Gut getarnt: Der Enforcement Trailer (rechts) ist ein Anhänger, in dem ein autonom arbeitendes Geschwindigkeits-Messgerät integriert ist. Die Stadt Baden-Baden möchte das für 76 000 Euro neu angeschaffte Gerät vor allem an sensiblen Stellen einsetzen. | Foto: Rudolphi

Baden-Baden erhöht Druck

Auto-Anhänger entpuppt sich als Blitzer

Anzeige

Vor einem Jahr war der Enforcement Trailer noch drei Wochen im Testlauf, seit Mittwochabend ist er „scharf“ und regulär im Einsatz. Das von außen wie ein Autoanhänger aussehende Gerät hat es in sich: Es ermöglicht eine nahezu autonome Geschwindigkeitsüberwachung. Nach einem Beschluss des Baden-Badener Gemeinderats hat die Stadt den Trailer für rund 76.000 Euro angeschafft.

148 Verstöße in der ersten Nacht

Erster Einsatzort ist der Zebrastreifen vor der Marien-Apotheke in der Ooser Bahnhofstraße. Bei der Vorstellung des Geräts am Donnerstagmorgen ist die erste vorläufige Bilanz bereits beachtlich: Nach Auskunft von Manfred Schmalzbauer, dem Leiter des städtischen Fachgebiets Straßenverkehr, registrierte der Enforcement Trailer in den ersten 14 Stunden bereits 148 Verstöße gegen die in der Ooser Bahnhofstraße geltende Tempo-30-Regelung. „Der Schnellste war mit 75 Kilometern pro Stunde unterwegs. Der fährt eine Zeit lang kein Auto mehr“, betont Schmalzbauer.

Die Messdauer beträgt bis zu fünf Tage

Für Bürgermeister Roland Kaiser ist das ein Indiz dafür, wie wichtig die Tempo-Kontrollen auf den Straßen im Stadtkreis seien, obwohl Baden-Baden als einer der verkehrssichersten Kreise im Land gelte.
Der Enforcement Trailer, der sich mittels Anhängerkupplung von fast jedem Auto transportieren lässt, ermöglicht Kaiser zufolge personen- und zeitunabhängige Kontrollen. Er ist mit Hochleistungsbatterien ausgestattet, die einen ununterbrochenen Messbetrieb über fünf Tage garantieren. Um die Messdauer zu verlängern, lassen sich die Akkus einfach tauschen.

Das Gerät arbeitet weitgehend autonom

Der autonome Betrieb erlaube Geschwindigkeitsmessungen in der Nacht und schaffe den Mitarbeitern des Gemeinde-Vollzugsdienst Freiräume, um verstärkt personalintensiveren Aufgaben wie etwa der Kontrolle des ruhenden Verkehrs nachzugehen.

Das Rathaus möchte die Verkehrssicherheit erhöhen

Schmalzbauer betont, die Verkehrssicherheit sei ein ausschlaggebender Grund für den Kauf des Trailers gewesen. Neben überhöhter Geschwindigkeit klagten viele Anwohner über den damit zunehmenden Lärm. „Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Messgerät zeigen, dass die Beschwerden der Anwohner stimmen: Nachts halten sich offenbar viele nicht an die Straßenverkehrsordnung“, erläutert er.

Der Trailer kommt an sensiblen Stellen zum Einsatz

In der dreiwöchigen Testphase im vorigen Sommer habe das Messgerät rund 4.600 Beanstandungen dokumentiert. Kaiser beteuert, dass es nicht um Abzocke gehe. Der Trailer komme an sensiblen und zentralen Stellen wie in 30er-Zonen, bei Schulen, Kindergärten, Altenheimen und Zebrastreifen zum Einsatz. „Dafür gibt es gute Gründe“, betont der Bürgermeister.

Die nächsten Standorte stehen fest

Wo die Radar-Kamera demnächst Station machen wird, verrät Kaiser nicht. Es gingen im Rathaus regelmäßig Anregungen von Bürgern und Stadträten ein, an besonders sensiblen Orten zu messen. „Diese Orte werden wir in Zukunft auch bedienen“, lässt der Dezernent für Sicherheit und Ordnung keine Zweifel aufkommen.