Glück gehabt: Wer die 30er-Zone im Bereich der Baustelle für die neue Sporthalle des Pädagogiums zu schnell passierte, musste kein Bußgeld fürchten. Es fand keine Überwachung statt, weil glücklicherweise auch kein Unfall passierte.
Glück gehabt: Wer die 30er-Zone im Bereich der Baustelle für die neue Sporthalle des Pädagogiums zu schnell passierte, musste kein Bußgeld fürchten. Es fand keine Überwachung statt, weil glücklicherweise auch kein Unfall passierte. | Foto: kam

Geschwindigkeitsbegrenzung

Baustelle am Pädagogium Baden-Baden: Tempo 30 – und kaum einer hält sich dran

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Das hätte teuer werden können: Im Bereich der Baustelle für die neue Sporthalle des Pädagogiums Baden-Baden in der Rotenbachtalstraße wurde Tempo 30 angeordnet, doch kaum ein Autofahrer, der stadtauswärts Richtung Murgtal unterwegs ist oder von der Wolfsschlucht kommend in die Bäderstadt fährt, hält sich im dem Abschnitt an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Geblitzt wurde in diesem Bereich nicht. Glück gehabt!

Es ist, als gäbe es den Hinweis auf Tempo 30 nicht: Bei manchen Verkehrsteilnehmern ist es sogar fraglich, ob die im Bereich vor der Baustelle ausgewiesenen 70 Stundenkilometer überhaupt eingehalten werden. Wer vor der Sporthallenbaustelle am Straßenrand einen Moment innehält, registriert jedenfalls kaum ein Fahrzeug, das mit Tempo 30 oder weniger die Stelle passiert.

Wer die Tempo-Vorgabe nicht wahrgenommen hat (oder nicht wahrnehmen wollte) hat möglicherweise auch noch nicht registriert, dass der Hinweis jetzt verschwunden ist. Doch die Geschwindigkeitsbegrenzung ist nur vorübergehend aufgehoben. Vermutlich im April werden die 30er-Schilder für einen bestimmten Zeitraum reaktiviert. „Wir stehen mit der Baufirma in Kontakt“, betont Johanna Schönauer.

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Reine Vorsichtsmaßnahme

Schon bei der Beantragung einer Baumaßnahme durch den Bauherren werde auf eventuell notwendige Verkehrszeichen in diesem Bereich hingewiesen, betont die Leiterin des Fachgebiets Straßenverkehr bei der Stadtverwaltung Baden-Baden das übliche Prozedere. Bei der Pädagogiums-Baustelle sei die Ausweisung von Tempo 30 „eine reine Vorsichtsmaßnahme“ gewesen. Dort waren schwere Laster im Einsatz, die auf die stark frequentierte Straße ein- und von dort abbogen – naturgemäß mit geringer Geschwindigkeit. Folgt dem Laster ein Pkw mit deutlich höherem Tempo, kann es brenzlig werden.

An Verkehrszeichen muss man sich halten.

Johanna Schönauer, Leiterin im Fachgebiet Straßenverkehr

Wenn es gekracht hätte, wäre der Autofahrer, der mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war, auf jeden Fall mitschuldig gewesen. „An Verkehrszeichen muss man sich halten“, stellt Schönauer klar. Aber: Geschwindigkeitskontrollen fanden in diesem Abschnitt nicht statt. Der Bereich war kein Unfallschwerpunkt. „Es ist nichts passiert“, erklärt die Fachfrau die Zurückhaltung. Bei der geplanten Neuausweisung ist zudem denkbar, dass Tempo 30 nur tagsüber angeordnet wird. Nachts fahren schließlich keine Laster von und zur Baustelle.

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Teure Bußgelder

Wenn geblitzt worden wäre, hätte es für so manchen Autofahrer teuer, ja sehr teuer werden können. Bei einer Überschreitung der Vorgabe um zehn Kilometer sieht der Bußgeldkatalog zehn Euro vor. Für viele durchaus leicht verschmerzbar. Etwas mehr weh tut es bei einer Überschreitung von 21 bis 25 Stundenkilometern: Das kostet 70 Euro – plus ein Punkt in der Verkehrssünderkartei, bei 26 bis 30 wären es 80 Euro, bei 31 bis 40 sind 120 Euro fällig, jeweils plus Punkt und ein Monat Fahrverbot. Bei 41 bis 50 Stundenkilometer zu schnell kostet es 160 Euro – plus zwei Punkte und vier Wochen Fahrverbot. Wer in den 30er-Bereich mit 92 bis 100 Sachen rast, zahlt 440 Euro und erhält zwei Punkte sowie zwei Monate Fahrverbot.

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Zu Schnell
Die Stadt hätte sich eine schöne Einnahmequelle erschließen können: ein Blitzer an der Rotenbachtalstraße im Bereich der Baustelle der Sporthalle für das Pädagogium. Das dort ausgewiesene „Tempo 30“ wurde von kaum einem Verkehrsteilnehmer eingehalten. Doch der oft erhobene Vorwurf, es würde mit den Blitzern nur abgezockt, den erstickte die Stadtverwaltung mit dem Verzicht auf die Überwachung im Keim So haben alle Verkehrssünder Glück gehabt. Sie müssen keine Konsequenzen wie Bußgeld oder Fahrverbot fürchten. Manch einer wird die Tempo-30-Regelung grundsätzlich in Frage gestellt haben. Was soll das überhaupt? Die Maßnahme hatte aber einen ernsten Hintergrund. Spätestens dann, wenn es dort einen schweren Unfall mit einem Laster gegeben hätte, wäre der Aufschrei groß gewesen. Die Strecke ist zu bestimmten Zeiten schließlich sehr stark frequentiert, hinzu kommt die Tallage – die Verkehrsaufsicht im Rathaus hatte also durchaus einen berechtigten Anlass, dort die Anweisung von Tempo 30 anzuordnen. Dass die zuständigen Mitarbeiter den Verkehrsfluss im Blick haben – ein Grundanliegen jedes Verkehrsteilnehmers – dokumentiert die Tatsache, dass die 30-er-Zone vorübergehend ausgesetzt wird, bis wieder mit erhöhtem Lkw-Aufkommen zu rechnen ist. Okay, manchmal dauert es, bis der Verkehrsteilnehmer von einem vorschnellen Urteil abweicht: Geschwindigkeitsbegrenzungen sind doch keine behördliche Willkür.