Es ist angerichtet: Die Teilnehmer am Treffen der G-20-Finanzminister und -Notenbankchefs tagen an einem eigens gefertigten riesigen Tisch im traditionsreichen Bénazet-Saal des Kurhauses Baden-Baden. | Foto: Deck

G-20-Treffen in Baden-Baden

Bäderstadt rückt weltweit in den Fokus

Margret Mergen ist zuversichtlich: „Dass wir Großveranstaltungen können, haben wir mehrfach bewiesen“, betont die Baden-Badener Oberbürgermeisterin und verweist auf den Nato-Gipfel 2009, als die Staats- und Regierungschefs des Militär-Bündnisses zu einem Treffen in die Bäderstadt kamen. Für den damaligen US-Präsident Barack Obama war der Gipfel an der Oos der erste Besuch in Deutschland.

Die Welt blickt auf die Stadt an der Oos

Nun blickt die Welt wieder auf die Stadt am Fuß des Merkurs, wenn sich am 17. und 18. März die Finanzminister und Notenbankchefs der G-20-Staaten in Baden-Baden treffen. Dazu gehören die 19 führenden Industrie- und Schwellenländer plus die Europäische Union. Deutschland hat derzeit die G-20-Präsidentschaft inne, weshalb Baden-Baden Gastgeberstadt für die Finanzminister ist und Hamburg im Juni die G-20-Staats- und Regierungschefs empfängt.

Gastgeber Wolfgang Schäuble präsentiert seine Heimat

Es ist wohl kein Zufall, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble seine Amtskollegen nach Baden-Baden eingeladen hat, ist es für den Badener doch eine willkommene Gelegenheit, um den internationalen Delegationen die Schönheit und Vorzüge seiner Heimat zu präsentieren.

Die Bäderstadt erwartet 1800 Gäste

Das zweitägige Treffen kommt zwar nicht an die Dimension des Nato-Gipfels vor acht Jahren heran, doch für die Kur- und Bäderstadt mit ihren etwa 55 000 Einwohnern ist es ein wahrer Kraftakt. Immerhin erwartet Baden-Baden etwa 1 800 Gäste. Darunter sind rund 450 Journalisten, die Bilder aus der Stadt in die ganze Welt transportieren – ein nicht zu unterschätzender Werbeeffekt. Doch all diese Menschen müssen irgendwo unterkommen.

Die Vorbereitungen laufen: Das Aufbau-Team rollt probeweise schon mal den Roten Teppich aus, über den die Delegationsteilnehmer flanieren werden. | Foto: Deck

Die Hotels sind komplett belegt

Die Kur- und Tourismus GmbH hat bereits vor Monaten sämtliche Hotelbetten geblockt. „Wir bekommen das gerade so einigermaßen hin“, sagt Tourismus-Chefin Nora Waggershauser. Für viele Polizisten, die bei dem Treffen im Einsatz sind – die genau Zahl verrät die Polizei nicht – reicht die Kapazität jedoch nicht. Sie müssen zum Teil in Hotels entlang der Rheinschiene wohnen.

Die Polizei richtet eine Sperrzone ein

Die Polizei hat sich sorgfältig auf das Großereignis vorbereitet und im Baden-Badener Revier eigens einen Stab einquartiert, der im Lauf der vergangenen Monate auf gut 90 Beamte angewachsen ist. Deren wesentliche Aufgabe war es, ein Sicherheitskonzept zu erstellen. Dazu gehört unter anderem eine Sperrzone, die neben Teilen der City die Lichtentaler Allee und Kaiserallee rund um das Tagungszentrum Kurhaus umfasst. Zugang in diese Sicherheitszone hat nur, wer ein „berechtigtes Interesse“ vorweisen kann, wie die Polizei bekräftigt.

G20-Infostelle hilft bei Anfragen

Anwohner, Einzelhändler und Gastronomen müssen sich zwar auf Einschränkungen einstellen, die Polizei verspricht jedoch möglichst unbürokratische Kontrollen.  Um Fragen schon im Vorfeld zu beantworten, haben Stadt und Polizei vor Wochen eine G-20-Infostelle ins Leben gerufen, zu der mittlerweile auch zwei Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums gehören.

Baustelle Leopoldsplatz wird zum Zankapfel

Trotz aller Euphorie ging es in der Stadt jüngst keineswegs nur harmonisch zu. Vor allem der Leopoldsplatz entpuppte sich als kommunalpolitischer Zankapfel. Dort, mitten im Herzen der Stadt und am Rande der G-20-Sicherheitszone, laufen seit September umfassende Sanierungsarbeiten. Eine Arbeitsgruppe von Polizei und Rathaus hatte darauf gedrängt, den „Leo“ für die Tagung zu „ertüchtigen“.

Vorübergehender Baustopp: Während der G-20-Tagung ruhen die Sanierungsarbeiten am Leopoldsplatz. Zudem war es eine Auflage, die Baugrube zuzuschütten. | Foto: Deck

Die Stadt muss die Baugrube zuschütten

Schließlich befindet er sich an einer strategisch zentralen Stelle und spielt eine wichtige Rolle, weil mögliche Flucht- und Rettungswege darüber führen. Am Ende haben sich die Beteiligten darauf verständigt, die Baugrube zuzuschütten und mit einer Asphaltdecke zu versehen. Der Unmut war unter anderem deshalb groß, weil diese Entscheidung die ohnehin um etwa 40 Prozent gestiegenen Baukosten noch einmal erhöhen wird.

Das Treffen mobilisiert die Globalisierungsgegner

Das G-20-Treffen mobilisiert auch die Globalisierungsgegner, die zu Demonstrationen aufgerufen haben. Allein attac erwartet etwa 1 000 Teilnehmer für einen Zug durch die Innenstadt. Zu den Kritikern zählt auch die kirchliche, konfessionsübergreifende Initiative erlassjahr.de, die sich für eine Entschuldung der Dritten Welt einsetzt. In Baden-Baden erwartet die Bewegung zwei prominente Fürsprecher: Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger und der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh wollen gemeinsam einen Gottesdienst zelebrieren.

Zusätzliche Infos zum G-20-Treffen gibt es im Internet unter www.g20-finance.de und in weiteren BNN-Artikeln:

https://bnn.de/nachrichten/finanzminister-schaeuble-macht-musikalisches-geschenk-im-festspielhaus

https://bnn.de/nachrichten/stadt-und-polizei-sind-gemeinsam-ansprechpartner