KLEINER KREISVERBAND: Das Hauptaufgabenfeld der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Rastatt mit insgesamt 35 Mitarbeitern ist die mobile Pflege. | Foto: Keller

Kleiner Kreisverband

Bei der Arbeiterwohlfahrt Rastatt spürt man keine negativen Auswirkungen durch den Skandal in Hessen

Anzeige

Bis zu 80.000 Euro teure Dienstwagen und hohe Gehälter, die Vorwürfe gegen mehrere führende Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt und Wiesbaden schlugen zuletzt hohe Wellen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug in Millionenhöhe. Im badischen Rastatt geht es deutlich bescheidener zu: „Ich fahre einen sechs Jahre alten Fiat Panda“, sagt Winfried Weinmann, seit über 30 Jahren Geschäftsführer der AWO Rastatt, bereits bevor man ihn danach fragen kann.

Wer Winfried Weinmann sprechen will, muss früh aufstehen: Ab 7 Uhr sitzt er an seinem Schreibtisch in der Geschäftsstelle im Rastatter Zay mit der idyllischen Postadresse Am Hasenwäldchen. Danach stehen Termine auße Haus ran, zudem engagiert sich Weinmann ehrenamtlich beim VdK Rastatt, wo er Kreisvorsitzender ist.

Rastatter Kreisverband gehört zu den kleinsten Verbänden innerhalb der AWO Baden

„Wir sind ein sehr kleiner Verband, zusammen mit Baden-Baden einer der kleinsten Kreisverbände in Baden“, erläutert Weinmann. Die AWO Rastatt ist ein eingetragener Verein mit etwa 300 Mitgliedern, Ortsgruppen gibt es in Rastatt, Gaggenau und Bühl. Der Kreisverband beschäftigt etwa 35 Mitarbeiter.

„Unser Hauptaufgabengebiet ist die Pflege“, so Winfried Weinmann. Etwa 15 Schwestern und Hauswirtschaftskräfte sind im Einsatz.

Neben dem ambulanten Pflegedienst betreut die AWO zwei Einrichtungen für Betreutes Wohnen, die Seniorenwohnanlage Brunnenhaus und die Seniorenwohnanlage Max-Jäger-Schule. „Wir sind nur die Betreiber“.

Haupptaufgabengebiet ist die Pflege

Die Wohnungen befinden sich in privatem Streubesitz. „Wir sind finanziell nicht in der Lage, so ein Millionen-Projekt hinzustellen“, macht Winfried Weinmann deutlich.

Früher gab es auch noch eine Beratungsstelle für Ausländer. Bis Ende der 1990er Jahre wurde am Hasenwäldchen ein Kindergarten betrieben, der aber wegen zu geringer Kinderzahlen geschlossen wurde.

Das in Kooperation mit dem AWO Kreisverband Karlsruhe angebotene Essen auf Rädern wurde eingestellt beziehungsweise abgegeben. Eine Webseite hat der Kreisverband übrigens bis heute nicht.

Auch interessant: Karlsruhe geht in der Pflege neue Wege

Im katholischen Südwesten ist die Caritas mit Hauptsitz in Freiburg der größte Wohlfahrtsverband. Im Pflegebereich sind daneben das Deutsche Rote Kreuz und mittlerweile auch mehrere private Pflegedienste am Markt.

Die von der Sozialdemokratin, Sozialreformerin und Frauenrechtlerin Marie Juchacz im Jahr 1919 gegründete Arbeiterwohlfahrt spielt hier lediglich eine kleinere Rolle.

Was manchmal auch Vorteile haben kann: „Wir haben von dieser ganzen Geschichte bisher so gut wie nichts gespürt“, will Winfried Weinmann die Geschehnisse im hessischen AWO-Verband nicht weiter kommentieren. Allenfalls aus dem Bekanntenkreis habe er sich einige scherzhafte Bemerkungen anhören müssen, räumt er ein.

Bislang kein Vertrauensverlust oder negative Reaktionen

Zu einem Vertrauensverlust oder sogar Kündigungen durch Kunden sei es indes nicht gekommen. Weinmann: „Wir haben so gut wie keine negativen Reaktionen.“ Auch Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft habe es nicht gegeben. Wobei dieser Bereich vernachlässigbar sei, Spenden gingen sowieso wenige ein.

Auch interessant: Wenn Senioren im Gefängnis Pflege brauchen

Enge Verflechtungen mit SPD-Politikern wie in Hessen mit dem Frankfurter Oberbürgermeister und ehemaligen AWO-Angestellten Peter Feldmann gibt es in Rastatt nicht. Bürgermeister mit sozialdemokratischem Parteibuch sind in der Region selten, so Winfried Weinmann, der selbst einige Jahre für die SPD dem Rastatter Gemeinderat angehörte.

Wolfgang Stadler, Geschäftsführer des AWO-Bundesverbands, hat zuletzt vorgeschlagen, die Gehälter der Geschäftsführer in einem Transparenzregister aufzulisten. „Ich hätte nichts dagegen, sie sogar zu veröffentlichen“, sagte Stadler gegenüber der „WirtschaftsWoche“.

Soweit möchte der Rastatter Winfried Weinmann nicht gehen. Auswüchse wie in Hessen hält der langgediente AWO-Mann in Baden-Württemberg für unmöglich. „Wir sind strenger organisiert, haben ganz andere Kontrollen.“