Heimat ist eines der zentralen Themen des Wahl-Baden-Badeners und „Badenbloggers“ Peter Ruhr. | Foto: Georg Keller

Peter Ruhr erfolgreich im Netz

„Badenblogger“ schreibt über Rhein, Reben und Schwarzwald

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Von Georg Keller

In der Freiburger Studentenkneipe „Litfaß“ organisierte er einst die Veranstaltungsreihe „Fröhliche Wissenschaft“ – launige Professoren-Vorlesungen beim Feierabend-Bier. Als SWR-Redaktionsleiter Fernsehen und Unterhaltung verantwortete er viele Jahre Sendungen wie „Fröhlicher Alltag“: Im Ruhestand schreibt der promovierte Musikwissenschaftler Peter Ruhr als „Badenblogger“ über seine Heimat zwischen Rhein, Reben und Schwarzwald. Rund 200 000 Leser hat der Internet-Blog.

SWR-Journalist und Musikliebhaber

Der gebürtige Oberkircher (Jahrgang 1950) studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Musikwissenschaft. Eigentlich wollte der Hobby-Boogie-Pianist über Blues-Musik promovieren, sein Professor Hans Heinrich Eggebrecht (Ruhr: „Ein guter Typ“) brachte ihn jedoch auf das Thema Blasmusik. Trotz erfolgreicher Dissertation war für Ruhr immer klar, dass sein beruflicher Weg in den Journalismus führt. „Ich bin kein Wissenschaftler“.

Nach Anfängen beim SWR Hörfunk in Freiburg wechselte Peter Ruhr 1983 ins Stammhaus nach Baden-Baden. Als Redaktionsleiter betreute er unter anderem Musikunterhaltungssendungen wie „Fröhlicher Alltag“, „Wunschbox“ oder „Immer wieder Sonntags“ – mit Moderator Heinz Siebeneicher und „Sidekick“ Hansy Vogt alias „Frau Wäber“, die schrille Schwarzwälderin. „Das war meine Idee“, so Peter Ruhr über die erfolgreiche Kunstfigur. Nach seiner Pensionierung wohnt er weiterhin mitten in der Kurstadt, auch wenn er die bunte Freiburger Kneipenvielfalt mitunter vermisst.

Fernsehmacher und streitbarer Schreiber

„Ich habe immer auch geschrieben“, betont der ehemalige Fernsehmacher. Nicht immer zur Freude seines früheren Arbeitgebers: So führte ein polemischer Artikel des überzeugten Agnostikers Ruhr in der Süddeutschen Zeitung über Predigten katholischer und evangelischer Priester im Radioprogramm von S4 Baden-Württemberg (Überschrift: „Wenn die Wellen Weihrauch tragen“) zu Zwist zwischen den Hörfunkdirektoren von Süddeutschem Rundfunk (SDR) und Südwestfunk (SWF). Letzterer lehnte eine aus Stuttgart geforderte Abmahnung für Peter Ruhr damals energisch ab.

Von der Glosse zum Heimat-Blog

Ruhr gehört nicht der Generation der „Digital Natives“ an, die mit dem Internet und Blogs aufgewachsen ist. Nachdem aber seine Glosse über die in Baden-Baden in großer Zahl anzutreffenden Porsche Cayenne-Mütter, die im 300 PS starken Zwei-Tonnen-SUV ihre Sprösslinge zum Kindergarten kutschieren, damit diese keinen Schritt zu viel zurücklegen müssen, zum Zerwürfnis mit seinem damaligen Auftraggeber führte, startete er mit seinem unabhängigen Blog. Peter Ruhr schätzt dieses Spielfeld, auf dem er sich ausleben kann, die Freiheit, sich Themen zu suchen und kritisch zu hinterfragen. „Grundsätzlich fehlt es an harten Kommentaren“, ist der Wahl-Baden-Badener überzeugt. „Ich will nicht stromlinienförmig schreiben.“ Stattdessen erfreut sich der Musikwissenschaftler an gelungenen Formulierungen und Wortspielen.

Peter Ruhr begleitet Menschen aus der Region

Auf seinem Blog www.badenblogger.de begleitet Ruhr Menschen aus der Region über einen Tag hinweg; politische Mandatsträger, Unternehmerpersönlichkeiten, aber auch Unikate. Zuletzt widmete er sich in einer dreiteiligen Serie dem Thema „Heimat und Volksleben“. Überhaupt ist Heimat eines seiner zentralen Themen: „Heimat ist der Lebensraum, in den man sich reinlegen kann“, so Peter Ruhr, der seinen Oberkircher Dialekt nie abgelegt hat.

Mitunter blickt er auch über den Rhein in die Pfalz, hinzu kommen Alltagsgeschichten. Oder Reportagen über das Oldtimer-Treffen im oberitalienischen Como, das er regelmäßig Ende Mai mit seinem Youngtimer, einem Peugeot 504 Coupé, ansteuert.