Um das Jahr 1900 stammt diese Ansicht der Trauerbuche hinter dem Steinbrunnen, die Garten- und Parkchef Markus Brunsing entdeckt hat.
Um das Jahr 1900 stammt diese Ansicht der Trauerbuche hinter dem Steinbrunnen, die Garten- und Parkchef Markus Brunsing entdeckt hat. | Foto: Kamleitner

Lichtentaler Allee

Baum-Methusalem in Baden-Baden braucht Pflege

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Der berühmteste Baum der Kurstadt hat sich zum Sorgenkind entwickelt. Die mindestens 160 Jahre alte Trauerbuche, eine hängende Form der Rotbuche, an der Lichtentaler Allee in Höhe des Museums LA8 verliert die Krone ihres Hauptstamms. BNN-Redakteur Bernd Kamleitner gibt Antworten auf Fragen zum Thema.

Warum ist der Eingriff erforderlich?

Die Baden-Badener Garten- und Park-Experten verweisen vor allem auf Sicherheitsgründe. Der Hauptstamm ist auf einer Länge von etwa 1,5 Meter sehr morsch, ein Bruch droht. Das bedeutet Gefahr für Spaziergänger. Offen ist, ob bei weiteren Astbrüchen die im Jahr 2005 eingebauten Stahlstützen noch ihre Funktion erfüllen.

Wie konnte es dazu kommen?

Durch Astbrüche hat der Baum Sonnenbrand bekommen. Das schädigte die Rinde und ließ den Stamm anfällig für Pilzbefall werden. Er leidet schon seit Jahren unter dem sogenannten Zunderschwamm – ein aggressiver Parasit, der das Holz zersetzt. In der Vergangenheit haben ohnehin schon verschiedene Pilzkörper den Baum-Methusalem geschwächt und seine Stabilität beeinträchtigt. Auch die Wurzelbereiche werden nicht als sehr stabil eingeschätzt.

Was wird geschnitten?

Der schräg stehende Hauptstamm wird ab einer Höhe von etwa drei Meter gekappt. Für die Arbeiten wird ein Telekran eingesetzt, der auf der Fahrbahn stehen wird und diese blockiert.

Alternative steht nicht zur Debatte.

Gäbe es eine Alternative?

Ja, aber die steht nicht zur Debatte: Die Trauerbuche komplett einzäunen und ihrem Schicksal überlassen – also zusammenfallen und sterben lassen.

Was ist das Besondere an dem Baum?

Das sind die sogenannten „Tochterbäume“: Äste der Trauerbuche, die auf dem Boden aufliegen, haben ebenfalls Wurzeln geschlagen und diese „Tochterbäume“ gebildet. Die fallen durch einen besonders bizarren und schlingenartigen Wuchs auf. Was aussieht, als wären es mehrere Bäume, sind also alles Ableger der Trauerbuche. Das macht sie auch so einzigartig.

Neupflanzung ist im Herbst geplant.

Ist die Maßnahme mit dem Rückschnitt beendet?

Nein. Es gibt Überlegungen, eine neue Trauerbuche zu pflanzen – an der Stelle, an der derzeit noch das Fundament der Stahlpyramide ist. Die Stahlpyramide und das Fundament sollten entfernt werden. Die Neupflanzung ist im Herbst geplant. Die Trauerbuche wird zudem weiterhin unter Beobachtung stehen. Sie kämpft ums Überleben. Dabei soll sie unterstützt werden.

Trauerbuche in der Lichtentaler Allee.
Trauerbuche in der Lichtentaler Allee. | Foto: BNN-Infografik

Wie kam die Buche in die Allee?

Im 19. Jahrhundert war die Trauerbuche ein beliebter Parkbaum – auch in Baden-Badener Villengärten. Nur wenige Trauerbuchen haben jedoch bis heute überlebt. Wenn der Stamm nicht beschattet wird, ist das Überleben in Gefahr. Die in der Allee erhaltene hängende Rotbuche ist mit ihrem besonderen Wuchs ein seltenes Exemplar – und deshalb der markanteste und bedeutendste Baum der Flaniermeile in der Kurstadt.

Wie alte ist die Trauerbuche?

Das kann auch Baum- und Parkexperte Markus Brunsing von der Stadtverwaltung nicht genau sagen. Mindestens 160 Jahre ist der Baum-Methusalem schon. Er könnte auch 180 oder sogar 200 Jahre auf dem Buckel haben. Mit den eingeleiteten Maßnahmen sollen noch einige Jahre dazu kommen.