in Baden-Württemberg. Für die städtische Umwelttechnik wenig überraschend: „Baden-Baden hat viele Parks, Alleen und Wälder. Daher die vielen Grünabfälle“, erklärt Carmen Emling.

In Baden-Baden gibt es viele Grünanlagen - dementsprechend fallen auch viele Grünabfälle an. Das Bild zeigt den Rosengarten in der Gönneranlage.
In Baden-Baden gibt es viele Grünanlagen. Das Bild zeigt den Rosengarten in der Gönneranlage. | Foto: Andreas Schwarzkopf/Wikimedia

Diese Landkreise wehren sich gegen die Biotonne

Zudem sei die Stadt ein Vorreiter in Sachen Biotonne – ganz anders als etwa die Ortenau und der Landkreis Karlsruhe, die zu den letzten Rebellen Baden-Württembergs ohne eigene Biotonne gehören. Die ist eigentlich schon seit 2015 bundesweit Pflicht, der Kreis Karlsruhe musste sogar per Anordnung vom Regierungspräsidium gezwungen werden, die Tonne bis 2020 einzuführen. Deshalb produzieren deren Bewohner bislang auch keinen Biomüll – zumindest laut Statistik. Wenn dieser dort getrennt entsorgt wird, dann nur auf dem statistisch nicht erfassten Kompost. Im ländlich geprägten Ortenaukreis gibt es außerdem eine moderne Anlage zur mechanisch-biologischen Abfallbehandlung. Der Stadtkreis Baden-Baden hingegen leistet sich schon seit 1993 eine Biotonne. Womöglich landet dort deshalb weniger auf dem privaten Kompost – was sich wiederum in der Statistik niederschlägt.

Kreis Rastatt ist vorbildlich

Allerdings werfen die Baden-Badener auch jede Menge Restmüll weg. Hier zeigt der Langzeitvergleich, dass sich Baden-Baden zwar früh einen Vorsprung zu anderen Landkreisen erarbeitet hatte, aber schon 1996 vom Kreis Rastatt eingeholt wurde. Anders als in Baden-Baden gelang es der dortigen Verwaltung auch, den Anteil des Rest- und Sperrmülls weiter sukzessive zu reduzieren.


Auch bei den Wertstoffen ist der Stadtkreis mit 231 Kilogramm pro Kopf Rekordhalter in Baden-Württemberg. Diplom-Ingenieurin Carmen Emling tippt auf die hohe Anzahl an Übernachtungs- und Tagesgästen als Ursache. „Wir haben hier viele Kongresse, das Festspielhaus, Krankenhäuser, Pflegeheime – dort fällt überall Müll an.“ Tatsächlich hat aber etwa der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mehr Übernachtungsgäste pro Einwohner, produziert aber wesentlich weniger Wertstoffe und Restmüll als Baden-Baden. Gleichzeitig erfasst Baden-Baden mit 42 Kilogramm pro Einwohner mehr Sperrmüll als die meisten anderen Landkreise. Es muss also noch einen weiteren Grund für die großen Müllmengen geben.

Werfen Rastätter ihren Müll in Baden-Baden weg?

Zum Beispiel, dass in Baden-Baden Immobilien häufig den Besitzer wechseln. „Dann wird häufig erst einmal renoviert, dementsprechend viel Sperrmüll fällt an“, sagt Carmen Emling. „Außerdem sind wir ja sozusagen eine Insel im Kreis Rastatt.“ Die Stadt habe in der Vergangenheit schon häufiger beobachtet, wie Leute aus dem Kreis Rastatt ihren Müll in Baden-Baden (kostenlos) entsorgten. Auch ein Grund, warum das Müllvolumen seit Jahren so hoch sei. „Insgesamt stehen wir aber gut da, ich sehe da wenig Spielraum für eine weitere Reduzierung“, glaubt Emling. Ein wenig Selbstkritik angesichts des immer noch vergleichsweise hohen Restmüllanteils, immerhin 112 Kilogramm pro Kopf, übt die Ingenieurin dann aber doch noch: „Beim Restmüll wäre tatsächlich noch Potenzial da, künftig mehr zu trennen.“