Luschtobjekt auf Distanz: Bülent Ceylan kommt auf die Bühne des Rantastic-Autokinos in Haueneberstein.
Luschtobjekt auf Distanz: Bülent Ceylan kommt auf die Bühne des Rantastic-Autokinos in Haueneberstein. | Foto: Uwe Anspach/dpa

Vor Auftritt in Baden-Baden

Bülent Ceylan: „Wer meint, Kultur wäre nicht systemrelevant, bekommt vom Mompfreed uff die Gosch“

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In diesen Zeiten sollte man sich erst recht das Lachen nicht nehmen lassen, findet Bülent Ceylan. Vom 22. bis 24. Mai gastiert der Mannheimer Comedian auf der Bühne des Rantastic-Autokinos im Baden-Badener Stadtteil Haueneberstein und wird dabei als „Open hAIR Specials“ Auszüge aus seinem Programm „Luschtobjekt“ spielen. Mit unserer Mitarbeiterin Meike Paul sprach er über Homeschooling, existenzielle Ängste und die Systemrelevanz von Kultur.

In Viernheim haben Sie den ersten Autokino-Versuch gewagt. Was ist das für ein Gefühl, in diesem Rahmen zu spielen?

Ceylan: Am Anfang war es sehr ungewohnt! Das Treiben backstage war zum ersten Mal lauter, als das Publikum selbst (lacht). Aber dann bin ich ziemlich schnell damit zurecht gekommen. Hab den Zuschauern gesagt, wenn sie lachen oder klatschen wollen, dann sollen sie stattdessen Hupen und Lichthupe geben oder aus dem Fenster schreien.

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Eindrucksvoll!

Ceylan: Und wenn sie Tränen lachen, dann sollen sie die Scheibenwischer anmachen und Wasser spritzen.

Hatten Sie zunächst Zweifel am Konzept?

Ceylan: Am Anfang schon, weil man ja die Lacher nicht richtig hört. Ein Komiker lebt vom Applaus und von den Lachern. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ich hab mich mittlerweile an die neue Situation gewöhnt.

Wie erleben Sie die Corona-Krise? Haben Sie Angst? Respekt?

Ceylan: Für mich war es zu Beginn sehr schlimm. Unsicherheit griff um sich und man wusste gar nicht, was da eigentlich auf einen zukommt. Deshalb bin ich meiner Familie so dankbar. Sie hat mich am besten durch diese Zeit gebracht und bringt mich weiterhin gut durch. Also psychisch vor allem. Wichtig ist, dass man zusammenhält und versucht, das Beste daraus zu machen.

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten …

Ceylan: Ich wünsche mir einfach nur, dass wir alle wieder so leben wie früher und uns wieder umarmen können.

Kann die Situation auch eine Chance für unsere Gesellschaft sein?

Ceylan: Na ja, Homeoffice wird immer wichtiger. Dadurch werden in Zukunft einige nicht mehr so viel geschäftlich reisen müssen. Dies wiederum hilft der Umwelt. Außerdem haben wir daraus gelernt, wieder mehr im eigenen Land zu produzieren, was zum Beispiel medizinische Geräte anbelangt.

Also vor allem wirtschaftliche Vorteile?

Ceylan: Na, und wir haben gelernt, gewisse Dinge wieder mehr zu schätzen. Eins ist klar in dieser Zeit: Familie und Gesundheit sind das höchste Gut.

Sie sind Papa. Wie haben Sie das mit dem Beschäftigen und Homeschooling gemeistert?

Ceylan: Meine Frau und ich haben sehr viel mit den Kindern gemacht. Meine Große findet Homeschooling cool und macht sich dabei sehr gut. Aber sie vermisst natürlich auch ihre Freundinnen und das alles. Meine Kleinen müssen wir natürlich gut beschäftigen. Mein Sohn meinte neulich, dass er das jetzt toll findet, dass ich öfter zu Hause bin. (lacht).

Waren Sie selbst in Quarantäne?

Ceylan: Nein! Gott sei Dank bin ich, beziehungsweise sind wir bisher von diesem Virus verschont geblieben.

Was vermissen Sie aktuell am Allermeisten?

Ceylan: Das Umarmen mit meiner Mutter. Und das Lächeln der Menschen im Alltag, das man wegen des Mundschutzes nicht sehen kann.

Wie bereitet man sich auf eine Show im Autokino vor?

Ceylan: Wie bei normalen Shows auch. Und wenn es soweit ist, ab auf die Bühne, Spaß haben und die Menschen zwei Stunden von dieser schlimmen Zeit ablenken.

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Wie wichtig ist es, das Lachen nicht zu verlieren?

Ceylan: Ganz wichtig. Und wenn noch irgendeiner meint, Comedy, Musik oder allgemein Kultur wäre nicht systemrelevant, was übrigens zum Unwort des Jahres gewählt werden sollte, der bekommt vom Mompfreed uff die Gosch.

Was wird Ihre Gäste in Baden-Baden erwarten?

Ceylan: Ein Mega-Programm! Zwei Stunden Non-Stop-Entertainment. Erst lachen, dann noch paar Lieder! Quasi zwei Shows für einen Preis. Ich freu mich.