Verleger aus Leidenschaft und Buchbindermeister der alten Schule: Roland Klöpfer mit den Originalbänden aus dem Jahr 1906 und den beiden neuen Büchern.
Verleger aus Leidenschaft und Buchbindermeister der alten Schule: Roland Klöpfer mit den Originalbänden aus dem Jahr 1906 und den beiden neuen Büchern. | Foto: Bernd Kamleitner

Roland Klöpfer

Baden-Badener legt Kochbücher der Großherzogin Luise Haushaltungs-Schule von 1906 neu auf

Anzeige

Roland Klöpfer zuzuhören, das ist immer unterhaltsam. Der gut gelaunte Zeitgenosse ist ein geborener Erzähler. Der Mann aus Hatzenweier, einem Ortsteil des rund 20 Kilometer von Baden-Baden entfernten Ottersweier, ist zudem einer, der die Bezeichnung Macher verdient und zugleich verkörpert: Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt er Worten Taten folgen.

So kommt bei dem gelernten Buchbindermeister der alten Schule und Kleinverleger die Verbindung in die Bäderstadt ins Spiel. In seinem auf Kleinauflagen spezialisierten Regionalverlag sind zwei Bände mit Rezepten der einst nach der badischen Großherzogin Luise benannten Haushaltungs-Schule aus dem Jahr 1906 erschienen.

Auch interessant: Konny Joaquim kocht im „Carpe Diem“: „Sterneküche? Das kann ich auch“

Zur Zeit der Großherzogin war Kochen noch reine Frauensache

An einem wie Klöpfer hätte die Großherzogin (1838-1923) wohl große Freude gehabt. Zur ihrer Zeit war das Kochen noch reine Frauensache und damalige Kochbücher galten als Bestseller. Auf die Initiative der Monarchin gründete sich im Jahr 1859 in Karlsruhe der erste badische Frauenverein und der wurde federführend bei Kursen und Schulungen in der Hauswirtschaft.

Eine Fundgrube für jeden, der gerne kocht: Kochbücher der Großherzogin Luise Haushaltungs-Schule in Baden-Baden aus dem Jahr 1906-
Eine Fundgrube für jeden, der gerne kocht: Kochbücher der Großherzogin Luise Haushaltungs-Schule in Baden-Baden aus dem Jahr 1906- | Foto: Bernd Kamleitner

Wenn es ums Kochen ging, so die vorherrschende Meinung, konnten fundierte Kenntnisse für Frauen nur von Vorteil sein. Braucht man aber solche Rezepte über 100 Jahre später noch, wo doch im Internet-Zeitalter jeder, der Kochanregungen sucht, über Suchmaschinen im Netz unzählige Treffer findet? Klöpfer beantwort diese Frage mit einem spontanen und überzeugend klingenden „Ja!“

Das sind tolle Rezepte

Verleger Roland Klöpfer

Seine Frau, erzählt der quirlige Kleinverleger, habe schon Speisen nachgekocht. Das Fazit im Hause Klöpfer zu den einst von Edith Lauerdin (Diedelsheim/Bretten) niedergeschriebenen Kochinstruktionen: „Das sind tolle Rezepte!“

Auch interessant: Offenbar kein Zusammenhang zwischen Volkmarsen und Umzugsabsage in Baden-Baden

Rezepte für Gesellschaften und feierliche Anlässe

Wer sich auf das Kochabenteuer einlässt, darf sich auch ein wenig wie früher im Schloss auf dem Florentinerberg in Baden-Baden fühlen. Die Rezepte wurden für große Gesellschaften und feierliche Anlässe festgehalten und geben auch Aufschluss über den Speiseplan der großherzoglichen Familie und ihrem Gefolge.

Blick in einen Originalband des Kochbuchs der Großherzogin Luise Haushaltungs-Schule in Baden-Baden aus dem Jahr 1906.
Blick in einen Originalband des Kochbuchs der Großherzogin Luise Haushaltungs-Schule in Baden-Baden aus dem Jahr 1906. | Foto: Bernd Kamleitner

Krebssuppe, Karpfen mit Rotwein, Rehrücken, Kaiserschmarren, Türkische Crème, Schokoladenmuscheln, Punschtorte – die Buchlektüre wirkt durchaus appetitanregend. Erstaunlich ist vor allem die Vielfalt.

Etwas umdenken müssen die Nachkocher aber schon, denn aufs Feuer muss keiner mehr einen Topf setzen. Damals, klärt Klöpfer auf, wurde dagegen noch mit dem Kohleofen gebacken, gekocht oder gebraten. Aus seinen Leibspeisen macht der Mann übrigens auch kein Geheimnis: Sauerbraten und Wurstsalat.

Auch interessant: Der stille Bisons-Anführer: Bühler Kapitän Alpár Szabó vor Spiel seinen Ex-Club Herrsching

Produziert werden die Bücher auf alten Maschinen

Edel wirken schon die Buchdeckel der beiden Nachdrucke mit goldener Schrift. Wer die Bände in der Hand hält, spürt, dass Klöpfer seine Arbeit mit Leidenschaft ausübt. Dabei ist er stolz auf alte Maschinen, die immer noch zuverlässig ihren Dienst verrichten. Sorgen, dass Elektronikbauteile ihren Geist aufgibt, hat er nicht: Es gibt keine!

Originale auf Flohmarkt entdeckt

Fast wäre dieses Projekt aber gar nicht zustande gekommen. Ein Bekannter von Klöpfer aus Karlsruhe hatte vor Jahren die zwei Originalbände auf einem Flohmarkt entdeckt – und für die Nachwelt gerettet. Zunächst schlummerten die Bände jedoch im Abseits, bis sie von dessen Nachkommen schließlich wiederentdeckt wurden.

Auch interessant: Leichtes Kochen, leckere Ergebnisse: Brettener präsentiert sein Gemüsekochbuch

Der Verleger ist „auf Erhalt getrimmt“

Ein früheres Versprechen von Klöpfer, die guten Stücke neu zu verlegen, war allerdings nicht aufgehoben. So nahm das Buchprojekt seinen Lauf und Klöpfer kann wieder einmal alte Handwerkskunst unter Beweis stellen. „Ich bin auf Erhalt getrimmt“, sagt der Badener aus Überzeugung über seine Philosophie. Ein guter Freund, Manfred Mägerle aus Sasbach-Obersasbach, hat die alte Schrift der guten Lesbarkeit wegen in die heutige umgesetzt.

Klöpfer legte auch Kochbuch von Rudolf Katzenberger neu auf

Bereits im Jahr 2003 hat Klöpfer Rudolf Katzenbergers „Feine deutsche Küche“ neu verlegt. Der Band mit den besten Menüs und Rezepten des legendären Rastatter Adlerwirts ist nach wie vor erhältlich. Katzenberger? Der Koch (1912-1999) war einer der Wegbereiter der gehobenen Küche in Deutschland.

Katzenbergers Adler war Adresse für Gourmets

Manche werden sich erinnern: „Katzenbergers Adler“ in Rastatt war einst in der Gourmetszene ein Begriff und schon bei der Einführung der Restaurantbewertung im Jahr 1966 mit einem der berühmten Michelin-Sterne dekoriert. Auch Fernsehkoch Vincent Klink ging bei Katzenberger in die Schule. Nach 170 Jahren in Familienbesitz war das Gasthaus im Jahr 1994 verkauft worden. Es wird inzwischen als Hotel-Restaurant Da Franco in Rastatt geführt.

Verlosung: Wir verlosen Band 1 (unter anderem mit Rezepten für Backwerk, Torten, Crémes und Fleischspeisen, 150 Seiten) und Band 2 (mit Menüs für 30 Personen, 135 Seiten) im Paket. Wenn Sie gewinnen wollen, schreiben Sie einfach eine Mail mit dem Stichwort „Großherzogin“ und Ihrer Adresse und Telefonnummer an redaktion.badenbaden@bnn.de. Einsendeschluss ist am Sonntag, 1. März. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Die Bücher sind für je 20 Euro auch unter www.buch-kloepfer.de erhältlich.