Was mag da wohl drauf sein? BNN-Mitarbeiterin Sina Schneider freut sich über privates historisches Filmmaterial, das Leser in der Geschäftsstelle Baden-Baden für das Projekt „Zurückgespult“ abgegeben haben. | Foto: Rudolphi

„Zurückgespult“ in Baden-Baden

Als Kaiserin Soraya zu Besuch war…

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Das Projekt „Zurückgespult“ der Badischen Neuesten Nachrichten stößt auch in Baden-Baden auf Resonanz. In den vergangenen Wochen haben Leser ihr privates Filmmaterial in der BNN-Geschäftsstelle abgegeben. Ziel ist es, eine DVD-Kollektion zu produzieren und mit den Film-Schätzen sechs Jahrzehnte abzudecken – von den 1930er bis zum Ende der 1980er Jahre.

Stadtmuseum freut sich über „Zurückgespult“

Das BNN-Vorhaben stößt auch bei den professionellen Historikern auf Interesse. „Das ist eine ganz tolle Idee“, meint Heike Kronenwett, die Leiterin des Stadtmuseums und -archivs, im BNN-Gespräch. Sie würde sich freuen, wenn die Teilnehmer des zeitgeschichtlichen Filmprojekts ihr Material auch dem Stadtmuseum zur Verfügung stellen würden.

Private Filme haben stadthistorischen Wert

Gerade private Aufnahmen hätten einen besonderen Wert für die stadthistorische Dokumentation, da sie im Unterschied zu professionellen Filmen einen ganz anderen Blick – oft viel direkter und unverstellt – auf Ereignisse würfen.

Ältester Film stammt aus dem Jahr 1923

Das Stadtarchiv selbst hat einige private Filme in seinem Bestand. Das älteste Exemplar stammt Kronenwett zufolge aus dem Jahr 1923, die Spanne reicht jedoch bis in die Gegenwart. Die Datenbank zu DVDs oder Videos spucke rund 200 Treffer aus. „Das Gros sind offizielle Filme oder Belegfilme, wenn wir unser Haus für bestimmte Aufnahmen zur Verfügung gestellt haben“, räumt die Leiterin ein und ergänzt: „Nur ein kleiner Teil davon sind private Aufnahmen.“

Privater Blickwinkel ist häufig unverstellt

Aber gerade die privaten Filme seien häufig sehr reizvoll und hätten auch eine zeitgeschichtliche Bedeutung. „In unserem Bestand haben wir beispielsweise Szenen vom Kindersonnengarten aus dem Jahr 1929 oder von einem frühen Kinderfrühlingsfest“, erläutert Kronenwett. Der Kindersonnengarten war eine Wald-Erholungsstätte für tuberkulosegefährdete Kinder beim heutigen Hardbergbad. Das Kinderfrühlingsfest beruht auf einer alten Tradition, bei der Kinder in einem Umzug durch die Innenstadt ziehen.

Kaiserin Soraya oder Charles de Gaulle auf Zelluloid?

Die Chefin des Stadtmuseums geht davon aus, dass in Baden-Badener Kellern oder auf den Speichern viele solcher historischer Filmschätze lagern. „Die Stadtgeschichte ist ja reich an großen Begegnungen, politischen Treffen und Kongressen“, meint sie und hat nicht nur die jüngste G-20-Tagung oder den Nato-Gipfel 2009 im Blick.
„Es wäre doch interessant zu sehen, ob jemand Kaiserin Soraya oder Charles de Gaulle bei ihren Besuchen in Baden-Baden gefilmt hat“, betont Kronenwett.

Veränderungen über Jahrzehnte hinweg werden sichtbar

Aber auch eine private, gefilmte Familienfeier könne manchmal Aufschluss über geschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge bieten.  Oder ein filmischer Schwenk über eine Straße biete die Chance, Veränderungen über Jahrzehnte hinweg sichtbar machen.

Da sitzen immer Leute davor

Obwohl das Stadtmuseum am Ende der Lichtentaler Allee eher ein Haus mit Exponaten im klassischen Sinne sei, könne sich kaum jemand der Faszination und der Wirkung bewegter Bilder entziehen: „In unsere Dauer-Ausstellung läuft ein Baden-Baden-Film. Da sitzen immer Leute davor“, versichert Heike Kronenwett.

Welche Filme werden gebraucht? Das Projekt der Badischen Neuesten Nachrichten mit ihren Lesern soll sechs Jahrzehnte abdecken – und zwar von den 30er Jahren bis Ende der 1980er Jahre. Das Format der Filme spielt dabei keine Rolle: Ob 35-Millimeter-Film, Super 8 oder Video – alles ist für die geplante DVD-Kollektion von Interesse.  Interessant sind vor allem Filme mit dokumentarischem und persönlichem Ansatz. Wer nimmt die Filme entgegen? Gut verpackt können Sie „Ihre“ Filmschätze bei den Badischen Neuesten Nachrichten abgeben – etwa in der BNN-Geschäftsstelle Baden-Baden, Wilhelmstraße 4. Sie können uns Ihre „Schätzchen“ natürlich auch per Post schicken:
Badische Neueste Nachrichten
Aktion: Zurückgespult
76147 Karlsruhe
Für beide Übermittlungswege gilt: Legen Sie eine kurze Beschreibung zu dem Film bei. Vergessen Sie Ihren Namen, Anschrift, Telefonnummer und gegebenenfalls E-Mail-Adresse nicht. Jeder Einsender erhält von uns eine Empfangsbestätigung. Bis zum 29. April sollten die „Filmschätze“ eingegangen sein. Im Spätherbst soll die fünfteilige DVD-Kollektion fertig sein.
Welchen Nutzen haben Sie? Jeder Teilnehmer dieses zeitgeschichtlichen Filmprojekts bekommt als Dankeschön sein eingereichtes Filmmaterial kostenlos digitalisiert. Wenn es ihre Filmszenen in die DVD-Edition „Zurückgespult“ schaffen, bekommen Sie ein Gratisexemplar und werden namentlich im Abspann erwähnt.