Wie ist die Luftqualität in der Stadt?? Rudolf-Karl Teichmann, Leiter des städtischen Fachgebiets Umwelt und Arbeitsschutz, erläutert die Funktionsweise der Messstation auf dem THW-Gelände unterhalb des „Tausendfüßlers“ (B 500). | Foto: Rudolphi

Baden-Baden startet Messreihen

Die Luft muss zum „TÜV“

Anzeige

Die Baden-Badener Luft muss zum „TÜV“: Mit diesem Bild lassen sich die Untersuchungen zur Luftqualität beschreiben, die das Rathaus Ende April startet. Ein Jahr lang laufen parallel zwei Messreihen, um zu prüfen, wie sauber oder belastet die Luft im Oostal ist. Zum einen geht es darum, das Prädikat „Heilbad“ weiter führen zu dürfen, zum anderen möchte die Stadt an der B 500, der am stärksten befahrenen Verkehrsader, Daten zum Zustand der Luftqualität erheben.

Die Zertifizierung als Heilbad schreibt Messungen vor

„Die beiden Messreihen haben nichts miteinander zu tun“, betont Bürgermeister Roland Kaiser bei einem Pressetermin. Das Prädikat „Heilbad“ schreibe im Turnus einer Dekade vor, die Luftqualität ein Jahr lang zu untersuchen und ein Gutachten vorzulegen, das der Deutsche Wetterdienst erstellt.

Vier Stationen ermitteln die Daten

Um die dafür erforderlichen Daten zu sammeln, hat die Stadt nach Auskunft von Rudolf-Karl Teichmann, dem Leiter des Fachgebiets Umwelt und Arbeitsschutz, an vier Stationen Messgeräte aufgestellt: bei der Klinik in Balg und in Geroldsau, um die Werte in den Außenbezirken zu ermitteln. Weitere Messstationen befinden sich an der Ecke Stephanien-/Sophienstraße und in der Rheinstraße beim früheren Forstamt. Sie dienen dazu, die Luftqualität an verkehrsbelasteten Stellen zu prüfen.

Die Untersuchung orientiert sich an Leitsubstanzen

Die einzelnen Stationen messen sogenannte Leitsubstanzen, die sich als Indikatoren für die Schadstoffbelastung der Luft bewährt haben. Teichmann zufolge sind das Stickstoffdioxid, Feinstaub und der darin enthaltene Ruß sowie Großstaub. Ziel sei es, die mittlere, charakteristische Belastung dieser Leitsubstanzen zu bestimmen. „Das heißt, wir ermittlen Wochenwerte und einen Jahresmittelwert“, erläutert der Fachgebietsleiter.

Der Deutsche Wetterdienst erstellt das Gutachten

Um an die Daten zu gelangen, entnehmen die städtischen Mitarbeiter jeweils freitags die Proben aus den Röhren der Messstationen und ziehen die auf einem Computer festgehaltenen Messwerte auf einen USB-Stick. Dieses Material geht dann zur Auswertung an den Deutschen Wetterdienst.

Kontrolle: Jens Scharper vom Fachgebiet Umwelt und Arbeitsschutz prüft die Computerdaten einer Messstation. | Foto: Rudolphi

Die Stadt prüft die Luftqualität entlang der B500

Die zweite Messreihe entlang der B 500 macht die Stadt freiwillig, wie Bürgermeister Kaiser betont. Grund seien Anfragen aus dem Gemeinderat und von Bürgern, die Auskunft über die Luftqualität an dieser Verkehrsader haben wollen. Teichmann zufolge befahren täglich mehr als 30 000 Autos jeweils stadtein- und stadtauswärts die B 500.

Bislang liegen nur Modellrechnungen vor

Auch am Zubringer ermitteln ein Jahr lang drei Stationen die Werte der Schadstoffbelastung: am Verfassungsplatz, in Höhe der Briegelackerstraße und auf dem THW-Gelände unterhalb des „Tausendfüßlers“. Die Stadt möchte mit diesen Messungen „Echtwerte“ erheben, um zu prüfen, ob diese mit den im Entwicklungsplan 2020 zugrunde gelegten Modellrechnungen übereinstimmen.

In Kur- und Erholungsorten kommt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes der Luftqualität eine ganz besondere Bedeutung zu. Denn sie trägt dazu bei, die Qualität der Kur sicherzustellen und den kurmedizinischen Erfolg zu unterstützen. Deshalb sind die vom Deutschen Heilbäderverband und dem Deutschen Tourismusverband festgelegten Qualitätsstandards strenger als die nach deutschem und europäischem Recht festgelegten Grenzwerte für die Luftqualität. Für den Nachweis einer sauberen Luft sind in regelmäßigen Abständen Luftqualitäts-Messungen erforderlich. Um das Prädikat Kur- und Erholungsort oder Heilbad zu führen, ist unter anderem ein amtlich anerkanntes Luftqualitäts-Gutachten vorzulegen, das einjährige Messungen der Luftqualität voraussetzt. Der Deutsche Wetterdienst erstellt dieses Gutachten im Auftrag der Stadt.

 

Weitere Infos gibt es beim Deutschen Wetterdienst.