Ein Trumpf bei der Bewerbung: Das Friedrichsbad spielt eine wesentliche Rolle im Welterbe-Antrag, den Baden-Baden in der kommenden Woche mit zehn weiteren europäischen Bäderstädten bei der Unesco in Paris stellen wird. | Foto: Carasana

Historisches Weltbad

Baden-Baden ist das Flaggschiff der Welterbe-Bewerbung

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Die Bewerbung steht, nun ist die Unesco am Zug. Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen wird am Dienstag nächster Woche nach Paris reisen, wo die Botschafter der beteiligten Staaten den Welterbe-Antrag „The Great Spas of Europe“ unterzeichnen und dann bei der Unesco einreichen werden.

Neben Baden-Baden stellen weitere zehn bedeutende Kurstädte des 19. Jahrhunderts aus sieben Ländern gemeinsam diesen transnationalen, seriellen Antrag: Bad Ems, Bad Kissingen, Baden bei Wien (Österreich), Spa (Belgien), Karlsbad, Franzenbad und Marienbad (Tschechien), Vichy (Frankreich), Montecatine Terme (Italien) und Bath (Großbritannien).

Sie alle sind außergewöhnliche Zeugnisse der europäischen Bädertradition, eines komplexen städtebaulichen, gesellschaftlichen und kulturellen Phänomens, dessen Wurzeln zum Teil bis in die Antike zurückreichen. Ihre Blütezeit erlebten diese Städte zwischen 1700 und den 1930er Jahren. Sie waren Vorreiter des modernen Tourismus und eine kulturelle Konkurrenz zu den großen Metropolen des 19. Jahrhunderts.

Die „Sommerhauptstadt Europas“

In diesem Kreis kommt Baden-Baden eine herausragende Rolle zu. Als „Sommerhauptstadt Europas“ lockte sie Künstler, Intellektuelle und Kulturschaffende an die Oos. Diese Glanzzeit setzte viele Impulse: Die klassischen Thermalbäder, Theater und Philharmonie wären ohne sie nicht denkbar. Aber auch das weltberühmte Kurhaus mit dem Spielcasino, die Trinkhalle und die Galopprennen in Iffezheim gehen auf jene Epoche zurück.

„Baden-Baden ist eines der bekanntesten historischen Weltbäder“, betont Katrin Schütz, Staatssekretärin im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium, bei der Präsentation des Welterbe-Antrags. Das Land unterstütze von Anfang an die Bewerbung der Stadt. Ziel der Regierung sei es, im Sommer 2020 mit der Kurstadt im Schwarzwald eine weitere baden-württembergische Stätte in die Welterbe-Familie aufzunehmen. Schütz ist davon überzeugt, dass sich das Unesco-Prädikat für Stadt und Land gleichermaßen auszahlen würde: Es belohnte einerseits die Arbeit der Landesdenkmalpflege, andererseits wäre Baden-Baden mit dieser Auszeichnung ein noch größerer Magnet für Touristen aus aller Welt.

13 Jahre Vorbereitung

Gut 13 Jahre hat es gedauert, die Bewerbung vorzubereiten und auf den Weg zu bringen. Die Initative ging 2006 vom Freundeskreis Lichtentaler Allee aus, der damals angeregt hatte, den Welterbe-Status für die berühmte Grünanlage zu beantragen. „Es waren die Bürger im Freundeskreis, die überzeugt waren, dass ihre Stadt über ein herausragendes Kapital verfügt“, sagt Hans-Peter Mengele, Vorsitzender des Freundeskreis. Dank wachsender Unterstützung habe diese Idee eine immer größere Zugkraft erhalten.

Baden-Baden gilt als Initiator und Motor der seriellen, transnationalen Bewerbung. „Wir sind überzeugt, dass es richtig war, Baden-Baden als Baden-Baden gilt als Initiator und Motor der seriellen, transnationalen Bewerbung. „Wir sind überzeugt, dass es richtig war, Baden-Baden als Flaggschiff zu nehmen“, bekräftigt Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, das das Verfahren fachlich begleitet und betreut. Bereits 2010 definierte die internationale Fachtagung „Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts“ an der Oos die Eckpunkte für einen künftigen Welterbe-Antrag und legte die Federführung dieses Prozesses in die Hände der Tschechischen Republik. Zum Hintergrund: Karlsbad ist eine von Baden-Badens Partnerstädten. Nachdem potenzielle Kandidaten evaluiert waren – zwischenzeitlich war die Zahl auf 16 gewachsen – entschloss sich 2016 eine Gruppe von elf Städten in sieben europäischen Ländern, einen gemeinsamen Antrag zu stellen.

Lange Vorbereitungszeit „bei solchen Projekten nicht ungewöhnlich“

Das erwies sich jedoch schwieriger als zunächst gedacht. Für die Bewerber begann ein langwieriger Prozess, um die Antragsunterlagen nach einheitlichen Vorgaben zu erarbeiten. Es galt unter anderem, Hunderte Entwürfe für Text-, Bild- und Kartenmaterial nach gemeinsamen Standards abzustimmen. „Eine Vorbereitungsphase von zehn Jahren ist bei solchen Projekten nicht ungewöhnlich“, versichert Wolf. Dass dieser Prozess nicht reibungslos verlief, zeigt sich beispielsweise daran, dass die elf Städte ihre bereits für Januar 2018 vorgesehene Bewerbung wegen fachlicher Vorbehalte zum damaligen Zustand der Unterlagen zurückziehen und um ein Jahr verschieben mussten.

Inzwischen liegt das Dossier vor. Es umfasst mehr als 1 400 Seiten und enthält neben Texten und Bildern umfangreiche Dokumentationen mit Kartenmaterial. Es beschreibt den heutigen Zustand der elf Bewerberstädte und deren Geschichte. Zudem begründet eine Argumentation, warum die Great Spas of Europe den von der Unesco geforderten „außergewöhnlichen universellen Wert“ besitzen. Weiter zeigt eine Vergleichsstudie die Besonderheiten und die Bedeutung der Gruppe im globalen und europäischen Vergleich auf.

Entscheidung frühestens im Sommer 2020

„Baden-Baden ist ein lebendiges Erbe, dass nicht verstaubt in einer Ecke liegt. Das ist der Unesco wichtig“, betont OB Margret Mergen. Ob sich ihre Kommune künftig mit dem Welterbe-Prädikat schmücken darf, wird sich frühestens im Sommer 2020 zeigen. Die Experten der Unesco werden die kommenden Monate nutzen, um alle Bewerberstädte gründlich unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, ob sie den strengen Vergabe-Kriterien genügen.