Ein Cyberwesen trifft auf die reale Welt: Einige Szenen ihres aktuellen Filmprojekts hat die Baldreit-Stipendiatin Charlotte Eifler in den Baden-Badener Rosengärten gedreht. | Foto: Eifler

Baldreit-Stipendium

Baden-Badener Rosengärten inspirieren die Medien-Künstlerin Charlotte Eifler

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Die Rosen in der Gönneranlage und im Neuheitengarten auf dem Beutig haben es Charlotte Eifler richtig angetan. So sehr, dass sie Eingang in ein Filmprojekt finden werden, an dem die Künstlerin während ihres Aufenthalts in Baden-Baden gearbeitet hat.

Die Stadt weckt viele Assoziationen

„Das war ursprünglich gar nicht geplant“, verrät die Medien-Künstlerin zum Abschluss ihres Baldreit-Stipendiats, das sie zwei Mal für jeweils drei Monate in die Bäderstadt geführt hat. Neben vielen weiteren Eindrücken von Baden-Baden hätten vor allen die Rosen bei ihr jede Menge Assoziationen geweckt, sodass sie diese unbedingt in ihrem Werk habe verarbeiten müssen.

Das Projekt befasst sich mit Repräsentationskritik

Dabei hat der Film zunächst mal gar nichts mit Baden-Baden zu tun. Eiflers Projekt beschäftigt sich mit Repräsentationskritik und Zukunftsvisionen. „Nach 30 Jahren Internet ist es Zeit zu rekapitulieren. Vor allem drängt sich die Frage auf: Was machen wir damit?“, erläutert die Künstlerin.

Medien-Künstlerin: Charlotte Eifler arbeitet im Atelier der Baldreit-Wohnung. | Foto: Eifler

Der Film zeichnet Porträts von 15 bis 20 Frauen

Sie greift dieses Thema in zwei Erzählsträngen auf. Zum einen geht es um Porträts von 15 bis 20 Frauen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren, die sich im Internet zu einem feministischen Netzwerk zusammengeschlossen haben. „Ich wollte diese beeindruckenden Persönlichkeiten dokumentieren, da ihre Erfahrungen für jüngere Generationen wichtig sind“, skizziert Charlotte Eifler ihre Motivation. Die Aufnahmen sind weltweit an den jeweiligen Orten entstanden, an denen diese Frauen leben.

Ein Cyberwesen bewegt sich zwischen den Welten

Der zweite Erzählstrang des Film dreht sich um eine fiktive Figur – ein Cyberwesen im Internet, das die Frage umtreibt, wer die Menschen sind, die es geschaffen haben. „Es sucht gleichsam seine Mutter“, betont Eifler. Diese Figur bewege sich gleichermaßen in der realen und virtuellen Welt, die für sie nicht getrennt seien.

Aufnahme im Green Screen: Charlotte Eifler nutzt für ihr Filmprojekt moderne Techniken. | Foto: Eifler

 

Der Rosengarten ist ein Drehort

An diesem Punkt kommen die Rosen ins Spiel. Eifler hat die Baden-Badener Gärten zum Teil als Drehorte ausgewählt. Im ihrem Film ist die Cyberfigur nicht animiert, sondern eine Frau stellt sie dar. „Der Cyberspace, in dem diese Figur lebt, ist der Rosengarten. Er steht für so etwas wie ein ambivalentes Paradies“, beschreibt die Medien-Künstlerin ihre Idee. Die Rosen seien Symbole für Erschaffung und Züchtung und damit ein perfektes Medium, um den elementaren Fragen des Cyberwesens einen Ausdruck zu verschaffen.
Eifler, die ihren Lebensmittelpunkt in Leipzig hat und die vor dem Antritt des Baldreit-Stipendiums Baden-Baden gar nicht gekannt hatte, hat sich während ihres Aufenthalts von weiteren Orten der Stadt an der Oos inspirieren lassen.

Becken im Friedrichsbad wird zum Daten-Pool

Die Szene, in der das Cyberwesen in einen Datenpool eintaucht, hat sie in einem Becken des Friedrichsbads gedreht und nachträglich animiert. Aber auch der Sportplatz der Vincenti-Grundschule und bestimmte Orte im Kurpark fließen in den Film ein.

Wasserbecken wird zum Daten-Pool: Auch das Friedrichsbad wird zum Drehort. | Foto: Eifler

Die nächste Station ist New York

„Das Projekt hat sich während meiner Zeit in Baden-Baden deutlich gewandelt“, resümiert die Künstlerin. Sie habe hier sehr gut gearbeitet und viel Unterstützung, vor allem durch das städtische Kulturbüro, erfahren.
Der Film ist während der Baden-Badener Arbeitsphase allerdings nicht fertig geworden. Charlotte Eifler nimmt das Projekt nun mit zu ihrer nächsten künstlerischen Station: New York. Sie rechnet damit, das Werk im Sommer 2020 abzuschließen.

Die Baldreit-Stipendiatin Charlotte Eifler gewährt am Freitag, 17. Mai, um 19 Uhr in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden Einblick in ihre Arbeit und präsentiert Ausschnitte aus ihrem Filmprojekt.