Erste Bilanz nach 100 Tagen: Baden-Badens neuer Bürgermeister Roland Kaiser (rechts) stellt sich beim BNN-Redaktionsbesuch den Fragen von Michael Rudolphi.
Erste Bilanz nach 100 Tagen: Baden-Badens neuer Bürgermeister Roland Kaiser (rechts) stellt sich beim BNN-Redaktionsbesuch den Fragen von Michael Rudolphi. | Foto: Collet

Bürgermeister in Baden-Baden

Trainerlizenz hilft Roland Kaiser bei Führungsaufgaben

Eine erste Bilanz nach 100 Tagen? „Das hat durchaus seine Berechtigung“, meint Roland Kaiser. „Das ist eine gute Gelegenheit, um sich darüber klar zu werden: Wo stehe ich?“, erläutert der Bürgermeister. Am 1. Dezember hat Kaiser als Nachfolger von Michael Geggus in der Stadtverwaltung die Leitung des Dezernats 3 übernommen und ist seither verantwortlich für Bildung und Soziales sowie für Ordnung und Sicherheit.

Der Dezernent zieht 100-Tage-Bilanz bei BNN-Redaktionsbesuch

Beim Besuch der BNN-Lokalredaktion Baden-Baden äußert sich der Dezernent dazu, wie er sich in sein neues Amt eingearbeitet hat, welche Themen ihn beschäftigen, was er in seiner achtjährigen Amtszeit anstoßen und umsetzen möchte.

Kaiser setzt auf das persönliche Gespräch

„Der Beginn Anfang Dezember war für mich eine ideale Startzeit“, sagt Kaiser. Die Vorweihnachtszeit mit zahlreichen Feiern und dann die Neujahrsempfänge seien bestens geeignet gewesen, um Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Das ist für ihn besonders wichtig. „Ich möchte meinen Mitarbeitern, den Bürgern und unseren Partnern möglichst im persönlichen Gespräch begegnen“, gibt Kaiser, den der Gemeinderat auf Vorschlag der Grünen-Fraktion einstimmig zum neuen Bürgermeister gewählt hat, als seine Devise aus.

Der Bürgermeister besitzt den Trainerschein mit B-Lizenz

Im Miteinander setzt der Dezernent vor allem auf Teamarbeit. „Da profitiere ich von meinen Erfahrungen als Fußball-Trainer“, bekräftigt er. Übrigens: Die Lehrgänge für den Trainerschein mit der B-Lizenz hat der Schwabe, der vor seiner neuen Aufgabe im Rathaus beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg das Landesjugendamt geleitet hatte, an der Südbadischen Sportschule in Steinbach absolviert. Baden-Baden sei ihm deshalb nicht ganz unvertraut gewesen.

Es ging gleich von Anfang an in die Vollen

„Es ging gleich von Anfang an in die Vollen – und zwar bereits vor meinem Amtsantritt“, räumt Kaiser ein. Es habe ihn viel Zeit und Arbeit gekostet, sich mit den wichtigsten Themen der Bäderstadt vertraut zu machen und sich auf seine Bewerbung vorzubereiten. Die Einarbeitungsphase sei aber noch nicht beendet. „Jetzt ist es aber wesentlich einfacher für mich, weil ich nun meine Fachbereichsleiter und Sachbearbeiter fragen kann“, erläutert er.

Die offene Art kommt an

Kaiser legt Wert darauf, sich möglichst selbst ein Bild von einer Sache zu machen. Und diese kommunikative Art kommt offenbar an: „Ich fühle mich überall mit offenen Armen empfangen.“ Bei allem Teamgeist seien in der Verwaltungsarbeit dennoch klare Aufgabenverteilungen und Zuordnungen erforderlich. „Aber mit Strukturen, die jeder versteht“, unterstreicht der Bürgermeister.

Der 52-Jährige sieht sich vor allem als „Übersetzer“

Der Wechsel in die neue Stelle bedeutet für Kaiser vorrangig Einarbeiten im „Doing“. Als Beispiel nennt er etwa das Ordnungsrecht, in dem er sich noch nicht so gut auskenne. Mit den Grundkonstellationen einer Verwaltung sei er durchaus vertraut. „Aber jetzt habe ich die Verantwortung“, betont er. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sieht er darin, Impulse zu geben und zu „übersetzen“ – in den Gemeinderat, zu den Bürgern den städtischen Kooperationspartner wie etwa den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege. „Bis jetzt kommt das gut an“, bilanziert er.

Schule und Kitas sind Leib- und Magenthemen

Bei Schulen und Kitas Akzente zu setzen – das ist für Kaiser fast selbstverständlich. „Das sind natürlich meine Leib- und Magenthemen“, versichert er mit Blick auf seine bisherige Tätigkeit im Landesjugendamt. Bei den Kita-Plätzen habe die Stadt die gesetzlichen Vorgaben zu 100 Prozent erfüllt, auch wenn nicht alle Eltern den Wunsch-Platz für ihr Kind erhielten. Zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen, habe er weiter auf der Agenda. Kaiser zufolge wollen die AWO und das Pädagogium jeweils einen Natur-Kindergarten einrichten.

Die Stadt muss Ganztagesangebote an den Schulen ausbauen

Kaiser plädiert dafür, nicht nur im Kindergarten, sondern auch in der Schule Ganztagesangebote vorzuhalten. „Dafür müssen wir geeignete Räume schaffen“, sieht der 52-Jährige die Stadt als Schulträger in der Pflicht. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit werde er keinen Vorstoß für eine Gemeinschaftsschule machen, obwohl er von deren pädagogischem Konzept überzeugt sei.

Das Schulzentrum West hat Priorität

Er sei jedoch nicht ideologisch fixiert, ihm gehe es darum, pragmatische Lösungen zu finden. Grundsätzlich gehe es ihm darum, den Bedarf bei der weiteren Schulentwicklung abzusehen. Priorität habe jetzt die auf sechs bis acht Jahre angelegte umfassende Sanierung des Schulzentrums West.

Bei Flüchtlingsunterkünften herrscht Überkapazität

Da die Situation der Flüchtlinge sich deutlich entspannt habe, muss die Stadt Kaiser zufolge jetzt darangehen, die Überkapazität bei den Unterkünften abzubauen. Der Bürgermeister hat dabei sowohl die Plätze für unbegleitete Jugendliche als auch die Container am Waldseeplatz im Blick, von denen einige ohnehin reparaturbedürftig seien. Dennoch: Die Stadt dürfe in der Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern nicht nachlassen, um die Flüchtlinge zu integrieren. „Da ist Baden-Baden aber in einer hervorragenden Situation“, verbreitet Kaiser Zuversicht.

Ein wichtiges Augenmerk gilt dem Seniorenplan

Angesichts der demografischen Entwicklung möchte der Bürgermeister das Augenmerk verstärkt darauf lenken, den Seniorenplan weiterzuentwickeln. „Wir werden künftig mehr Plätze in Senioren- und Pflegeheimen brauchen“, ist er überzeugt. Dass diese Einrichtungen eher an der Peripherie zur Innenstadt entstehen, ist für Kaiser eher zweitrangig. „Entscheidend ist, dass sie überhaupt in Baden-Baden bleiben und dass sie auch Plätze im preisgünstigen Segment bieten“, betont der Bürgermeister.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Stadt Baden-Baden.