Ökumenischer Protest: Die Kirchen fordern in Sichtweite des G-20-Treffens eine Entschuldung der armen Länder. | Foto: Kappler

Aktion bei G-20-Treffen

Die Schuldenlast löst sich in Luft auf

Schnipp – ein Schnitt mit der großen roten Schere und schon sind die Schulden weg. Wenn es nur so einfach wäre. Aber zumindest symbolisch geht das, wie die Aktion des Bündnisses erlassjahr.de auf der Fieserbrücke zeigt. Da lassen sich die ärmsten und am höchsten verschuldeten Länder mit einem schnellen Scherenschnitt von ihrer Schuldenlast zu befreien.

20 Menschen hüllen sich in Flaggen der ärmsten Länder

Für die Inszenierung zum Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs hüllen sich 20 Menschen aus den betroffenen Länder in die jeweiligen Nationalflaggen und tragen riesige weiße Ballons mit sich, auf denen Geldscheine aufgedruckt sind – ein Bild für die Schulden dieser Staaten.

Percussionsgruppe stimmt auf Kundgebung ein

Die Percussionsgruppe Terricafò aus Freiburg stimmt mit ihren Trommeln rhythmisch ein und dann zieht die Gruppe von der Kreuzstraße auf die Brücke – in Sichtweite zur internationalen Konferenz der Minister im Kurhaus.

Scherenschnitt steht für Schuldenschnitt

Jubel und Applaus unter Teilnehmern und Besuchern branden auf, als nach dem Schnitt mit der Schere die Luftballons in den blauen Himmel steigen und sich die Schuldenlast gleichsam in Luft auflöst. „Dort drüben tagen die G-20-Minister, ein exklusiver Club, der seine Entscheidungen hinter verschlossenen Türen trifft“, sagt Kaiser. Nach wie vor gebe es mehr als 100 Entwicklungsländer, die durch Überschuldung stark gefährdet seien und als Betroffene dennoch von dem Treffen ausgeschlossen seien.

Betroffene Länder sind bei Treffen nicht  dabei

Die Beschlüsse, die die G20 zu Regeln und der Weltwirtschaft träfen, beeinflussten auch die Lebensbedingungen von Menschen weltweit, deren Heimatländer nicht den G20 angehörten. Deshalb stelle erlassjahr.de – dem Bündnis gehören etwa 200 Organisationen an – den G20 die Stimmen von 20 Menschen aus 20 betroffenen Ländern (die „Debt20“) gegenüber.

debt klingt wie death

„Dabei ist es nicht zufällig, dass debt (deutsch Schuld) wie death (deutsch Tod) klingt“, meint Kaiser. Häufig sei es so, dass die Schulden diese Staaten fast strangulierten. Wenn die G20 sich für eine Art Weltregierung hielten, müssten sie alles dafür tun, um diesen Ländern Luft zu verschaffen.

Motto ist: Entwicklung braucht Entschuldung jetzt

„Entwicklung braucht Entschuldung jetzt“ lautet deshalb das Motto der Aktion auf der Fieserbrücke. Das Bündnis hatte vor zwei Wochen an die Finanzminister Scheren verschickt und sie eingeladen, den Schuldenschnitt selbst zu vollziehen. Doch ohne Erfolg: Keiner der Politiker lässt sich auf der Fieserbrücke blicken. Einzig Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich entschuldigt. „Also müssen wir das wieder mal selbst in die Hand nehmen“, bekräftigt Kaiser und erleichtert mit seiner Schere die Staaten von ihrer drückenden Schuldenlast.

Bündnis fordert solidarische Globalisierung

Kirchen und Eine-Welt-Gruppen wollen mit ihrer Aktion die Stimmen der Betroffenen und die Forderung nach einer gerechten, weltoffenen und solidarischen Globalisierung hör- und sichtbar machen.

Weltwirtschaft geht zu Lasten der Ärmsten

„Wir glauben, dass wir das den ärmsten Ländern schuldig sind“, betont Pfarrer Thomas Weiß von der Luthergemeinde Lichtental, der für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Baden spricht. Die globalisierte Weltwirtschaft gehe meist zu Lasten der Ärmsten. „Das lässt uns nicht in Ruhe“, versichert Weiß.

Weitere Infos gibt es hier: https://bnn.de/lokales/baden-baden/baden-baden-g20-tag1