Auf der Baustelle in der Friedensstraße ist auch ein Jahr nach dem Baubeginn kein großer Fortschritt zu sehen. Der Keller ist gerade mal zur Hälfte fertig. Die Hangsicherung sieht ziemlich provisorisch aus. | Foto: Bernd Kappler

Baden-Baden macht Ernst

Baustelle mit Stein versperrt

Anzeige

Seit Monaten gibt eine Baustelle in der Friedensstraße in Baden-Baden Anlass für Ärger: bei Nachbarn und bei der Stadtverwaltung gleichermaßen. Jetzt hat die Stadt die Notbremse gezogen und nach vorheriger Ankündigung und letzter Fristsetzung die über städtischen Grund führende Baustellenzufahrt mit einem Tonnen schweren Stein absperren lassen.

Ärger um Baustelle

Bürgermeister Alexander Uhlig gegenüber den BNN zu dem ungewöhnlichen und zumindest in der jüngsten Vergangenheit einmaligen Schritt: „So geht es, wenn mit der Stadt vereinbarte Absprachen über Monate hinweg nicht eingehalten werden.“ „Eingesperrt“ sind durch diese Zwangsmaßnahme unter anderem auch ein Kleinlastwagen und ein Pkw.
Einzelheiten zu den nicht eingehaltenen Vereinbarungen wollte der Bürgermeister nicht preisgeben. Nur soviel: Man habe der aus Russland stammenden Bauherrin Wochen lang Zeit gelassen, dies zu tun.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Ärger gegeben und der Bau war wegen mangelnder Hangsicherung und aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen vorübergehend eingestellt worden. Uhlig räumte dabei ein, dass die Probleme nach einem Wechsel in der Bauleitung abgenommen hätten, aber eben nicht ausgeräumt seien.

Nichts geht mehr: Die Stadt Baden-Baden hat die Zufahrt zur Baustelle in der Friedensstraße am Dienstag mit einem großen Stein absperren lassen. | Foto: Bernd Kappler

Bei dem geplanten Projekt – nach einem Jahr Bauzeit ist der Keller immer noch nicht fertig – hatte die Stadt im Übrigen großzügig Befreiungen erteilt und Zugeständnisse gemacht. So waren zwei im Bebauungsplan vorgesehene Baufenster zu einem zusammengelegt worden. Um eine Zufahrt zur Baustelle zu bekommen, willigte die Stadt ferner ein, dass die Bauherrschaft einen Weg abgraben und die Zufahrt über den Bolzplatz verwenden darf. Dieser war dann im Sommer 2017 gesperrt worden. Er hat sich mittlerweile in ein einem umgepflügten Acker gleichenden Grundstück verwandelt. In diesem Jahr hatte die Stadt die Gestattung nochmals bis zum Sommer 2019 verlängert.

Plötzlich waren die unter Schutz stehenden Bäume weg | Foto: privat

Für Nachbar Staffan Reveman, der seit Jahren in der Friedenstraße in Miete wohnt, mit dem Hauseigentümer eng befreundet ist und nach eigenen Angaben auch für ihn spricht, ist die Baustelle seit Monaten ein Dauerärgernis. Er hat den Eindruck, „dass die dort alles machen dürfen.“

Schlamm hat bei mehreren Starkregenfällen die Friedensstraße überschwemmt. Immer wieder musste die Stadt auf Abhilfe drängen. | Foto: privat

Mehrfach hat er Schlammlawinen dokumentiert, die bei Starkregen den Berg herunterrieselten und jeweils die Friedenstraße mit einer Schmutzschicht überzogen und Regenabläufe verstopften. Das einzig Positive: Nach den Beschwerden bei der Stadt sei jeweils schnell sauber gemacht worden.

Staffan Reveman misst nach: Es handelte sich um stattliche Exemplare. | Foto: Bernd Kappler

Eines hat er aber immer noch nicht verstanden, denn aus seiner Sicht messe man im Rathaus mit zweierlei Maß. 2004 hatte sich Reveman an die Verwaltung gewandt. Er wollte zur Stadtverschönerung beitragen und eine Müllbox neben dem Hauseingang platzieren. Dazu hätte er einige Dezimeter städtischen Grund in Anspruch nehmen müssen. Der Fachbereich Liegenschaften prüfte den Fall und kam zum Ergebnis, dass die Müllbox nicht genehmigungsfähig sei, weil dann die Wurzeln von zwei Bäumen, die durch die Baumschutzsatzung geschützt seien, in Mitleidenschaft gezogen worden wären.

Plötzlich waren Bäume weg

13 Jahre später, im Sommer 2017, kam Reveman aus dem Urlaub zurück und die geschützten Bäume, nebst einem dritten waren abgesägt worden – mitten in der Vegetationsperiode. Sie mussten fallen, weil durch den Bau der Baustellenzufahrt über den städtischen Bolzplatz ihre Standsicherheit gefährdet gewesen wäre, muss heute Bürgermeister Alexander Uhlig einräumen.
Laut Staffan Reveman sei im Übrigen strittig, ob einer der drei Bäume überhaupt der Stadt gehörte, sondern vielmehr auf dem Grundstück seines Vermieters stand.