Mit wehenden Fahnen in die Zukunft: Benedikt Stampa möchte die Festspiele ausbauen und weiter profilieren und zudem neue Programminseln einführen. | Foto: Uli Deck

Stampas erste Saison

Baden-Baden soll Sehnsuchtsort werden

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Tomatenrot statt Bordeaux: Das Programmheft der nächsten Saison am Festspielhaus Baden-Baden hat nur ein bisschen neue Farbe bekommen. Auch inhaltlich kündigt sich der große Wechsel an der Spitze des Hauses nur in Nuancen an. Benedikt Stampa übernimmt im Juli das Amt von Andreas Mölich-Zebhauser als Intendant der renommierten Institution an der Oos. Und auch wenn der hochgewachsene 53-Jährige aus Münster, der zuletzt 13 Jahre lang das Konzerthaus Dortmund erfolgreich geführt hat, mit krachend gelben Burlington-Socken vor die Presse tritt um seine erste Saison vorzustellen: Im Alten Bahnhof von Baden-Baden bleibt es nobel und das Programm liest sich auch weiterhin wie das Who-Is-Who der Klassikszene.

Großes mit Großem beantworten

„Es ist ein großes Erbe, das hier in Baden-Baden geschaffen wurde“, sagt Stampa mit Bezug auf Mölich-Zebhauser, der das Haus von einem verschuldeten Unternehmen zu einem international renommierten und privat finanzierten Festspielhaus geführt hat. „Wir werden das mit Großem beantworten.“
Stampa möchte die zentrale Lage Baden-Badens in Europa herausstellen. Die Kurstadt soll zum Sehnsuchtsort werden, an dem Menschen „etwas finden, das man mit Europa verbinden kann. Die Klassische Musik ist eine europäische Errungenschaft, die wir mit allen Menschen teilen wollen“, sagt Stampa.

Das musikalische Erbe Europas mit der Welt teilen

Da kommt der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens, dessen drittes Klavierkonzert Stampas Lieblingskomposition ist, im Jahr 2020 wie gerufen. Zur Beethoven-Stadt soll Baden-Baden in der nächsten Saison werden, seine Musik zieht sich durch die gesamte Spielzeit 2019/2020 bis hin zum „Beethoven-Projekt“ des Hamburg Ballett von John Neumeier und findet ihren Höhepunkt bei den Osterfestspielen. Erstmals in der Geschichte der dann wieder gastierenden Berliner Philharmoniker führen Kammermusik-Ensembles sämtliche Streichquartette Beethovens innerhalb eines Festivals auf.

Pläne mit Petrenko bis 2023

Die 14. Osterfestspiele führen schließlich auch Kirill Petrenko als neuen Chefdirigenten der Berliner an die Oos, der dann Beethovens Oper „Fidelio“ in der Regie der slowenischen Regisseurin Mateja Kolenik leitet. Und man habe Pläne mit Petrenko bis 2023, sagt Stampa. Baden-Baden sei nämlich künftig der einzige Ort, an dem der russische Dirigent nach seinem Weggang von der Bayerischen Staatsoper Musiktheater leiten werde. Gerüchte darüber, dass die Berliner auf lange Sicht mit ihren Osterfestspielen wieder nach Salzburg zurück wollen, von wo sie 2013 nach Baden-Baden gewechselt waren, wiegelt Stampa auf Rückfrage ab: „Erstmal nicht.“

Hervorragend vernetzt

Eröffnet wird die Saison am 27. September mit Neumeiers Inszenierung der Ballettoper „Orphée et Eurydice“ von Christoph Willibald Gluck. Neumeier ist damit erstmals in Baden-Baden als Opernregisseur zu erleben. Es gibt aber auch ein Wiedersehen mit Simon Rattle, er kommt mit dem London Symphony Orchestra und dirigiert neben Beethovens Neunter auch dessen selten aufgeführtes Oratorium „Christus am Ölberge“.
Dass Benedikt Stampa hervorragend vernetzt ist, sei ein Grund gewesen für die Kulturstiftung des Festspielhauses, sich für den Münsteraner als neuen Intendanten zu entscheiden, betont Ernst Moritz Lipp, der Vorsitzende des Stiftungsvorstands. So liest sich auch das Programm.

Cecilia Bartoli verspricht Premiere

Erneut kommen die namhaften Mezzosopranistinnen Elina Garanca (11. April 2020) und Cecilia Bartoli (23. November 2019) sowie die Sopranistin Renée Fleming (15. März 2020) an die Oos. Man darf sich auf den Tenor Jonas Kaufmann (1. Februar) ebenso freuen wie auf den Countertenor Philippe Jaroussky (7. Februar). Bartoli soll überdies in Baden-Baden zum ersten Mal ihr neues Programm vorstellen (23. November 2019).

Gespickt mit Stars und Subideen

Wenn man eine neue Handschrift in der nun anbrechenden neuen Ära sucht, so findet sich diese in zweiter Ebene. „Das Programm ist gespickt mit Stars und Subideen“, sagt Stampa. Neben Auftritten der Altvorderen wie Simon Rattle, Herbert Blomstedt, Thomas Hengelbrock oder Valery Gergiev soll eine neue Generation von Dirigenten den Ton angeben. Petrenko gehört zu ihnen, aber auch Teodor Currentzis, Andris Nelsons, Yannik Nézet-Séguin, Lahav Shani und Mirga Grainyté-Tyla stehen am Pult bedeutender Orchester.
Die Festspiele möchte Stampa ausbauen und weiter profilieren. Zugleich will er diese und die Einzelkonzerte durch Programminseln ergänzen, die Wochenenden mit intensiven Klassikerlebnissen versprechen.

Teodor, der Heißsporn

Sicherlich nicht zuviel verspricht Stampa für die Insel im Herbst: Drei Tage und drei Programme mit Teodor Currentzis gibt es von 31. Oktober bis 3. November. „Wir lassen das Feuer sprühen mit Teodor, dem Heißsporn“, verspricht Stampa. Natürlich profitiert Baden-Baden von der Tatsache, dass sich Currentzis durch seine Funktion als Chef des SWR Symphonieorchesters verstärkt im deutschen Südwesten aufhält. Er präsentiert zwar nicht nur Neues, aber mit seinem Rameau-Programm eine zum Kult gewordene CD erstmals im Festspielhaus mit seinem Ensemble „musicAeterna“, außerdem das Mozart-Requiem und „Tristia“, ein neues Programm mit russisch-französischen Chor- und Sologesängen.

Mit gleich sechs Konzerten ist der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis prominent im neuen Baden-Badener Festspielprogramm vertreten. | Foto: Nadia Romanova

Futter für die Augen

Zudem soll es auch Futter für die Augen geben: Wenn Currentzis und das SWR Symphonieorchester die Requien von Gabriel Fauré (28. Mai) und von Giuseppe Verdi (31. Mai) interpretieren, gibt es dazu bewegte Bilder des Kunst-Film-Pioniers Jonas Mekas und des Medienkünstlers Mat Caollishaw.
Benedikt Stampa übernimmt die künstlerische Leitung des Festspielhauses zum 1. Juli. Bis dahin ist noch Andreas Mölich-Zebhauser im Amt, der das Haus seit 1998 leitet und ihm gemeinsam mit dem Geschäftsführer Michael Drautz zu internationalem Renommee verhalf. Für Drautz, der Ende November vergangenen Jahres mitteilte, sein Amt auf eigenen Wunsch aufgeben zu wollen, gibt es noch keinen Nachfolger.

Der Vorverkauf für die Saison 2019/2020 beginnt am 18. März. Kartentelefon (0 72 21) 3 01 31 01. Internet: www.festspielhaus.de