Kunstrasenplatz im Aumattstadion Baden-Baden
Frisch saniert: Vor eineinhalb Jahren hat die Stadt den früheren Hartplatz im Aumattstadion mit einem Kunstrasenbelag ausgestattet. Inzwischen ist eine lebhafte Diskussion um ein mögliches Verbot entbrannt. | Foto: Michael Rudolphi

Diskussion um EU-Verbot

Baden-Baden will weiter Kunstrasenplätze

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In Baden-Baden hat die Stadtverwaltung seit einigen Jahren zwei Kunstrasenplätze in Betrieb. Die aktuelle Diskussion um ein mögliches Verbot solcher Plätze durch die EU stiftet Verwirrung. Bei der Verwaltung sieht man das aber gelassen.

Markus Brunsing ist überzeugt: „Im Moment sehen wir keinen Handlungsbedarf.“ Der Technische Leiter des Fachgebiets Park und Garten bei der Stadt Baden-Baden hat dabei die aktuelle Diskussion um Kunstrasenplätze im Blick, von denen die Stadt einen im Aumattstadion und einen weiteren im Schulzentrum West angelegt hat.

Kunstrasenplätze sind derzeit in der Kritik, weil sie im Verdacht stehen, eine bedeutende Quelle für den Ausstoß von Mikroplastik zu sein. Der Fokus richtet sich dabei vor allem auf das Granulat, das auf diesen Plätzen ausgebracht ist. Das Granulat soll den Sockel zu schützen und die Kunststoffhalme aufrecht halten.

Die Kritiker machen geltend, dass Wind und Regen die Plastikteilchen in der Umwelt verteilen und die Spieler sie an den Sportschuhen und in ihrer Kleidung nach Hause tragen, sodass diese chemischen Substanzen in der Natur und am Ende in der Nahrungskette landen.

Kunstrasen liegt seit 2017 im Aumattstadion

Derzeit gibt es erhebliche Verwirrung um die Forderung nach einem europaweit geltenden Verbot für den Einsatz von Granulat auf Kunstrasenplätzen. Zudem steht im Raum, solche Plätze stillzulegen oder zu sanieren.

Die Stadt hat Ende 2017 den früheren Hartplatz im Aumattstadion mit Kunstrasen ausgestattet. Nach damaliger Auskunft des planenden Ingenieurs hat dieser Belag neben etwa 150 Tonnen Sand rund 40 Tonnen Plastik-Granulat erhalten, sodass die vier Zentimeter hohen Fasern nur 1,5 Zentimeter herausragen.

Bereits einige Jahre zuvor hat die Stadt den Sportplatz im Schulzentrum West in eine Kunstrasenfläche umgewandelt.

EU will Mikroplastik in der Umwelt verringern

Für Brunsing stellt sich die Frage einer Stilllegung oder Sanierung der städtischen Plätze nicht, weil die Rechtslage eindeutig sei. Der Fachgebietsleiter verweist auf die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, die am 23. Juli folgende Mitteilung verbreitet hat: „Die Europäische Kommission plant kein Verbot von Kunstrasenplätzen und arbeitet auch nicht an einem solchen Vorschlag.“

Richtig sei vielmehr, dass die EU im Zuge ihrer „Kunststoffstrategie“ prüfe, wie die Menge an umweltschädlichem Mikroplastik in der Umwelt sich verringern lasse. Die Europäische Chemikalienagentur untersuche derzeit, wie eine mögliche Beschränkung von Mikroplastik-Granulat sich auswirken werde. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2020 vorliegen.

Die EU werde dann auf dieser Basis das weitere Vorgehen, das heißt auch etwaige Verbote von Kunstrasenplätzen, prüfen. Die Kommission stellt jedoch klar, dass es in diesem Fall Übergangsfristen geben werde, um den Akteuren Zeit zu geben, neue Vorgaben umzusetzen.

Stadt hat sich gegen ein günstiges Material entschieden

„Wir werden die weitere Entwicklung natürlich aufmerksam verfolgen“, bekräftigt Brunsing. Er beteuert, bei der damaligen Entscheidung für die beiden städtischen Kunstrasenplätze sei die aktuelle Diskussion um mögliche Gefahren des Granulats noch nicht bekannt gewesen.

Die Stadt habe sich jedoch bewusst gegen ein Material aus Altreifen und für ein höherwertiges EPDM-Granulat entschieden. Auch ein Kork-Granulat sei eine mögliche Option gewesen. Es sei aber nicht zum Zuge gekommen, weil für dieses Material noch keine Langzeiterfahrungen vorlägen.