Autoparade vor dem Kurhaus: Eine Hochzeitsfeier am vergangenen Sonntag sorgt noch immer für Diskussionsstoff in Baden-Baden. Die für die Vermietung zuständige BKV verweist darauf, dass der Kunde im Vorfeld falsche Angaben gemacht habe. Auf dem Platz vor dem Kurhaus seien zudem maximal fünf Autos erlaubt gewesen. | Foto: Henn

Bäder- und Kurverwaltung

Ärger um Feier im Kurhaus: Betreiber bezieht Stellung

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Nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung und der Kommunalpolitik über eine aus dem Ruder gelaufene Hochzeitsfeier am Sonntag im Kurhaus hat die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) Baden-Württemberg Stellung zu dem Vorfall bezogen. „Es tut uns leid, dass es solche Begleitumstände gegeben hat“, erklärte BKV-Chef Steffen Ratzel. Völlig ausschließen, dass sich Ähnliches wiederhole, könne er aber nicht. „Das kann jedem hier passieren.“ Die BKV wolle aber „erschweren, dass so etwas wieder geschieht“.

Vielen Bürgern und Kommunalpolitikern waren vor allem direkt vor dem Kurhaus parkenden Edelkarossen sauer aufgestoßen. Ratzel zufolge war dem Brautauto sowie vier weiteren Wagen die Zufahrt vor das Kurhaus erlaubt. Bei Hochzeiten sei es nicht ungewöhnlich, dass das Fahrzeug des Paares vor der Kurhauskulisse geparkt werde.

Mitarbeiter wollten Rolltor schließen

Der Versuch von Mitarbeitern, dass Rolltor nach der Einfahrt von fünf Wagen zu schließen, sei aber gescheitert. „Das war faktisch nicht durchsetzbar, weil sich der Konvoi selbst Zugang verschaffte“, erläuterte Ratzel. Überhaupt habe sich der Kunde von vielen anderen, deren Veranstaltungen problemlos über die Bühne gehen, deutlich unterschieden.

Ratzel: Kunde machte falsche Angaben

In diesem Fall seien im Vorfeld zahlreiche Angaben gemacht worden, die nicht der Wahrheit entsprachen. Zum Beispiel hinsichtlich der Zahl der Gäste. Statt etwa 400 seien geschätzt über 600 im Bénazet-Saal gewesen. Das habe auch die Gastronomie in Schwierigkeiten gebracht. Das Paar, das sich im Vorfeld als Brautpaar ausgewiesen habe, sei als solches gar nicht in Erscheinung getreten. Gerüchte, wonach bei der Festlichkeit einer ethnischen Minderheit gar die Eheschließung von Minderjährigen gefeiert wurde, konnte Ratzel nicht aufklären. „Es gibt kaum eine Nationalität, die bei uns noch nicht gefeiert hat“, sagte der BKV-Chef grundsätzlich zum Thema Vermietung. Das Kurhaus soll auch künftig ein offenes Haus sein. Klar sei aber, dass „nicht jeder tun und lassen kann, was er will“. Allerdings könne man Kunden „nicht einfach erkennungsdienstlich durchleuchten, nur weil sie eine Feier buchen“.

Polizei wurde eingeschaltet

Weil man bei der BKV zwei bis drei Wochen vor dieser Hochzeit eine „gewisse Ahnung“ gehabt habe, was kommen könne, sei die Polizei eingeschaltet worden. Die Ordnungshüter und die Verwaltung haben sich nach Einschätzung von Ratzel „besonnen und richtig verhalten“.

BKV-Chef schlägt Beratungen vor

Er schlägt vor, dass sich die Behörden und andere Raum-Anbieter in der Stadt zusammensetzen, um zu beraten, wie man „einen Exzess“ wie am Sonntag verhindern könne. Er habe zudem kein Problem damit, dem Gemeinderat zu dem Vorfall Rede und Antwort zu stehen. Von den offenen Briefen der Kommunalpolitiker habe ihn jedoch kein einziger persönlich erreicht. Von den Inhalten habe er nur aus den Medien erfahren.