Verpackt und eingehüllt: Die Bäder- und Kurverwaltung lässt die Außenfassade der Trinkhalle sanieren. Das Vorhaben, aufgeteilt in vier Bauabschnitte, erstreckt sich bis in den Spätsommer des kommenden Jahres.
Verpackt und eingehüllt: Die Bäder- und Kurverwaltung lässt die Außenfassade der Trinkhalle sanieren. Das Vorhaben, aufgeteilt in vier Bauabschnitte, erstreckt sich bis in den Spätsommer des kommenden Jahres. | Foto: Rudolphi

Bis Sommer 2020

BKV saniert Fassade der Trinkhalle in Baden-Baden

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Nein, es ist kein neues Kunstwerk von Christo. Der Verpackungskünstler hat sich nicht die Trinkhalle als Objekt ausgesucht, obwohl die Anmutung darauf schließen lassen könnte. Planen verhüllen großflächig Teile des Gebäudes. Der Grund ist ganz profan: Die Bäder- und Kurverwaltung Baden-Württemberg (BKV) setzt die Sanierung der Trinkhalle fort.

Nach der Restaurierung des Wandelgangs und der Brunnenhalle vor einigen Jahren ist jetzt die Außenfassade des historischen Gebäudes an der Reihe. Seit Mai ist die von Heinrich Hübsch, einem Schüler des berühmten Friedrich Weinbrenner, im romanischen Stil entworfene Trinkhalle eingerüstet und verhüllt – und zwar an wechselnden Stellen.

Ursprüngliches Erscheinungsbild

Die Arbeiten haben zunächst auf der Rückseite des rechten Flügels begonnen. Mittlerweile ist die Baustelle auf die Vorderseite gewandert. „Es geht im Wesentlichen um eine Instandhaltungs-Sanierung“, erläutert BKV-Pressesprecherin Silke Michel auf BNN-Anfrage. Ziel sei es, das Erscheinungsbild des markanten Baus wieder so herzustellen, wie es ursprünglich einmal gewesen sei. Michel zufolge ist das eine Auflage des Denkmalschutzes.

Nach der Restaurierung wird ein Laie keinen großen Unterschied feststellen.

Die beauftragte Firma reinigt und konserviert die Fassade. Nach Angaben der BKV müssen die Spezialisten dabei sehr behutsam vorgehen, um das Baumaterial zu schützen. Sie entfernen Mose und Flechten, die sich an dem historischen Mauerwerk festgesetzt haben. Zudem untersuchen die Mitarbeiter die Fassade nach Rissen, bessern diese aus und ersetzen kaputte Steine. „Nach der Restaurierung wird ein Laie keinen großen Unterschied feststellen“, betont Michel. Es gehe nicht darum, der Trinkhalle neuen Glanz zu verpassen, sondern sie originalgetreu zu restaurieren.

Blick in den Wandelgang: Ein Teil der Vorhalle mit den Wandgemälden zu Sagen und Mythen aus der Region ist während der Restaurierungsarbeiten für Besucher gesperrt.
Blick in den Wandelgang: Ein Teil der Vorhalle mit den Wandgemälden zu Sagen und Mythen aus der Region ist während der Restaurierungsarbeiten für Besucher gesperrt. | Foto: Rudolphi

Michel zufolge laufen die Arbeiten in diesem Abschnitt voraussichtlich bis November. Im nächsten Jahr geht es von März bis Juni an der linken Vorderfront weiter. Den Abschluss bildet dann bis August der linke hintere Teil mit dem Café Trinkhalle.

Nutzung der Trinkhalle

Die Sanierung ist Teil eines Konzepts für die künftige Nutzung der Trinkhalle. Nach dem Auszug der Tourist-Information und des Ticketservices prüft die BKV mehrere Optionen. Grundlage dafür bietet die Arbeit von Teilnehmern eines Aufbaustudiums der Fakultät für Architektur am KIT Karlsruhe. Da viele konkrete Daten zum Bau fehlen, versuchen die jungen Architekten, aus Plänen, Skizzen, Fotos, Briefen und Rechnungen ein Puzzle zusammenzufügen, an dessen Ende ein Baualters- und -phasenplan stehen soll. BKV-Geschäftsführer Steffen Ratzel hatte wiederholt angekündigt, die Trinkhalle wieder mit mehr Leben zu erfüllen. Im Brunnensaal seien eine museale Nutzung zum Thema Thermen oder kulturelle Veranstaltungen denkbar.

Die Trinkhalle ist 1839 bis 1842 nach den Plänen Heinrich Hübschs, eines Schülers Friedrich Weinbrenners, im Kurgarten entstanden. Weinbrenner hatte bereits eine Trinkhalle in der Nähe der Stiftskirche errichten lassen. Zur gleichen Zeit entstand auch das Conversationshaus, Vorläufer des heutigen Kurhauses. Über ein Jahrzehnt nach Weinbrenners Tod entwarf Hübsch eine neue Trinkhalle neben dem Kurhaus. Die Weinbrenner-Trinkhalle musste dem Bau des Friedrichsbads weichen.
Der imposante Bau der Hübsch-Trinkhalle zeichnet sich durch eine 90 Meter lange, zur Oos hin offene Vorhalle aus – getragen von 16 korinthischen Säulen. Die Wand der Vorhalle schmücken 14 Wandbilder mit badischen Sagen. Jakob Götzenberger gestaltete 1844 die Bilder, die Sagen und Mythen aus der Region zeigen.

Kommentar
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Aufgehübscht

Was passiert künftig in der Trinkhalle? Die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) als Eigentümerin hält sich noch bedeckt, welche Pläne sie für die künftige Nutzung des berühmten Baudenkmals von Heinrich Hübsch verfolgt. Dass dort nach dem Auszug der Tourist-Information und des Ticketservices wieder mehr Lebens einkehren muss, ist unstrittig.

Optionen

Bei BKV-Chef Steffen Ratzel rangiert das auch ganz oben auf der Agenda, wie er immer wieder betont. Aber bis jetzt hat er die Katze noch nicht aus dem Sack gelassen. Kulturelle Veranstaltungen und eine Ausstellung zu den Thermen sind mögliche Optionen.

Zurück zu Thermalwasser

Nach wie vor steht im Raum, die Trinkhalle wieder ihrem ursprünglichen Zweck zuzuführen und dort den Genuss von Thermalwasser zu ermöglichen. Der Versuch, das Heilwasserprädikat zu erhalten, scheiterte vor einigen Jahren. Offenbar arbeiten mittlerweile Experten an einem neuen Verfahren, um den Arsen-Gehalt im Thermalwasser unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert zu drücken. Wenn das gelänge, wäre das ein echter Gewinn sowohl für die Trinkhalle als auch für die öffentlichen Thermalwasser-Brunnen in der Stadt.

Frischzellen-Kur

Egal, wie es kommt: Die Trinkhalle ist für künftige Nutzungen wohl bestens gerüstet. Mit den vergangenen und laufenden Sanierungen innen und außen erfährt der markante Hübsch-Bau eine regelrechte Frischzellen-Kur.