Pläne für die Trinkhalle Baden-Baden: Die Bäder- und Kurverwaltung möchte den Weinbrenner-Bau zu einer Wasser-Erlebniswelt umgestalten. | Foto: Sandbiller

Trinkhalle Baden-Baden

Thermal- soll wieder zu Trinkwasser werden

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Steffen Ratzel hat ehrgeizige Pläne: Der Geschäftsführer der Bäder- und Kurverwaltung (BKV) möchte das Baden-Badener Thermalwasser wieder trinkbar machen. „Wir wollen einen neuen Versuch unternehmen, das hinzubekommen“, bestätigt er auf BNN-Nachfrage entsprechende Informationen. Dem BKV-Chef geht es dabei primär um das Wasser, das aus dem Brunnen im Foyer der Trinkhalle plätschert. Aber auch die Fettquelle am Florentinerberg und den Reiherbrunnen in der Sophienstraße hat er im Blick.

Derzeit kein Trinkwasser: Aus dem Brunnen in der Trinkhalle sprudelt
das Thermalwasser in natürlicher Qualität. Die Bäder- und Kurverwaltung hat Pläne, das Wasser wieder trinkbar zu machen
| Foto: Rudolphi

Hinweisschilder warnen vor dem Genuss

An den öffentlichen Thermalbrunnen sind seit Herbst 2015 Hinweise angebracht, die vor dem Genuss dieses Wassers warnen. „Das hier auslaufende Thermalwasser ist natürliches, unbehandeltes Quellwasser. Das Thermalwasser enthält naturbedingt Arsen und gegebenenfalls Legionellen und andere Keime, die Erkrankungen verursachen können. Arsen hat eine kanzerogene Wirkung“, ist darauf zu lesen. Hintergrund sind Bedenken des Staatlichen Gesundheitsamts, das wegen des natürlichen Arsengehalts im Thermalwasser gesundheitliche Risiken sieht.

Der Antrag auf Heilwasser-Prädikat scheitert

Mit den Warnhinweisen an den Brunnen zogen BKV und Stadt die Konsequenzen aus dem gescheiterten Versuch, für das Thermalwasser ein Heilwasser-Prädikat zu erhalten. Bereits 2009 hatten die Bäderbetriebe beim zuständigen Regierungspräsidium Tübingen eine amtliche Herstellungserlaubnis für Thermalwasser zum Trinken beantragt. Ziel war es, aus dem Thermalwasser ein Arzneimittel zu machen. Das Arzneimittelgesetz machte dafür die strenge Auflage, den Arsengehalt zu senken.

Die Bäderbetriebe investieren in Senkung des natürlichen Arsen-Gehalts

Um den Grenzwert zu erreichen, investierten die Bäderbetriebe rund eine Million Euro in eine Entarsenisierungsanlage im Friedrichsbad. Die öffentlichen Thermal-Brunnen blieben dennoch über Jahre hinweg außer Betrieb, weil Probleme mit der Mikrobiologie immer wieder einen Strich durch die Rechnung machten: Die Belastung mit Keimen in den teilweise uralten Leitungen war schlichtweg zu hoch und nicht zu lösen.

Stillgelegte Thermalbrunnen bedeuten Imageschaden

Stadt und BKV befürchteten durch die dauerhaft stillgelegten Thermalbrunnen einen immensen Imageschaden für Baden-Baden und zogen deshalb im Herbst 2015 die Reißleine: Sie verzichteten darauf, Thermalwasser zum Trinken herzustellen. Seither fließt das Wasser wieder in seiner natürlichen Qualität aus den Brunnen – versehen mit den entsprechenden Warnhinweisen. Für diese „Thermalwasser-Posse“ musste die Bäderstadt sich bundesweit Spott und Häme gefallen lassen.

Achtung: An den öffentlichen Thermalbrunnen wie der Fettquelle warnen Hinweisschilder vor dem Genuss. | Foto: Rudolphi

Bäder- und Kurverwaltung nimmt einen neuen Anlauf

Nun also möchte die BKV einen neuen Anlauf nehmen, das Thermalwasser wieder trinkbar zu machen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Arsen-Gehalt in den Griff bekommen“, bekräftigt Ratzel. Es gebe bereits Gespräche mit Experten, die eine technische Lösung in Aussicht gestellt hätten. Wie die aussehen könnte, möchte der BKV-Chef zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten. Nur so viel: „Wir sind guter Hoffnung, das hinzubekommen.“

Die Trinkhalle soll zu einer Wasser-Erlebniswelt werden

Die Bäder- und Kurverwaltung als Eigentümerin der Brunnen sei bereit, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Für Ratzel ist es ein unhaltbarer Zustand, dass das Baden-Badener Thermalwasser, dem die Kur- und Bäderstadt ihren weltweiten Ruf mit verdanke, nicht zum Trinken geeignet sei. Der BKV-Chef hat aber noch weitergehende Pläne: Er möchte den ursprünglichen Zweck der Trinkhalle wieder stärker in den Fokus zu rücken und den Weinbrenner-Bau zu einer Wasser-Erlebniswelt umgestalten, die die Gäste über Historie, Zusammensetzung und Wirkung des Thermalwassers informiert – Geschmackstest inklusive.

Die Homepage der Stadt Baden-Baden bietet weitere Infos zur Trinkhalle.