Auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar: Die Vorlesefunktion, aber auch Bilder und gut erkennbare Symbole machen die Internetseite der Stadt einfacher zugänglich.
Auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar: Die Vorlesefunktion, aber auch Bilder und gut erkennbare Symbole machen die Internetseite der Stadt einfacher zugänglich. | Foto: Meier

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Barrierefreiheit auf der Website der Stadt Baden-Baden

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Akustische Signale an Fußgängerampeln, Rampen und Aufzüge anstelle von Treppen in öffentlichen Einrichtungen oder Niederflurbusse im Nahverkehr: Daran denken die meisten Menschen beim Begriff Barrierefreiheit. Doch vereinfachte Zugänglichkeit im realen Leben reicht nicht aus. Unpopulärer, aber nicht weniger wichtig ist die Barrierefreiheit im Internet.

Die Stadt Baden-Baden möchte mit gutem Beispiel vorangehen und hat ihre Website zu einem großen Teil barrierefrei gestaltet. Doch was macht eine solche Internetseite aus?

Online-Inhalte zum Hören

Zu einer barrierefreien Gestaltung gehörten viele Kleinigkeiten, die für den „normalen“ Nutzer oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich seien. Und trotzdem machten sie ihm die Handhabung oft deutlich angenehmer, darauf weist Hannah Matwich hin. Sie ist in der Internetredaktion der Stadt für die Website zuständig und erklärt im BNN-Gespräch anhand einiger Beispiele, wie Barrierefreiheit online funktioniert.

Vorlesen als Funktion

Vorlesefunktion: Dieses Programm hilft vor allem seh- und lesebehinderten Menschen. Das Feld „Vorlesen“ befindet sich immer an der gleichen Stelle, rechts, im oberen Teil der Website. Der „Screenreader“ markiert alle Texte gleichzeitig mit dem lauten Vorlesen. Ist eine Homepage richtig programmiert, erkennt der Reader auch Überschriften oder Fußzeilen. Gleichzeitig ist zu jedem grafischen Inhalt eine erklärende Textalternative hinterlegt, die ebenfalls vorgelesen wird. Diese Vorlesefunktion entwickelt sich ständig weiter. Sie hat zum Beispiel gelernt, dass „OB“ in Baden-Baden als Oberbürgermeisterin vorgelesen werden muss.

Hannah Matwich
Hannah Matwich | Foto: Meier

Bedienbarkeit: Das Surfen auf der städtischen Internetseite ist auch ohne Maus möglich. Das ist gerade für Personen mit motorischen Störungen wichtig. Alle Bereiche der Seite können auch durch den Einsatz der Tastatur oder mithilfe spezieller Programme erreicht werden.

Symbole helfen

Bilder und Symbole: Auf der Homepage der Bäderstadt kommen viele Symbolbilder zum Einsatz. Das ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber Hannah Matwich findet es wichtig. Auch Menschen die nicht lesen können, oder der deutschen Sprache nicht mächtig sind, könnten sich so besser durch den Internetauftritt navigieren, erklärt sie. Außerdem gibt es neben vielen Angeboten auch entsprechende Symbole.

Neben einer E-Mail-Adresse befindet sich etwa ein Briefumschlag, neben einem Verweis auf eine externe Seite ein Pfeil. Dokumente zum Herunterladen sind mit einem geknickten Blatt Papier gekennzeichnet, solche die noch beschriftet werden können, zusätzlich mit Wellen. Fährt man mit dem Mauszeiger über ein solches Symbol, wird zusätzlich angezeigt, was beim Klick darauf passiert.

Barrierefreiheit auf jedem Gerät

„Responsive design“: Jede Person soll mit jedem Endgerät auf die Inhalte der Seite zugreifen können. Dazu zählen PCs und Laptops, aber auch Tablets und Smartphones. Dabei sollen möglichst alle Inhalte, auch beim vergrößerten Anzeigen, immer noch sichtbar bleiben. Darüber hinaus sind Menü und Navigationsleiste immer sichtbar. Bewegt man sich auf der Seite nach ganz unten, wird auch dort das Menü wieder angezeigt.
Die städtische Website sei damit in puncto Barrierefreiheit schon gut aufgestellt. Noch unter ihrem Vorgänger habe eine blinde Frau die Website getestet und das Internetangebot habe dabei gut abgeschnitten, erzählt Matwich. Trotzdem sei sie ständig damit beschäftigt, die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Noch sei die Seite „barrierearm und nicht ganz barrierefrei“.

Zwiespalt zwischen Vorgaben und Optik

Die Schwierigkeit sei oft, das Gleichgewicht zu halten. Einerseits sollten die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt werden, andererseits solle eine Website immer noch optisch ansprechend wirken. Zu Beginn habe auch sie oft nicht gleich gesehen, wenn ein Inhalt nicht barrierefrei war, gesteht Matwich. Sie habe aber gelernt, worauf zu achten sei.

Außerdem habe sie mittlerweile ihre eigene Checkliste erstellt, die sie dann abarbeite. Vieles ergebe sich auch, wenn man sich in die Rolle eines eingeschränkten Nutzers hineinversetze. Dennoch könne man nie alles sehen, deswegen seien sie und ihre Kollegen immer offen für Anregungen zur barrierefreien Gestaltung.