Premiere der besonderen Art: Baden Racing startet mit Geisterrennen in die Saison. Anders als auf diesem Bild tragen die Jockeys dann Schutzmasken. | Foto: PR

Frühjahrsmeeting und Corona

Baden Racing in Iffezheim rüstet sich für Pferderennen der gespenstischen Art

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Vor zehn Jahren fiel das Frühjahrsmeeting aus. Und im Jahr seines kleinen Jubiläums startet Rennveranstalter Baden Racing, der vor zehn Jahren die Galopprennbahn Iffezheim übernahm und seit der Großen Woche 2010 dort Regie führt, mit „Geisterrennen“ in die neue Saison.

Corona-bedingt geht das „Meeting“ am Samstag und Sonntag, 23. und 24. Mai, in verkürzter, ungewöhnlicher, nie dagewesener und vermutlich auch ziemlich gespenstischer Art und Weise über die Bühne. Wie Rennveranstalter Baden Racing mitteilt, hat das für den Sport zuständige baden-württembergische Kultusministerium jetzt endgültig „Grünes Licht“ gegeben für Rennen ohne Zuschauer unter strengen Hygieneauflagen.

An den beiden komprimierten Renntagen werden jeweils zwölf Rennen gelaufen. Unter den 24 „Geisterrennen“, die mit insgesamt 230.000 Euro dotiert sind, befinden sich mit der Badener Meile und der Silbernen Peitsche am Samstag sowie dem Großen Preis der Badischen Wirtschaft und dem Derby Trial am Sonntag vier der züchterisch, sportlich und finanziell besonders wertvolle Gruppe II- und Gruppe III-Prüfungen.

251 Pferde kommen an beiden Tagen an den Ablauf. Erster Start ist jeweils um 13 Uhr.

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Rennen können online per Livestream verfolgt werden

Die Galopper anfeuern, mit ihnen mitfiebern und auf sie wetten können die Galoppsportfans allerdings nur zu Hause vor dem Bildschirm. Die „Geisterrennen“ sind offiziell nicht als Rennen, sondern als „Leistungsprüfungen ohne Zuschauer“ nach den Vorgaben des Tierzuchtgesetzes deklariert.

Sie können unter dem Motto „Galopp Daheim“ online per Livestream kostenlos verfolgt werden – und zwar entweder bei den Wettportalen, der Website von Baden Racing oder auf dem Online-Angebot des Kölner Dachverbands Deutscher Galopp.

Leeres Hippodrom im Morgenlicht: Nicht sehr viel voller wird die Iffezheimer Rennbahn bei den Geisterrennen am Wochenende. | Foto: Kraft

 

Nachdem der Verband am 8. April seine vorläufige Renntags-Planung für den Zeitraum vom 1. Mail bis 15. Juni samt Hygiene- und Abstandskonzept vorgelegt hatte, reichte Baden Racing am 27. April das für die eigene Bahn adaptierte Konzept ein, wie Baden-Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister berichtet.

Den sportlichen Auftakt vor leeren Rängen machte am 7. Mai, nach einer Mitte März verordneten Corona-Zwangspause, die Rennbahn in Hannover. Die Erlaubnis für Profisportveranstaltungen in Baden-Württemberg kam am 15. Mai.

Für den gesamten Galopprennsport ist es existenziell, dass Rennen gelaufen werden können.

Bürgermeister Christian Schmid

Iffezheims Bürgermeister Christian Schmid freut sich für Baden Racing, dass durch die in der vergangenen Woche erlassene „Corona-Verordnung Sportwettkämpfe“ die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen wurden. „Für den gesamten Galopprennsport ist es existenziell, dass Rennen gelaufen werden können.“ Die vergangenen Renntage in Hannover, Hoppegarten, Düsseldorf, München oder auch Köln hätten gezeigt, dass es bei konsequenter Umsetzung möglich ist, die Vorschriften einzuhalten, so Schmid.

Jutta Hofmeister erklärt: „Wir sind bereit und auf alles vorbereitet. Alle Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen. Wir freuen uns, einen wichtigen Beitrag für den Fortbestand des Galoppsports in Deutschland leisten zu können. Aber für uns wird das ein finanzieller Kraftakt.“

Bei den Rennen müssen Zuchtleistungen ermittelt werden

Die Renntage würden vor allem deshalb veranstaltet, weil durch die Leistungsprüfungen im Sinne der Vollblutzucht, „die in einem bestimmten Alter der Tiere stattfinden müssen“, Zuchtleistungen ermittelt werden, die für die Züchter wichtig sind.

Abgesehen davon gebe es wieder Verdienstmöglichkeiten für alle, die von diesem Sport leben – vom Jockey über den Trainer bis zum Stallpersonal. Insofern seien die Rennen für den Galoppsport schlichtweg notwendig, „auch wenn die Renntage für uns defizitär werden könnten“, wie die Geschäftsführerin sagt.

Baden Racing hofft bei den Außenwetten auf regen Umsatz

„2020 haben wir noch gar nichts verdient, weil es bei uns auch noch keine Drittveranstaltungen gab. Und jetzt fehlen uns die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Bahnwetten. Sponsoren haben wir so gut wie keine. Die sind ja gerade selber am Kämpfen. Einige werden wir sicher verlieren“, sagt Hofmeister, die auf die Unterstützung durch die Region, die Partner und alle Galoppsportfans setzt.

Vor allem hofft sie auf einen regen Wettumsatz – und weist darauf hin, dass Wettvermittler wie Wettstar, RaceBets und Pferdewetten auf ihre Provision verzichten und in den Totalisator des Veranstalters vermitteln. „Das ist eine große Hilfe“, so Hofmeister.

An beiden Tagen werden je zwei Viererwetten mit einer garantierten Gewinnausschüttung von je 10.000 Euro ausgespielt. Als „wichtige Finanzspritze in schwierigen Zeiten und tollen Ausdruck der Verbundenheit mit der Rennbahn“, bezeichnet sie die Aktion „Rasenpatenschaft“ mit der die Pferdesportfreunde für 49 Euro dazu beitragen können, dass der Veranstalter vielleicht „mit einem blauen Auge davonkommt“, wie es die Geschäftsführerin formulier.

 

Die Frühjahrsauktion der Baden-Badener Auktionsgesellschaft (BBAG), die für Freitag, 22. Mai, geplant war, fällt aus. | Foto: Kraft

BBAG-Frühjahrsauktion soll nachgeholt werden

Die Frühjahrsauktion der Baden-Badener Auktionsgesellschaft (BBAG), die für Freitag, 22. Mai, geplant war, fällt aus und soll laut BBAG-Management „je nach Entwicklung der Corona-Situation zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden“.

Die Große Woche wird laut Jutta Hofmeister voraussichtlich in den September verschoben, „um das bis zum 31. August bestehende Verbot von Großveranstaltungen und Versammlungen zu umgehen“, wie sie sagt.

Strenge Auflagen als Corona-Schutzmaßnahme

Zuschauer, Besitzer, Züchter und Amateurrennreiter dürfen am kommenden Wochenende nicht auf die Rennbahn. Zutritt haben nur rund 70 Personen, die für den Rennbetrieb zwingend notwendig sind. Das sind Profi-Rennreiter, Trainer, Pferdeführer, Starterteam, Stempler, Techniker, Sanitäter, (Tier-)Ärzte, Kameraleute und alle Offiziellen. Aufenthaltszeiten sind auf das Nötigste zu reduzieren. Es gelten die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln.

Jede anwesende Person muss nach erfolgreicher Akkreditierung und Zugangskontrolle auf dem in sechs Sektoren aufgeteilten Gelände permanent einen Mund- und Nasenschutz tragen. Dasselbe gilt auch für die Jockeys während der Rennen.

Zum Umkleiden werden die Reiter großflächig in verschiedene Bereiche verteilt. Auf Siegerehrungen mit Pathos und Hymne wird verzichtet. Das Wettstar-Wettbüro auf dem Rennplatz bleibt geschlossen. Das Wettbüro in der Gaststätte „Zum Turfkönig“ ist geöffnet.

Renntage für Kiebitze nicht attraktiv

Für Zaungäste sind die Renntage nach Aussage von Bürgermeister Christian Schmid nicht attraktiv. „Denn es wird keinerlei Lautsprecherdurchsagen geben und quasi nichts zu sehen sein. Außerdem werden wir, um Menschenansammlungen zu verhindern, den Kapellenberg sperren lassen.“

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Die Polizei sei da und werde notfalls eingreifen. „Wir alle werden streng von den Behörden beobachtet“, appelliert Schmid an alle, der Rennbahn fern zu bleiben. „Wenn es 2020 noch weitere Renntage geben soll, muss das Konzept funktionieren. Beanstandungen seitens der Behörden wären fatal.“

Vereinen entfallen Einnahmen aus der Bewirtschaftung

Ein Schlag ins Kontor ist das Geistermeeting für die örtlichen Vereine – in diesem Fall für den Kleintierzuchtverein und den Tischtennisclub, die während des Frühjahrsmeetings gemeinsam die Freilufthalle bewirtschaftet hätten.

„Da fehlen uns jetzt einige tausend Euro, die in unsere Vereinskassen geflossen wären und auf die wir durchaus angewiesen sind“, berichtet der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins, Michael Bosler, auch im Namen seines Vorstandskollegen vom Tischtennisclub, Rolf-Dieter Merkel.