Einsatz über dem Aumattstadion: Eine neue Vermessungsdrohne liefert der Stadt Daten, die sie nutzen kann, um Flächen zu bestimmen oder Objekte zu inspizieren. | Foto: Rudolphi

Innovation in Baden-Baden

Bäderstadt setzt beim Vermessen auf eine Drohne

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Ein paar kleine Lämpchen blinken, ein leises Surren ist zu hören und schont hebt „Albris“ ab. Schnell gewinnt der sogenannte Quadrocopter, eine Drohne mit vier Motoren und vier Propellern, an Höhe, dreht über dem Aumattstadion seine Runden und schießt dabei Fotos und macht Videos.

Ein Computer steuert die Drohne voll automatisch

Alles voll automatisch und autonom, weil der Steuerungscomputer dem Fluggerät vor dem Start die Route einprogrammiert hat. Der Demonstrationsflug klappt reibungslos, nach wenigen Minuten setzt Albris wieder auf dem Rasen des Fußballplatzes auf.

Steuerzentrale: Thomas Maier (links) erläutert Bürgermeister Alexander Uhlig am Computer die Software für den Drohnenflug. | Foto: Rudolphi

Stadt nutzt als erste Kommune diese Technik

Bei dem kleinen Flieger handelt es sich keineswegs um ein Spielzeug. Es ist eine Vermessungsdrohne, die die Stadt seit kurzem einsetzt. Nach Auskunft von Bürgermeister Alexander Uhlig ist Baden-Baden die erste Kommune, die bei Vermessungen auf eine Drohne zurückgreift. Rund 24 000 Euro inklusive der Software für die Flugplanung und -steuerung hat das Gerät gekostet. „Drohnen sind seit einigen Jahren im Gespräch. Sie bieten neue Chancen und Techniken“, erläutert Uhlig. „Damit müssen wir uns auseinandersetzen.“

Der Einsatz ist streng reglementiert

Für den Bürgermeister stehen natürlich die neuen Möglichkeiten im Vordergrund, zumal eine Verordnung des Bundesverkehrsministeriums den Einsatz von Drohnen streng reglementiert. Demnach ist jede Behinderung oder Gefährdung von Menschen auszuschließen. Zudem dürfen sie in der Nähe von Flughäfen, über Industrie- und Naturschutzgebieten nicht und über Wohngebieten nur mit Zustimmung der Anwohner fliegen.

Aus den Fotos entsteht ein realitätsnahes 3-D-Modell

Die Stadt nutzt die Drohne vor allem, um Detailaufnahmen zu erhalten, die es erlauben, ein detailgetreues und möglichst realistisches 3-D-Modell einer Fläche oder eines Objekts zu gewinnen. Das Anwendungsspektrum ist vielfältig: Die Drohne ermöglicht es etwa, sogenannte Orthofotos, Schrägluftbilder und Fassadenaufnahmen zu machen, wie Volker Dey vom städtischen Fachgebiet Vermessung und Geoinformation erläutert.

Sensorkopf: Die Drohne ist mit mehreren Kameras, Navcams und Ultraschallsensoren ausgestattet. | Foto: Rudolphi

Eine Thermalkamera liefert auch Wärmebilder

Weiter sind Aufnahmen eines Geländes möglich, um Fläche oder Masse zu ermitteln. Das System dient zudem dazu, eine Flächennutzung zu bestimmen, Bäume und Vegetation zu kontrollieren, Objekte zu inspizieren oder einen Bau zu überwachen. Aber auch Detailaufnahmen für den Denkmalschutz oder Restaurierungen lassen sich anfertigen. Die Drohne ist zudem mit einer Thermalkamera ausgestattet, die Wärmebilder liefert.

Das Fluggerät besteht seinen Praxistest

Albris hat seinen Praxistest bereits bestanden. In den vergangenen Wochen hat die Drohne Aufnahmen von der Deponie Tiefloch gemacht, um deren Zuwachs zu ermitteln, den die Stadt jährlich dem Regierungspräsidium Karlsruhe melden muss. Dey zufolge bedeutete das früher einen Aufwand von etwa 80 Stunden. Die Drohne erledigte das in sieben Stunden. Für den neuen Radweg durch die Sägmüller Matten zwischen Lichtental und Geroldsau lieferte Albris die Daten, aus denen sich das benötigte Schottermaterial errechnen ließ.

GPS-gestützt: Volker Dey vom Fachgebiet Vermessung und Geoinformation richtet den Sendemast aus. | Foto: Rudolphi

Die Drohne sucht nach kranken Bäumen

In der Geggenau ging die Drohne im Auftrag des Fachgebiets Forst und Natur auf die Suche nach kranken Bäumen und in der Weststadt hat sie das Richard-Wagner-Gymnasium abfotografiert, was der Stadt bei einer anstehenden Sanierung weiterhilft.

Die Software erstellt Verknüpfungspunkte

„Pro Flug in bis zu 100 Metern Höhe entstehen oft mehrere hundert Bilder“, erklärt „Drohnenpilot“ Thomas Maier vom Fachgebiet Vermessung und Geoinformation. Die Kamera liefert Fotos eines Objekt mit hoher Überlappung. Zudem speichert die Drohne die GPS-Position. In der anschließenden Auswertung sucht die Software wiederholt automatisch sogenannte Verknüpfungspunkte, aus denen sich am Ende das Bild zusammensetzen lässt. „Wir brauchen dafür keine schönen, sondern homogene Bilder“, betont Maier.

Weitere Informationen bietet das Fachgebiet Vermessung und Geoinformation.

Kommentar zum Thema: Baden-Baden mischt bei technischen Innovationen ganz vorne mit: Als erste Kommune nutzt die Stadt eine Drohne, um aus der Luft Flächen zu vermessen und Objekte zu inspizieren. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand. Mussten die Ingenieure früher die für ihre Berechnungen benötigten Daten oft mit großem Aufwand mühsam zusammentragen, erledigt das heute die Drohne sehr viel schneller, genauer und wohl auch effektiver.
Ein paar Flüge von jeweils maximal 20 Minuten reichen aus, um die Fachleute mit Fotos, Videos und GPS-Positionen zu beliefern, aus denen sich realistische 3-D-Modelle erstellen lassen. Die Drohne kann dabei auch über Flächen fliegen, die nur schwer zugänglich oder mit Schadstoffen belastet sind, wie das Beispiel der Deponie Tiefloch zeigt – und das, ohne die Gesundheit von Menschen zu gefährden.
Kein Bürger muss fürchten, dass die Vermessungsdrohne ihn künftig belästigt oder gar ausspioniert und so zum „Big Brother“ wird. Die Vorgaben für den Einsatz des Geräts sind streng reglementiert. Ein Flug über ein Wohngebiet beispielsweise ist nur erlaubt, wenn die Anwohner zustimmen.